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Wo sind die Dixi-Klos vor der Sitterbühne?

St.Galler Openair-Bilanz 2017: Knöppel verpasst, Trentemoller erlebt, Brille gekillt. Und lang lebe Beth Ditto!
Von  Corinne Riedener

Dieses Mal wollte ich das Happening im Tobel etwas gemütlicher angehen als die Jahre davor. Weil mein erster Gedanke am Samstag oder am Sonntagmittag beim Aufstehen nicht unbedingt dem gilt, was es über den Abend davor zu schreiben gäbe. Ich sehne mich dann für gewöhnlich eher nach Alka Seltzer und einer Rückenmassage.

Die Lust hielt sich etwas in Grenzen, ich gebs zu. Auch weil andere Medien schon die ganze letzte Woche lang Openair-Content rausgehauen haben wie die Irren: Juhuu, Eindrücke vom letzten Jahr, vom vorletzten und überhaupt den letzten 40 Jahren, Beauty-Tipps zum xten, Schlammgallen sowieso und en masse Texte à la «So verhalte ich mich als nicht-Ostschweizer am Openair».

Einen Moment lang habe ich mit einem Live-Ticker über dieses mediale Bombardement im Vorfeld des Openairs geliebäugelt, schliesslich kann auch Saiten die Klicks brauchen. Am Ende entschied ich mich aber doch für die seriösere Variante und habe mir vorgenommen, einfach ein oder zwei Konzerte zu besprechen – was nicht wirklich geklappt hat.

Ein einziges Hin und Her

Der Freitagabend fing eigentlich ganz gut an. Als wir aufs Gelände kamen, spielte Michael Kiwanuka auf der Sternenbühne, die Stimmung war heiter, der Regen hielt sich in Grenzen. Auf unserem Programm standen die Hosen, Bonobo, Justice und Breitbild. Keine gute Idee. Es endete damit, dass wir ständig von der Sternenbühne zur Sitterbühne und wieder zurück hetzten. Von den Konzerten haben wir herzlich wenig mitbekommen. Nicht genug jedenfalls, um kompetent darüber zu berichten.

Selber Tschuld, als erfahrene Openairler hätten wir es eigentlich besser gewusst. Aber uns blieb ja noch der Samstag. Knöppel haben wir schändlich verpasst, der Wecker war schlicht zu leise. Dafür haben wir noch die letzten Tracks von Pegasus gehört – und danach zur Belohnung die wunderbare Beth Ditto. Danke, Beth, an dieser Stelle. Irgendwann werde ich auch so vor Selbstvertrauen strotzen wie du. Mit 60 oder so…

Savages auf der Sternenbühne sahen wir nur von gaaanz weit hinten – schade! – also wechselten wir wieder zur Grossen, wo uns Alt-J ihren alternativen Folk um die Ohren hauten. Nett, aber nicht so unser Geschmack. Zum Glück spielte danach Trentemoller auf der Sternenbühne. Der machte seinem Namen als Technogott Ehre, auch wenn er in Echt nie an meine Wunschträume herankommt. Aber die sind zugegeben auch völlig übersteigert und idealisiert.

Tschau ihr da vorne auf der Bühne

Beschwingt wechselten wir wieder zur Sitterbühne – und dort geschah es: In einem Moment der Unachtsamkeit drängte sich jemand an mit vorbei, verhakte sich an meiner Brille und riss sie mir schwupps von der Nase. Fuck echt. Tschau Brille, tschau gute Laune, tschau ihr da vorne auf der Bühne. War überhaupt jemand da? Wenn ja, wie viele? Ich konnte nichts mehr erkennen und wollte nur noch ins Glas schauen.

Am Sonntag blieb ich dann grad aus Trotz (und vor lauter Kopfweh) noch eine Weile liegen. Ersatzbrillen habe ich keine, also musste ich eh umdisponieren – und kam am Schluss doch noch in den Genuss von ein bisschen Knöppel-Mucke. Nicht live, dafür verstärkt von einigen Fans, die den ganzen Bus vom Tobel hinauf mit ihrem Gesang unterhielten. Und jeden Satz mit «Wichser» beendeten. Was ich ihnen gleichtu: Wenn ihr schon Pissoirs aufstellt rechts bei der Sitterbühne, stellt doch bitte auch ein paar Dixi-Klos auf, ihr Wichser!

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