Dieses Mal wollte ich das Happening im Tobel etwas gemütlicher angehen als die Jahre davor. Weil mein erster Gedanke am Samstag oder am Sonntagmittag beim Aufstehen nicht unbedingt dem gilt, was es über den Abend davor zu schreiben gäbe. Ich sehne mich dann für gewöhnlich eher nach Alka Seltzer und einer Rückenmassage.
Die Lust hielt sich etwas in Grenzen, ich gebs zu. Auch weil andere Medien schon die ganze letzte Woche lang Openair-Content rausgehauen haben wie die Irren: Juhuu, Eindrücke vom letzten Jahr, vom vorletzten und überhaupt den letzten 40 Jahren, Beauty-Tipps zum xten, Schlammgallen sowieso und en masse Texte à la «So verhalte ich mich als nicht-Ostschweizer am Openair».
Einen Moment lang habe ich mit einem Live-Ticker über dieses mediale Bombardement im Vorfeld des Openairs geliebäugelt, schliesslich kann auch Saiten die Klicks brauchen. Am Ende entschied ich mich aber doch für die seriösere Variante und habe mir vorgenommen, einfach ein oder zwei Konzerte zu besprechen – was nicht wirklich geklappt hat.
Ein einziges Hin und Her
Der Freitagabend fing eigentlich ganz gut an. Als wir aufs Gelände kamen, spielte Michael Kiwanuka auf der Sternenbühne, die Stimmung war heiter, der Regen hielt sich in Grenzen. Auf unserem Programm standen die Hosen, Bonobo, Justice und Breitbild. Keine gute Idee. Es endete damit, dass wir ständig von der Sternenbühne zur Sitterbühne und wieder zurück hetzten. Von den Konzerten haben wir herzlich wenig mitbekommen. Nicht genug jedenfalls, um kompetent darüber zu berichten.
Selber Tschuld, als erfahrene Openairler hätten wir es eigentlich besser gewusst. Aber uns blieb ja noch der Samstag. Knöppel haben wir schändlich verpasst, der Wecker war schlicht zu leise. Dafür haben wir noch die letzten Tracks von Pegasus gehört – und danach zur Belohnung die wunderbare Beth Ditto. Danke, Beth, an dieser Stelle. Irgendwann werde ich auch so vor Selbstvertrauen strotzen wie du. Mit 60 oder so…
Savages auf der Sternenbühne sahen wir nur von gaaanz weit hinten – schade! – also wechselten wir wieder zur Grossen, wo uns Alt-J ihren alternativen Folk um die Ohren hauten. Nett, aber nicht so unser Geschmack. Zum Glück spielte danach Trentemoller auf der Sternenbühne. Der machte seinem Namen als Technogott Ehre, auch wenn er in Echt nie an meine Wunschträume herankommt. Aber die sind zugegeben auch völlig übersteigert und idealisiert.
Tschau ihr da vorne auf der Bühne
Beschwingt wechselten wir wieder zur Sitterbühne – und dort geschah es: In einem Moment der Unachtsamkeit drängte sich jemand an mit vorbei, verhakte sich an meiner Brille und riss sie mir schwupps von der Nase. Fuck echt. Tschau Brille, tschau gute Laune, tschau ihr da vorne auf der Bühne. War überhaupt jemand da? Wenn ja, wie viele? Ich konnte nichts mehr erkennen und wollte nur noch ins Glas schauen.
Am Sonntag blieb ich dann grad aus Trotz (und vor lauter Kopfweh) noch eine Weile liegen. Ersatzbrillen habe ich keine, also musste ich eh umdisponieren – und kam am Schluss doch noch in den Genuss von ein bisschen Knöppel-Mucke. Nicht live, dafür verstärkt von einigen Fans, die den ganzen Bus vom Tobel hinauf mit ihrem Gesang unterhielten. Und jeden Satz mit «Wichser» beendeten. Was ich ihnen gleichtu: Wenn ihr schon Pissoirs aufstellt rechts bei der Sitterbühne, stellt doch bitte auch ein paar Dixi-Klos auf, ihr Wichser!
Das Openair-OK war fleissig. Neben Zug-Vergünstigungen und einem Line-Up-Vorgeschmack liefert es auch eine neue Erziehungsmassnahme: das Zeltdepot. Ob's reicht?
Was bleibt nach vier Tagen Schlamm und Musik? Ein Abfallberg im Sittertobel, die grinsende Fratze der Wegwerfgesellschaft.
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
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Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.