Saiten: Sie fahren seit fast 20 Jahren die Leute vom Bahnhof ans Openair. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Markus Zeller: Eigentlich nicht viel… Die Besucher sind heute ein bisschen jünger, habe ich den Eindruck. Und es sind natürlich mehr als vor 15 oder 20 Jahren. Unterschiede sehe ich vor allem in der Organisation: Heute haben wir mehr Leute, die für einen logistisch reibungslosen Ablauf sorgen. Die Wartezeiten für die Besucher sind wesentlich kürzer als noch vor einigen Jahren und insgesamt ist der Ablauf flüssiger.
Was, wenn einmal etwas Unvorhergesehenes passiert?
Dafür haben wir mobile Mechaniker. Wenn ich zum Beispiel einen Platten oder eine Türstörung hätte, wären sie sofort da und könnten helfen. Aber solche Probleme sind zum Glück selten.
Die Stimmung am Sonntagabend im Bus ist merklich anders als am Donnerstag, wenn das grosse Fest noch bevorsteht…
Wenn die Leute kommen am Donnerstag oder Freitag, sind sie schon recht aufgedreht, ja. Am Sonntag sind sie dann vor allem müde. Und sie stinken. Man kommt sich manchmal ein bisschen vor wie in einem Viehtransporter – aber das gehört ja auch dazu an so einem Anlass. Da sagen wir sicher nicht: Bitte, putzt eure Schuhe. Uns reicht es, wenn alle alles wieder mitnehmen beim Aussteigen.
Trotz Sonderbelastung fahren die Busse am Montag alle wieder im normalen Linienverkehr. Wie kriegt man die Fahrzeuge wieder sauber?
Das geht relativ schnell. Am Feierabend, wenn wir die Fahrzeuge ins Depot bringen, reinigt unsere Putzequipe die Böden grob mit dem Schlauch oder einem Nasssauger und reibt die Polster glatten Flächen mit halbfeuchten Tüchern ab. Danach werden die Busse einzeln einer Grossreinigung unterzogen, noch in derselben Nacht, damit sie am anderen Tag wieder normal eingesetzt werden können.
Reicht dafür das reguläre Putzteam?
Nein, es braucht Verstärkung, etwa durch Freiwillige, die sonst für die Kantine oder für die Toiletten zuständig sind. Wichtig ist auch hier, dass alles gut organisiert ist und es keine Verzögerungen gibt.
Hier wird noch die ganze Nacht weitergeputzt: die «Reinigungsstrasse» im VBSG-Depot.
Für gewöhnlich geht es ziemlich lebhaft zu und her im Openair-Bus. Welches ist ihre Lieblingsanekdote?
Ja, heiter ist es auf jeden Fall! Generell sind die Leute wahnsinnig flott und unkompliziert, Ärger gibt es nur selten. Mit keiner Gruppe gibt es so wenig Probleme wie mit den Openair-Besuchern. An der Olma zum Beispiel sind die Leute viel stärker alkoholisiert. Eine bestimmte Anekdote habe ich nicht, aber manches bleibt einem schon: Wenn zum Beispiel jemand mir als Chauffeur ein Bier anbietet oder feierlich verspricht, nächstes Jahr eines zu bringen. Das sind lustige Momente.
Haben Sie auch eine Schmerzgrenze?
Bis jetzt wurde sie jedenfalls noch nie erreicht. Es gab zum Beispiel noch nie jemanden, der sich im Bus übergeben musste am Openair. An der Olma oder an normalen Samstagen passiert das öfters.
Demnach sind die Openair-Einsätze beliebt bei den Chauffeuren?
Ja, vor allem bei den jüngeren. Wenn man zwei Jahre regulär Bus gefahren ist, kann man sich melden für den Openair-Dienstplan. Dieses Jahr waren von Donnerstag bis Sonntag rund um die Uhr etwa 20 Chauffeure im Openair-Einsatz, am Sonntag etwa 30.
Gehen Sie privat ans Openair?
Ich war noch kein einziges Mal, abgesehen vom «Fetzeln» damals in der Schule. Mir hat es dann doch etwas zu viele Leute und Schlamm im Tobel. Ich finde den ganzen Anlass zwar spannend und beobachte gerne, was so passiert, aber lieber vom Fahrersitz aus, meinem «geschützten Umfeld» sozusagen.
Was bleibt nach vier Tagen Schlamm und Musik? Ein Abfallberg im Sittertobel, die grinsende Fratze der Wegwerfgesellschaft.
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