Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Mit keiner Gruppe gibt es so wenig Probleme wie mit den Openair-Besuchern»

Markus Zeller ist Buschauffeur bei der VBSG und bringt die Openair-Gäste ins Sittertobel und wieder hinauf. Am Sonntag hat er uns auf seine letzte Fahrt mitgenommen.
Von  Corinne Riedener , 
Sonntag, 21:20 Uhr: Markus Zeller hat Feierabend.

Saiten: Sie fahren seit fast 20 Jahren die Leute vom Bahnhof ans Openair. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Markus Zeller: Eigentlich nicht viel… Die Besucher sind heute ein bisschen jünger, habe ich den Eindruck. Und es sind natürlich mehr als vor 15 oder 20 Jahren. Unterschiede sehe ich vor allem in der Organisation: Heute haben wir mehr Leute, die für einen logistisch reibungslosen Ablauf sorgen. Die Wartezeiten für die Besucher sind wesentlich kürzer als noch vor einigen Jahren und insgesamt ist der Ablauf flüssiger.

Was, wenn einmal etwas Unvorhergesehenes passiert?

Dafür haben wir mobile Mechaniker. Wenn ich zum Beispiel einen Platten oder eine Türstörung hätte, wären sie sofort da und könnten helfen. Aber solche Probleme sind zum Glück selten.

Die Stimmung am Sonntagabend im Bus ist merklich anders als am Donnerstag, wenn das grosse Fest noch bevorsteht…

Wenn die Leute kommen am Donnerstag oder Freitag, sind sie schon recht aufgedreht, ja. Am Sonntag sind sie dann vor allem müde. Und sie stinken. Man kommt sich manchmal ein bisschen vor wie in einem Viehtransporter – aber das gehört ja auch dazu an so einem Anlass. Da sagen wir sicher nicht: Bitte, putzt eure Schuhe. Uns reicht es, wenn alle alles wieder mitnehmen beim Aussteigen.

Trotz Sonderbelastung fahren die Busse am Montag alle wieder im normalen Linienverkehr. Wie kriegt man die Fahrzeuge wieder sauber?

Das geht relativ schnell. Am Feierabend, wenn wir die Fahrzeuge ins Depot bringen, reinigt unsere Putzequipe die Böden grob mit dem Schlauch oder einem Nasssauger und reibt die Polster glatten Flächen mit halbfeuchten Tüchern ab. Danach werden die Busse einzeln einer Grossreinigung unterzogen, noch in derselben Nacht, damit sie am anderen Tag wieder normal eingesetzt werden können.

Reicht dafür das reguläre Putzteam?

Nein, es braucht Verstärkung, etwa durch Freiwillige, die sonst für die Kantine oder für die Toiletten zuständig sind. Wichtig ist auch hier, dass alles gut organisiert ist und es keine Verzögerungen gibt.

Hier wird noch die ganze Nacht weitergeputzt: die «Reinigungsstrasse» im VBSG-Depot.

Für gewöhnlich geht es ziemlich lebhaft zu und her im Openair-Bus. Welches ist ihre Lieblingsanekdote?

Ja, heiter ist es auf jeden Fall! Generell sind die Leute wahnsinnig flott und unkompliziert, Ärger gibt es nur selten. Mit keiner Gruppe gibt es so wenig Probleme wie mit den Openair-Besuchern. An der Olma zum Beispiel sind die Leute viel stärker alkoholisiert. Eine bestimmte Anekdote habe ich nicht, aber manches bleibt einem schon: Wenn zum Beispiel jemand mir als Chauffeur ein Bier anbietet oder feierlich verspricht, nächstes Jahr eines zu bringen. Das sind lustige Momente.

Haben Sie auch eine Schmerzgrenze?

Bis jetzt wurde sie jedenfalls noch nie erreicht. Es gab zum Beispiel noch nie jemanden, der sich im Bus übergeben musste am Openair. An der Olma oder an normalen Samstagen passiert das öfters.

Demnach sind die Openair-Einsätze beliebt bei den Chauffeuren?

Ja, vor allem bei den jüngeren. Wenn man zwei Jahre regulär Bus gefahren ist, kann man sich melden für den Openair-Dienstplan. Dieses Jahr waren von Donnerstag bis Sonntag rund um die Uhr etwa 20 Chauffeure im Openair-Einsatz, am Sonntag etwa 30.

Gehen Sie privat ans Openair?

Ich war noch kein einziges Mal, abgesehen vom «Fetzeln» damals in der Schule. Mir hat es dann doch etwas zu viele Leute und Schlamm im Tobel. Ich finde den ganzen Anlass zwar spannend und beobachte gerne, was so passiert, aber lieber vom Fahrersitz aus, meinem «geschützten Umfeld» sozusagen.

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
DSC3137