Es ist diese Magie, die mich immer wieder bis ins Innerste berührt. Ich erlebe es meistens an Konzerten. Und erfreulicherweise immer öfters an meinen Konzerten. Das Zusammen-Eins-Sein. Ein unerklärbares Phänomen. Und doch kennen wir alle das Gefühl, wenn es wirklich nur noch diesen Moment gibt. Sei es still und kontemplativ oder verschwitzt und aus voller Kehle.
Als Musiker spüre ich die vielen Gegenüber und diese Verbindung. Ich habe dabei meistens einen privilegierten Platz, aber es ist eigentlich völlig irrelevant, wer grad wo steht. Relevant ist einzig, dass wir nicht allein sind. Und noch viel wichtiger: Dass wir einander brauchen.
Das gilt im Grossen und im Kleinen. Egal wie privilegiert wir grad dastehen, wir können nicht mehr ohne die, die woanders stehen. Diese Abhängigkeit, diese Verbundenheit – sie sollte uns immer bewusst sein. Wir sind in ständigen Beziehungen mit der Welt. Und diese Beziehungen sollten gepflegt werden.
Manchmal braucht es Demut und Dankbarkeit für die Beziehungspflege. Oft braucht es vor allem Solidarität. Meistens wäre ein bisschen Verzicht auf die eigenen Privilegien wichtig. Und manchmal muss man einstehen für etwas, das einem wichtig ist.
Im Grossen und im Kleinen… unsere Lebenswelten sind das Kleine. Hier nehmen wir teil, wir wählen und stimmen ab, wir bringen Ideen ein, diskutieren, hauen mit der Faust auf den Tisch oder lassen sie im Sack. Hier ist unser Handlungsspielraum. Es sind unsere kleinen Schritte, die unsere Welt verändern. Und es sind die starken Gemeinschaften, die uns dabei unterstützen.
Illustration: Joël Roth und Zéa Schaad
Gemeinschaften werden stark, wenn wir uns in ihnen engagieren und sie mit Ressourcen ausstatten. Manchmal reicht Commitment, reicht es, Teil zu sein und für ein Anliegen einzustehen. Manchmal braucht es bunten Protest auf der Strasse. Oft aber braucht es die Ermächtigung zum Handeln durch Mitgliederbeiträge oder Spenden.
Ich war selten so dankbar wie in den letzten Monaten für meine Mitgliedschaft bei Sonart, dem Verband der Schweizer Musikschaffenden. Oder bei der noch jungen IG Kultur Ost, die sich sogar mit einem Brief beim Bundesrat für die Anliegen der hiesigen Kulturszene einsetzte. Ich bin angewiesen auf Vereine, die Kultur veranstalten, damit diese Magie überhaupt stattfinden kann. Und ich arbeite als Co-Verlagsleiter beim Saiten Kulturmagazin, das ohne Abos nicht überleben kann.
Es gibt so viele Beispiele von Zusammenstehen und gemeinsam etwas möglich machen. Vielleicht ist es auch gar nicht so relevant, wer grad was genau möglich macht. Wichtig ist vor allem, dass wir einander haben!
Marc Jenny, 1976, ist Musiker und Co-Verlagsleiter von Saiten.
Saiten hat sich zum Jahresschluss ein Heft zur Immunstärkung vorgenommen. Wir wollten Anregungen und Überlegungen aller Art zur politischen, gesellschaftlichen und individuellen Kräftigung des Immunsystems sammeln.
Zusammengekommen sind 24 Beiträge aus allen möglichen Richtungen, ein Adventskalender der resistenten Art: Kurzgeschichten, Selbsterfahrungen, Appelle, Wutausbrüche, Tiefgang und Smalltalk, Rezepte und Rezeptverweigerungen. 24 Stimmen, 24 Seiten, eine geballte Dosis Immunium® Akut, garantiert mit Risiken und Nebenwirkungen.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht