Kategorie
Autor:innen
Jahr

Da capo mit der «Klangenburg»

Drei Monate nach der Versenkung des Klanghauses im Kantonsrat rappelt sich das Toggenburg auf. Mit «da capo», «förschi» und einer Petition machen sich die Enttäuschten Mut und wollen die Bevölkerung mit ins Boot holen. von Michael Hug
Von  Gastbeitrag , 
Volkes Stimme ist gefragt: In der Bildmitte Moderator Matthias Müller, links Klanghaus-Initiant Peter Roth.

Man kann auch in der Schockstarre noch Dinge bewegen. Am 1. März, kurz vor Sessions-Feierabend, war das Klanghaus klinisch tot. Doch irgendjemand vergass den Patienten in der Intensivstation. Dort liegt er deshalb noch immer, und im Toggenburg war schon in den Tagen nach dem Aus im Kantonsrat klar, dass man den Entscheid – ein formeller, nicht aus der Wägung von Mehrheiten entstandener – so nicht hinnehmen wollte.

Nun ist Initiative gefordert, Interessenbündelung und -artikulierung, «förschi» soll es wieder gehen. Exakt drei Monate später bekennen die diversen Interessensvertreter Farbe: die IG Klanghaus Toggenburg, der Förderverein Klangwelt Toggenburg, die Stiftung KlangWelt Toggenburg, die Vermarktungsorganisation Toggenburg Tourismus und die Regionalentwicklungsorganisation toggenburg.ch.

Alles zurück auf Start

Am Dienstagabend riefen sie vereint zum «da capo» ins Wattwiler Kongresszentrum «Thurpark». Alles zurück auf Start, ein politischer Relaunch des ganzen Projekts mit einer Prämisse: An Baukörper und Standort soll nicht gerüttelt werden. Das Klanghaus soll am Wildhauser Schwendisee gebaut werden (das vorgesehene Grundstück gehört bereits dem Kanton) und es soll, darf oder muss 24,3 Mio Franken kosten.

Es geht also bei «da capo» darum, wie man das Klanghaus neu umschreiben kann, damit es eine reale Chance für eine Neuauflage bekommt. Klar, dass dabei die Bau- und Unterhaltskosten zur Sprache kommen. «Es kostet ganz einfach zu viel», sagt SVP-Kantonsrat Mirco Gerig stellvertretend für seine Partei, die in der Märzsession fast geschlossen gegen das Projekt stimmte. Gerig und sein Parteikollege Ivan Louis stellen sich damit auch gegen alle anderen Kantonsräte aus dem Kreis Toggenburg. Beide scheint das Gewissen zu drücken, denn beide erscheinen am Dienstag zum «da capo».

Task Force gebildet

«Off the record» war schon bald nach dem KR-Entscheid eine Task Force aus Vertretern oben genannter Organisationen gebildet. Ihr rechtlicher Spielraum für ein Rückkommen auf den Entscheid ist jedoch klein, denn ein Wiederholen der Schlussabstimmung oder ein nochmaliges Aufgleisen der gleichen Vorlage ist nicht möglich, eine Volksabstimmung nach einem negativem KR-Entscheid ist im Gesetz nicht vorgesehen, und die Durchführung einer Volksinitiative würde viel zu lange dauern.

Das Volk, die Bevölkerung des Toggenburgs, sieht sich vom seinem Parlament ausgeschlossen. Es kann dennoch etwas tun, nämlich seiner Meinung mit einer Stellungnahme Ausdruck verleihen. «Wenn nur jeder zweite Einwohner des Toggenburgs diese Petition unterschreibt, haben wir 20000 Stimmen», sagt einer der Moderatoren am Dienstagabend. Eine Wunschvorstellung vielleicht, doch würden schon 10’000 Stimmen die Vehemenz aufbauen, die Rat und Regierung nicht missachten könnten.

wattwil_klanghaus_2

Nicht schlecht: 150 Stimmen in 20 Minuten

«Geben Sie dem Klanghaus Toggenburg eine faire Chance und legen Sie es dem Stimmvolk zum Entscheid vor.» Kurz und bündig ist der Text der Petition, die bei der Lancierung gleichenabends innerhalb von 20 Minuten bereits 150 Stimmen generieren kann, nämlich die fast aller Anwesenden.

Ohne Vorschläge für ein verbessertes Projekt möchte die Task Force jedoch nicht beim Parlament vorsprechen. In rund zwei Stunden intensiven Nachdenkens werden also Ideen auf Flip Charts notiert. Viel ist von den Kosten und deren möglicher Reduzierung die Rede, von finanzieller Beteiligung aller Toggenburger Gemeinden, von den Tourismusbetrieben oder der Bergbahnen.

Flash Mobs und Klangenburg

Man schlägt vor, Teile des Hauses mit einer Volks-Spendenaktion zu finanzieren, mitttels Crowdfunding, Klang-Flash Mobs und allerlei anderer schräger Unternehmungen zu promoten. Man solle nochmals und umfänglicher informieren, Print-, audiovisuelle und soziale Medien einspannen, mit einem Klangbus quer durch die Schweiz fahren, Botschafter ernennen, Flyer drucken, einen Klanghaus-Song komponieren, eine Klang-Staffette bilden – und man soll unbedingt auch an der Olma auftreten. Klingend logischerweise. Und es könnte ja auch von der Expo27 finanziert werden.

Abschliessend werden Metaphern bemüht: «Das Toggenburg muss wie eine Eins hinter dem Klanghaus stehen», das Klanghaus soll sogar «zum Fliegen gebracht» werden. Und warum sollte man das Toggenburg und das Klanghaus nicht gleich in einem einzigartigen Begriff zusammenfassen: «Klangenburg».

Weitere Informationen:
klangwelt.ch, klanghaustoggenburg.ch

Die Aufgabe der Task Force unter der Leitung des KlangWelt-Präsidenten und neugewählten Kantonsrats Matthias Müller ist es nun, die besten Ideen aus dem Volks-Brainstorming herauszupflücken und umzusetzen. Die Unterschriftensammlung soll in den nächsten Tagen auch in die Zentren getragen werden. Bereits kann auch online zugestimmt werden.

Eines wird im Saal des Wattwiler Thurparks klar: Das Klanghaus muss kommen. So wie es ein Teilnehmer am Dienstagabend energisch formuliert: «Wir wollen dieses Klanghaus. Und zwar genauso, wie es im Projekt vorliegt.» Bleibt die Frage: Warum muss das Toggenburg für sein Klanghaus kämpfen, wo doch Rapperswil-Jona, Werdenberg und St.Gallen ihre Leuchttürme praktisch geschenkt bekamen?

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1