Kari, 65-jährig, sitzt im Rollstuhl. Seit 40 Jahren, querschnittgelähmt nach einem Autounfall. Er habe sich entschieden, dennoch «mit beiden Beinen im Leben zu stehen», schreibt er und plädiert dafür, Menschen mit einer Behinderung erstmal als Individuen für voll zu nehmen – und nicht gleich in die «Schublade» Behinderung zu stecken.
Karis Geschichte ist auf der Website unsichtbar-schweiz.ch nachzulesen. Und Karis Silhouette steht dieser Tage mitten in der St.Galler Marktgasse. Schwarz, mit roten Rollstuhlrädern, appelliert sie mit zwölf anderen Figuren an das Publikum, sich zu informieren und nachzudenken über das «Schattendasein», das viele Menschen mit Behinderung führten.
(Bild: Impulse)
Denn anders als den querschnittgelähmten Rollstuhlfahrer erkennt man die meisten Handicaps nicht auf Anhieb. Psychische Erkrankungen (mehr dazu im Juniheft von Saiten und hier oder hier oder hier), Gehörlosigkeit, Hirnverletzungen oder chronische Krankheiten wie Multiple Sklerose oder rheumatische Erkrankungen sind unsichtbar. Studien zeigten, dass nur rund sieben Prozent aller Behinderungen sichtbar seien, schreibt der Verein Impulse. Die «Irritation in Schwarz» will darauf aufmerksam machen und gegen die ebenso unsichtbaren Hindernisse ankämpfen, denen Behinderte ausgesetzt sind.
1,8 Millionen Betroffene
Eine von fünf Personen in der Schweiz lebt mit einer Behinderung. Das sind gemäss Bundesamt für Statistik insgesamt 1,8 Millionen Menschen. «Stigmatisierung, Vorurteile oder unsichtbare Mauern lassen Menschen, die davon betroffen sind, häufig ohnmächtig zurück», schreibt Impulse. Und weiter: «Damit Menschen mit einer Behinderung einen chancengerechten Zugang zu Bildung, Arbeit oder Kultur haben, muss man erst einmal ihre Bedürfnisse kennen.»
Rollstuhlfahrer Kari etwa schildert seine Situation so: «Dass es Hürden gibt, ist nicht von der Hand zu weisen: Für mich ist das die entwicklungsbedingte Verengung des Raums. In meinem Rollstuhl bin ich auf viel mehr Platz angewiesen als ein Fussgänger, z. B. in einem überfüllten Zug, in dem mein Rollstuhl mehrere Plätze wegnimmt, oder der grössere Parkplatz, den ich brauche, um überhaupt aussteigen zu können. Die Fläche bleibt immer gleich gross, aber sie wird von immer mehr Menschen beansprucht.»
«Tut sie etwa nur so?»
«Für unsichtbare Behinderungen ist Kommunikation ganz wesentlich. Viele Menschen können das Ausmass an Müdigkeit und Erschöpfung nicht einschätzen. Tut sie etwa nur so? Nachgefragt wird selten», schreibt Traude, 53-jährig. Sie ist nach einer Hirntumor-Operation nur noch zu 20 Prozent arbeitsfähig. Die Reaktionen tönten dann oft so: «Da heisst es: Wenn du nur 20% arbeitest, hast du doch 80% frei und könntest in dieser Zeit dieses oder jenes tun. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es so unglaublich schwierig ist, Menschen verständlich zu machen, dass mir auch nur 20% Energie zur Verfügung stehen, um einen Tag zu bewältigen.»
Initiant der Kampagne ist der Basler Verein Impulse in Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen. In St.Gallen engagieren sich Insieme Ostschweiz, Pro City, die Universität mit ihrem Center for Disability and Integratione sowie die Geschäfte der Marktgasse für «Unsichtbar». Nach Basel und Zug ist die Marktgasse die dritte Station der Wanderausstellung. Zu sehen ist sie bis 1. Juli.
Ein Handicap namens «Buch»
Die bittere Pointe für Rollstuhlfahrer Karl: Nur wenige Meter von seiner Silhouette entfernt steht «Das Buch», die Riesenskulptur zum Reformationsjubiläum. Ihre 14 Stufen führen gen Himmel – allerdings nicht für Geh-Handicapierte wie ihn. Dass die Skulptur ihr Erlösungsversprechen ausgerechnet behinderten Menschen vorenthalte, hat der Schriftsteller und Rollstuhlfahrer Christoph Keller mehrfach scharf kritisiert. Sein Protest ist bisher allerdings nicht gehört worden.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
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