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Der Appell der «Schattenmenschen»

Schwarze Figuren stehen diese Woche in der St.Galler Marktgasse. Sie sind im Weg - und das wollen sie auch sein: Mit der Kampagne «Unsichtbar» macht die Organisation Impulse auf das Leben mit Behinderungen aufmerksam.
Von  Peter Surber , 
(Bilder: Su.)

Kari, 65-jährig, sitzt im Rollstuhl. Seit 40 Jahren, querschnittgelähmt nach einem Autounfall. Er habe sich entschieden, dennoch «mit beiden Beinen im Leben zu stehen», schreibt er und plädiert dafür, Menschen mit einer Behinderung erstmal als Individuen für voll zu nehmen – und nicht gleich in die «Schublade» Behinderung zu stecken.

Karis Geschichte ist auf der Website unsichtbar-schweiz.ch nachzulesen. Und Karis Silhouette steht dieser Tage mitten in der St.Galler Marktgasse. Schwarz, mit roten Rollstuhlrädern, appelliert sie mit zwölf anderen Figuren an das Publikum, sich zu informieren und nachzudenken über das «Schattendasein», das viele Menschen mit Behinderung führten.

(Bild: Impulse)

Denn anders als den querschnittgelähmten Rollstuhlfahrer erkennt man die meisten Handicaps nicht auf Anhieb. Psychische Erkrankungen (mehr dazu im Juniheft von Saiten und hier oder hier oder hier), Gehörlosigkeit, Hirnverletzungen oder chronische Krankheiten wie Multiple Sklerose oder rheumatische Erkrankungen sind unsichtbar. Studien zeigten, dass nur rund sieben Prozent aller Behinderungen sichtbar seien, schreibt der Verein Impulse. Die «Irritation in Schwarz» will darauf aufmerksam machen und gegen die ebenso unsichtbaren Hindernisse ankämpfen, denen Behinderte ausgesetzt sind.

1,8 Millionen Betroffene

Eine von fünf Personen in der Schweiz lebt mit einer Behinderung. Das sind gemäss Bundesamt für Statistik insgesamt 1,8 Millionen Menschen. «Stigmatisierung, Vorurteile oder unsichtbare Mauern lassen Menschen, die davon betroffen sind, häufig ohnmächtig zurück», schreibt Impulse. Und weiter: «Damit Menschen mit einer Behinderung einen chancengerechten Zugang zu Bildung, Arbeit oder Kultur haben, muss man erst einmal ihre Bedürfnisse kennen.»

Rollstuhlfahrer Kari etwa schildert seine Situation so: «Dass es Hürden gibt, ist nicht von der Hand zu weisen: Für mich ist das die entwicklungsbedingte Verengung des Raums. In meinem Rollstuhl bin ich auf viel mehr Platz angewiesen als ein Fussgänger, z. B. in einem überfüllten Zug, in dem mein Rollstuhl mehrere Plätze wegnimmt, oder der grössere Parkplatz, den ich brauche, um überhaupt aussteigen zu können. Die Fläche bleibt immer gleich gross, aber sie wird von immer mehr Menschen beansprucht.»

«Tut sie etwa nur so?»

«Für unsichtbare Behinderungen ist Kommunikation ganz wesentlich. Viele Menschen können das Ausmass an Müdigkeit und Erschöpfung nicht einschätzen. Tut sie etwa nur so? Nachgefragt wird selten», schreibt Traude, 53-jährig. Sie ist nach einer Hirntumor-Operation nur noch zu 20 Prozent arbeitsfähig. Die Reaktionen tönten dann oft so: «Da heisst es: Wenn du nur 20% arbeitest, hast du doch 80% frei und könntest in dieser Zeit dieses oder jenes tun. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es so unglaublich schwierig ist, Menschen verständlich zu machen, dass mir auch nur 20% Energie zur Verfügung stehen, um einen Tag zu bewältigen.»

Initiant der Kampagne ist der Basler Verein Impulse in Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen. In St.Gallen engagieren sich Insieme Ostschweiz, Pro City, die Universität mit ihrem Center for Disability and Integratione sowie die Geschäfte der Marktgasse für «Unsichtbar». Nach Basel und Zug ist die Marktgasse die dritte Station der Wanderausstellung. Zu sehen ist sie bis 1. Juli.

Ein Handicap namens «Buch»

Die bittere Pointe für Rollstuhlfahrer Karl: Nur wenige Meter von seiner Silhouette entfernt steht «Das Buch», die Riesenskulptur zum Reformationsjubiläum. Ihre 14 Stufen führen gen Himmel – allerdings nicht für Geh-Handicapierte wie ihn. Dass die Skulptur ihr Erlösungsversprechen ausgerechnet behinderten Menschen vorenthalte, hat der Schriftsteller und Rollstuhlfahrer Christoph Keller mehrfach scharf kritisiert. Sein Protest ist bisher allerdings nicht gehört worden.

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

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Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

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Senf

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VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

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Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

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Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

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In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

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Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

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2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

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Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1