Insgeheim stört es mich ja etwas, dass Basil Kehl nun sein Solo-Debut rausbringt, statt mehr Zeit für seine grossartige Band Dachs aufzubringen. Ich bin nämlich ganz grosser Fan dieser Ostschweizer-Mundart-Popband aus St.Gallen (und das als Zürcher!). Aber Basil Kehl ist halt eben nicht nur eine Hälfte von Dachs, sondern auch Wassily. Und dieses Projekt hat mit Dachs nur ganz wenig zu tun.
Trotz einer einzigen Veröffentlichung (dem bereits vor zwei Jahren erschienenen Zuckersee) spielte das St.Galler Wunderkind bereits an verschiedensten Open-Airs auf den ganz grossen Bühnen und Noisey Schweiz zählte ihn Anfangs Jahr zu «den neun Acts, mit denen du 2017 rechnen musst». Also mal endlich wieder ein Schweizer Album, das grosse Erwartungen zu erfüllen hat. Und ich schicks gleich vorweg: Diese werden vollumfänglich erfüllt, vielleicht stellenweise sogar übertroffen.
Wassily werkelt in der Ecke weiter, in der vor ihm bereits andere Schweizer Künstler wie Dimlite, Cella oder Melodiesinfonie Kunstwerke mit Ausstrahlung weit über die Landesgrenzen hinaus geschaffen haben. Wassily ist aber, genau so wie die drei oben genannten, nicht einfach ein weiterer Beatmaker (auch wenn er hin und wieder bei der Rap-Combo Wesno mitmischelt).
Liebesding ist euphorisierte Clubmusik für Melodiefanatiker. Heisst: Wassily will dem Hintersten und der Letzten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Hat man den schmächtigen St.Galler schon mal live erlebt, weiss man, wie tief ihm der Schalk im Nacken sitzt. Nicht ganz von ungefähr heisst eins der Stücke, das eigentlich schon bald in jede Spotify-Playlist mit Feelgood-Anspruch gehört, Glücklich!. Aber irgendwie haben dann doch alle der 14 Tracks des Albums (mal ausgenommen vom Opener Die Eröffnung vom grossen Fest der Liebe) enormes Hitpotential. Zumindest in der Welt der zahlreichen Anhänger von Flume oder SBTRKT.
Vorspiel: 22. Oktober, ab 17 Uhr, Museum of Emptiness St.Gallen Plattentaufe: 28. Oktober, 21 Uhr, Palace St.Gallen wassily.ch
Mein persönlicher Favorit ist Coucou – ein Meisterstück des genialen Arrangements mit einer dieser zuckersüssen Melodien, die Liebesding so bezaubernd machen. Hätte Wassily doch nur seine fantastische Falsetto-Stimme über einen einzigen Track gelegt, wäre diese Review zur reinsten Lobhudelei verkommen. Um diese wieder zu hören, müssen wir wohl halt doch auf den nächsten Release von Dachs warten.
Trotzdem behaupte ich als Zürcher mal ganz dreist: Liebesding ist der beste Export aus St.Gallen seit der Olma-Bratwurst und eben Dachs. Man könnte also glatt mal wieder hinfahren in die Stadt an der Steinach. Zum Beispiel am 28. Oktober ins ehrwürdige Palace. Dann ist dort die offizielle Plattentaufe von Liebesding. Ein Tag zuvor ist das Werk übrigens sowohl digital wie auch auf Doppelvinyl überall erhältlich, wos gute Musik gibt.
Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
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Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.