Cary Grant steigt im Nirgendwo aus einem Bus. Er schaut sich misstrauisch um. Doch es ist helllichter Tag, die Gegend flach wie ein Pfannkuchen und völlig menschenleer. Grant entspannt sich. Da taucht in der Ferne ein Flugzeug auf.
Die Sequenz aus Der unsichtbare Dritte (North by Northwest) mit einem heimtückischen Hinterhalt ohne Versteck und dunkle Ecken gehört längst zur Filmgeschichte. Sie ist aber nur eine von vielen Szenen in diesem Thriller aus dem Jahr 1959, bei der die Logik innerhalb der Geschichte erst an zweiter Stelle kommt. Alfred Hitchcock setzte im Film diverse brilliante Regieeinfälle um – weil er es konnte. Und weil er sich die totale künstlerische Kontrolle vertraglich hatte zusichern lassen.
Das Sommerkino im Rund der Lokremise zeigt im Juli und August unter dem Titel «Top Secret» wie gewohnt eine Mischung aus älteren und neueren Filmen. Im Programm versteckt ist unter anderem eine kleine Hommage an den britischen Autor John Le Carré.
Kinok-Openair in der Lokremise: 11. Juli bis 10. August, jeweils Donnerstag bis Samstag
kinok.ch
Von ihm stammen die Vorlagen zu drei Filmen, die mit eher subtilem Thrill auf hervorragende Schauspieler setzen. In The Russia House sind es Sean Connery und Michelle Pfeiffer. In The Constant Gardener, der eigentlich aus einer einzigen grossen Rückblende besteht, spielen Ralph Fiennes und Rachel Weisz die Hauptrollen. Pierce Brosnan und Geoffrey Rush verwickeln sich in Der Schneider von Panama in ein Netz aus Lügen.
Wo die Geheimnisse erhaben und gross sind, ist die Lächerlichkeit meist nicht weit. Das ist vielleicht der Grund, wieso es so viele Parodien von Agentenfilmen gibt. Zu den ungewöhnlichen Beispielen gehört Modesty Blaise von Joseph Losey, basierend auf einer Comic-Serie. Das Tempo gehört nicht zu den Stärken des 1965 gedrehten Films, dafür sind Popart-Ausstattung und Bildsprache umwerfend. Da kann der Rauch aus dem Kamin schon mal rosa sein, wenn es sonst zu wenig grelle Farben im Bild hätte. Zudem in der Hauptrolle: Monica Vitti!
Ebenfalls nach einem bestimmten Zeitgeist – dem der 80er-Jahre – gebürstet ist Atomic Blonde aus dem Jahr 2017. Zu den Stärken gehören die ausgeklügelte Farbdramaturgie und der Soundtrack mit New Order, Clash und Blondie. Die Hauptfigur ist wie bei Modesty Blaise eine Agentin (Charlize Theron).
Vertreten ist auch das gute alte Hollywood-Unterhaltungskino, das mit schlagenden Dialogen und solidem Handwerk eigentlich nie enttäuscht. Das Beispiel dafür ist Hopscotch (Agentenpoker): Walter Matthau führt als schlampiges Spionage-Genie unter anderem die CIA an der Nase herum.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.