Es wird dunkel, ein 16mm-Projektor beginnt zu surren, an irgendeiner Hauswand ist eine Leinwand hochgezogen, darauf flimmern die ersten Bilder eines Films. Das gehört zum Sommergefühl – nicht nur in der Stadt.
Mit einem Freiluftprogramm dabei ist wie immer seit der Gründung 1985 das St.Galler Kinok. Seit dem Umzug neben die Bahngeleise ist der Platz im Halbrund der Lokremise gegeben. Die Reihe mit 14 Filmen startet am 15. Juli und dauert bis zum 14. August. Sie steht unter dem Motto «Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs».
Darüber könnte man nun länger nachdenken. Wie immer aber ist der Titel vor allem ein Vorwand, um ein paar ausgewählte Filme zu zeigen, die es einfach verdient haben, dem Publikum in einer lauen Sommernacht gezeigt zu werden.
Dabei ist etwa Barton Fink, ein etwas in Vergessenheit geratenes Frühwerk der Coen Brothers. Es geht um das Scheitern und um eine Abrechnung mit Hollywood. Mittendrin der Drehbuchschreiber Barton Fink, gespielt von John Turturro, dessen Nervenkostüm schon bald ziemlich zu flattern beginnt.
Die frühere Rolle des Kinok als nomadisierendes Lichtspieltheater hat das Solarkino übernommen. Das gibt es seit zehn Jahren und es gelingt den Organisator:innen immer wieder, besonders stimmungsvolle Orte zu finden. Der Gallusplatz mit einem gebannt vor der Leinwand sitzenden Publikum erinnert an die Ferienkinos im südlichen Ausland oder – ein kleines bisschen – an die Piazza Grande in Locarno.
In diesem Jahr besetzt das Solarkino mit dem Areal Bach unter anderem einen neuen Ort: Zwischen Migros und Bahnhof St.Fiden läuft The Climb (Bild), ein Film über die Bewährungsprobe für eine Freundschaft.
Die Kulturgruppe Appenzell hat wegen des 50-jährigen Bestehens der Innerrhoder Kulturstiftung das Programm auf fünf Filmnächte ausgebaut. Vom 10. bis 14. August laufen im Garten des ehemaligen Kapuzinerklosters in Appenzell so unterschiedliche Streifen wie Plötzlich Heimweh von der in Urnäsch wohnenden Yu Hao oder BlacKkKlansman von Spike Lee.
Daneben gibt es in der Region auch noch das «Open Air Cinema am Bodensee». In Kreuzlingen (vom 7. bis zum 31. Juli) und in Arbon (vom 16. Juli bis zum 22. August) wird «ein vielfältiges Programm mit Klassikern, Hollywood, Blockbustern, Schweizer Filmen und Dokumentarfilmen» gezeigt, wie es in der Ankündigung heisst.
kinok.ch solarkino-sg.ch kultur-appenzell.ch open-air-kino.ch
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.