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Menschenrechte: in Scherben und verteidigt

Der Bischof von Chur vermisst die Meinungsfreiheit. Wer so denke wie er, werde diskriminiert, hat er zum heutigen Internationalen Tag der Menschenrechte verlauten lassen. Es gibt zum 70-Jahr-Jubiläum der Deklaration aber auch Ernsthaftes zu lesen.
Von  Peter Surber
1948: Eleanor Roosevelt mit einem Ausdruck der Deklaration der Menschenrechte.

Zum Beispiel von Max Lobe, einem Schriftsteller aus Kamerun, der in Genf lebt. Unter dem Titel Eine Babyfläschchen-Geschichte schildert er einen unglücklichen Zusammenprall mit einer jungen Mutter in einer Migros in Genf. Dabei geht die Schoppenflasche ihres Kleinen in Scherben, doch die (teure) Ersatzflasche aus dem Regal lehnt die Frau ab, weil es nicht genau die gleiche sei wie die kaputtgegangene. Nach und nach wird klar, warum: Wegen des «falschen» Fläschchens fürchtet sie Probleme mit ihrer «Chefin», die aus dem selben Dorf in Marokko stammt wie sie, bei der sie als Sklavin angestellt sei und die sie misshandle – aber Polizei, eine Anzeige, nein, auf keinen Fall.

Die Kurzgeschichte steht im Buch Menschenrechte weiterschreiben, das eben im Salis-Verlag erschienen ist. Zu jedem der rund 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben Autorinnen und Autoren aller Landessprachen einen «weiterschreibenden» Text beigesteuert. Max Lobes Beitrag antwortet auf Artikel 4: «Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.» Ein Verbot, das, wie Lobes Geschichte zeigt, so schwer durchzusetzen ist wie viele andere Paragrafen der Deklaration.

Die Menschenrechte und die Rechtlosen

Versammelt sind im Buch bekannte Namen wie Ruth Schweikert, Leo Tuor, Petra Ivanov, Daniel de Roulet, Alberto Nessi, Monique Schwitter, Yusuf Yesilöz usw., daneben auch Stimmen namentlich aus der Romandie, die man, wie Max Lobe, hier weniger kennt. Die ins Deutsche übersetzten Beiträge erscheinen auch in der Originalsprache.

Menschenrechte weiterschreiben, hrsg. von Svenja Herrmann und Ulrike Ulrich, Salis Verlag Zürich 2018, Fr. 32.-

An den 30 Artikeln lassen sich Schicksale ablesen, von Menschen, denen ihre Rechte verwehrt sind. Alberto Nessi, mit Jahrgang 1940 der Senior unter den Autoren, erhebt seine Stimme gegen die Abschiebung von ecuadorianischen Kindern im Tessin. Monique Schwitter prangert am Beispiel der Proteste gegen den G-20-Gipfel in Hamburg 2017 das Fehlen der Versammlungsfreiheit an.  Sascha Batthyany schreibt einen zornigen Brief an einen unbekannten Zuhälter, der die junge Ungarin Viki in den Tod getrieben hat.

Andere Autorinnen und Autoren gehen poetisch an das Thema heran. Zu ihnen zählt Amina Abdulkadir. Die Spoken-Word-Autorin aus Basel, in Mogadischu geboren, schreibt zu Artikel 18, jenem ominösen Artikel zur Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Darin steht der Satz: «Dieses Recht schliesst die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.» Es ist der Satz, vor dem sich alle Diskussionen um die Freiheit der Rede und deren Einschränkungen behaupten müssen.

Das kostbare «Es»

Amina Abdulkadir schildert in ihrem kurzen Text ein Kind und seinen Umgang mit einem geheimnisvollen «Es»: Es muss geschützt werden, wie in einem Kelch umsorgt, vor fremden Blicken verborgen, man muss aufpassen und darf es nicht verschwenden, aber es wird auch nie weniger und macht das Kind stolz. Das «Es» ist vielleicht ein Glaube, eine Überzeugung, eine Kostbarkeit jedenfalls, die durch die Erklärung der Menschenrechte geschützt, aber deswegen nicht minder fragil ist.

Die Erklärung der Menschenrechte ist 70 Jahre alt. «Siebzig Jahre, sagst du, was wollt ihr denn feiern, in dieser Zeit der Verächter, der neuen Lenker und der alten Schlächter, der Schreihälse und Tramper», grummelt der alte Nonn im Text von Urs Faes mit dem Titel Unterwegs mit Nonn. Aber der Autor widerspricht: «Siebzig Jahre, Nonn, ist das her, aufgeschrieben, festgeschrieben, ein Recht, auf das einer sich berufen, das er in Anspruch nehmen kann. Wir feiern und erinnern, dass einer sich berufen kann, auf das, was da steht, eine Ordnung, die ihn schützt, ein Umfeld, wo Rechte des Menschen sein können, hier und irgendwo auf der Welt, hier und überall, Nonn, auch auf dem Meer und dem Mond.»

Die Deklaration lesen!

Daran könnte man auch den Bischof von Chur erinnern, wenn er zum heutigen Tag der Menschenrechte klagt: wer die rigide katholische Sexualmoral verteidige, riskiere hierzulande öffentliche Diskriminierung und werde so in seiner Gewissens- und Religionsfreiheit beschnitten. Huonders alttestamentarische Sicht von Homosexualität als «Gräueltat» hat jedenfalls nichts mit Respekt vor Andersdenkenden und -handelnden zu tun. Predigen mag er sie dennoch – aber nicht unwidersprochen.

30 Stimmen zum Jubiläum der Menschenrechtsdeklaration: Das gibt es nicht nur helvetisch zwischen Buchdeckeln, sondern international auch als Film. What Matters ist ein Filmprojekt zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, das vom Internationalen Literaturfestival Berlin initiiert wurde. 30 Autorinnen, Schauspieler, Studentinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern lesen jeweils einen Artikel der Deklaration in ihrer Landessprache. Mitgewirkt haben unter anderem Vivienne Westwood, Nina Hoss, Can Dündar, Patti Smith, Simon Rattle, Ai Weiwei, Elfriede Jelinek und David Grossman:

 

 

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

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Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
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FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

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Senf

Dampf auf dem Kes­sel

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Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

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An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

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2 Tramhaeuschen Schibenertor

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Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

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2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

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2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

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Museumsnacht Kunstmuseum pd

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Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

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Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

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01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

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Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

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Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

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Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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