Kategorie
Autor:innen
Jahr

Neue Chefin, neue Nachhaltigkeit am Theater

Das Theater St.Gallen hat gewählt: Barbara-David Brüesch, seit 2016 als Hausregisseurin bereits in St.Gallen tätig, wird neue Schauspielchefin und Nachfolgerin von Jonas Knecht. Sie setzt auf ein jugendliches und ressourcenschonendes Theater.
Von  Peter Surber
Barbara-David Brüesch. (Bild: Theater St.Gallen)

Mit Barbara-David Brüesch übernimmt eine Regisseurin, die in St.Gallen mit spannenden Inszenierungen die letzten paar Jahre das Sprechtheater bereits mitgeprägt hat. Gut möglich also, dass sich die Wogen rund um die Personalpolitik des künftigen Theaterdirektors mit dieser Wahl wieder etwas glätten.

Von «tabula rasa» war da teils die Rede, auch bei Saiten. Denn Jan Henric Bogen, Opernchef und im November 2021 zum neuen gesamtverantwortlichen Direktor von Konzert und Theater gewählt, hatte Anfang Jahr den Vertrag mit Tanzchef Kinsun Chan nicht verlängert und dem langjährigen Konzertdirektor Florian Scheiber gekündigt. Bereits früher war Schauspieldirektor Jonas Knecht vom Verwaltungsrat nicht verlängert worden.

Manche sahen damit die Bedenken bestätigt, die bereits ein Jahr zuvor aufgekommen waren, als der Verwaltungsrat sein neues Leitungsmodell etablierte: mit stärkerer Hierarchie und der Rückstufung der bisherigen Direktionen auf Spartenleitungen.

Klassiker und heisse Themen

Jetzt, mit der Wahl von Barbara-David Brüesch, stehen die Zeichen wieder stärker auf Kontinuität. 2016 hatte Jonas Knecht Brüesch als Hausregisseurin nach St.Gallen geholt. Mit einem fulminanten Hamlet startete sie hier, es folgten Horvaths Geschichten aus dem Wiener Wald, Bergmans Szenen einer Ehe, Sein oder Nichtsein nach Ernst Lubitsch, Black Rider, Die kleine Hexe, Einige Nachrichten an das All und 2019 das Schauspielprojekt Verminte Seelen über administrative Versorgung. Die Produktion wurde an Festivals, darunter den renommierten Heidelberger Stückemarkt, eingeladen und löste engagierte Diskussionen aus.

Szene aus Verminte Seelen, 2019 in der Lokremise. (Bild: Theater St.Gallen)

Barbara-David Brüesch, Jahrgang 1975, hat zuerst in ihrer Bündner Heimat inszeniert, später an beinah allen deutschsprachigen Schweizer Bühnen, in Zürich, Luzern, Bern, Biel/Solothurn, Winterthur und Basel. Ihr Handwerk lernte sie 1996-2002 an der Hochschule Ernst Busch in Berlin. Sie war ab 2001 als Regisseurin am Staatsschauspiel Dresden engagiert und wechselte 2005 als Hausregisseurin ans Staatstheater Stuttgart.

Sie inszenierte ausserdem für die Berliner Festwochen, Theater Mainz, Ruhrtriennale Essen, Theater Konstanz, Burgtheater und Schauspielhaus Wien, Schauspielhaus Graz sowie für die Bregenzer Festspiele.

Barbara-David Brüesch sei «bestens mit dem Haus wie mit den Ostschweizer Begebenheiten vertraut und steht trotzdem auch für einen Neubeginn», heisst es in der Mitteilung des Theaters von heute. Im Auswahlverfahren wirkten die Journalistin Valeria Heintges, Autor Christoph Keller, Tanja Scartazzini vom St.Galler Amt für Kultur und Klaus Kusenberg, Intendant in Regensburg, mit, zudem gab es ein Hearing mit Vertreter:innen des Ensembles.

Kriterien der Wahl waren gemäss Mitteilung neben dem künstlerischen Profil, Teamfähigkeit, Führungsstil und der Kenntnis der Region eine «wirksame Publikumsansprache» sowie die «Haltung gegenüber den Kernwerten Diversität, Nachhaltigkeit und Partizipation». 22 Bewerbungen waren eingegangen. Erstmals leitet damit eine Frau in St.Gallen die Schauspielsparte.

*

Was hat Sie dazu bewegt, sich für die Leitung des Schauspiels in St.Gallen zu bewerben?

Barbara-David Brüesch: Ich möchte die Chance nutzen, im neuen Leitungsmodell des Theaters Impulse zu geben und es mitzugestalten. Es gab ja intensive Diskussionen in der Öffentlichkeit über die neue Struktur – aber es gab auch das Versprechen eines offenen Führungsstils, der alle Beteiligten mitnimmt und einbezieht. Ich traue Jan Henric Bogen diesen Stil zu.

Das neue Modell sieht einen starken Intendanten vor und stuft die bisherigen Direktionen auf Spartenleitungen zurück. Können Sie dahinter stehen?

Das Organigramm sieht tatsächlich so aus, aber in den Gesprächen tönt es anders. Und mich überzeugt, dass Jan Henric Bogen als gesamtverantwortlicher Direktor zugleich weiterhin eine Sparte, das Musiktheater leitet. Spartenübergreifend zu arbeiten und dafür gemeinsam neue Formate zu erarbeiten, darin sehe ich für St.Gallen ein riesiges Potential.

Das war ja auch ein Anliegen von Jonas Knecht, der jetzt gehen muss.

Jonas hat sehr viel geleistet in dieser Beziehung, er hat Formate und Kollaborationen eingeführt, die ich gerne weiterführen will, vor allem auch im Kinder- und Jugendtheater, unter anderem mit dem Festival Jungspund, mit dem Dramenprozessor und anderem. Ich will die Jugendarbeit und Nachwuchsförderung noch weiter ausbauen. Das Theater braucht Nachwuchs und die Basis ist da, mit dem Theaterclub oder dem Schauspielstudio. Jonas Knecht übergibt mir eine gut aufgestellte Schauspielsparte.

Neben dem spartenübergreifenden Denken und dem Kinder- und Jugendtheater: Gibt es weitere Ziele?

Nachhaltigkeit ist ein Riesenthema. Da müssen wir die Theater umbauen. Nachhaltigkeit soll zum einen Thema im Spielplan sein, zum andern aber auch in der Produktion umgesetzt werden. Wir müssen mit den Ressourcen auf der Bühne künftig anders umgehen, mit dem Personal, mit Bühnenbildern, mit der Technik. Heute produzieren die Theater ständig Neues – die Kleine Hexe etwa, die ich in St.Gallen inszeniert habe, war jedesmal ausverkauft und hätte noch länger gespielt werden können. Oft braucht es eine Anlaufzeit, bis sich eine Produktion im Publikum herumgesprochen hat. Auch die Probenzeiten werden tendenziell immer kürzer. Und Uraufführungen werden kaum an anderen Häusern nachgespielt, was auch für die Autorinnen und Autoren unerfreulich ist. Weniger zu produzieren und Stücke länger zu spielen: Das wäre mein Ziel.

Sie haben wie die anderen Bewerber:innen auch einen Muster-Spielplan vorgelegt. Was stand darin?

Darin waren zum Beispiel Projekte in Kooperation mit anderen Häusern, was ebenfalls ein Beitrag zur Nachhaltigkeit ist. Schweizweit müsste es darum gehen, sorgsamer mit den Ressourcen umzugehen. Oder ein Projekt, in dem Jugendliche und Erwachsene mitspielen, mit viel Musik und spartenübergreifend. Natürlich stehen auch Klassiker auf meinem Spielplan. Gutes Erzähltheater finde ich sinnvoll und lustvoll. Wichtig sind mir zudem kleinere Formate, mobile Produktionen auch für Erwachsene, mit denen man im Kanton reisen kann, und Sonderreihen, etwa eine Diskussionsreihe, die ich mir gemeinsam mit Partnern wie etwa dem Palace vorstellen kann. Wir müssen mehr politische Themen ins Haus bringen.

Was bedeutet Ihre Wahl für das Ensemble? Nach den Personalentscheiden von Jan Henric Bogen, der Trennung von Tanzchef Kinsun Chan und Konzertdirektor Florian Scheiber, und nachdem Jonas Knecht bereits früher nicht verlängert worden war, war ja von einem «Kahlschlag» die Rede.

Ich war in den letzten Jahren als Hausregisseurin bei der Anstellung mehrerer Ensemblemitglieder im Schauspiel ja mit einbezogen. Es kommt sicher nicht zum grossen Köpferollen. Allerdings soll das Theater diverser werden. Ich möchte im Ensemble Platz haben für Gäste mit unterschiedlicher Herkunft, für Performer:innen oder sogenannte «Experten des Alltags». Die homogenen Schauspiel-Ensembles, wie sie weitherum üblich sind, repräsentieren unsere vielfältige Gesellschaft nicht mehr angemessen.

Barbara-David Brüsch, 2016 beim «Redeplatz»-Interview für Saiten. (Bild: Tine Edel)

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1