St.Gallen habe «einen weiteren Ort des Sinnierens und der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Ausdrucksformen» erhalten: So stand es am 18. April 1983 in der «Ostschweiz». Der «neue Ort» war die Galerie von Susanna Kulli an der Rosenbergstrasse. Am 28. April 2017 berichtet die NZZ vom Finale der Galerie Kulli in Zürich unter dem Titel «Abschied der sanften Tigerin». Die beiden Texte sind der erste und der (bislang) letzte Zeitungsbericht über Susanna Kullis Galerietätigkeit in St.Gallen und Zürich – dokumentiert im eben erschienenen «Materialbuch» über die Galerie.
Das Material ist umwerfend: Hunderte von faksimilierten Berichten aus Zeitungen und Zeitschriften lassen nicht nur die Ausstellungstätigkeit der Galerie Revue passieren, sondern spiegeln auch die Veränderungen in der Zeitungsgestaltung und der Tonalität der Kunstkritik.
Willkürlich herausgegriffen:
Im März 1988 schreibt Beda Hanimann in der «Ostschweiz» auf der Lokalseite über den Umzug der Galerie von der Rosenbergstrasse ins städtische Lagerhaus an der Vadianstrasse: Kulli könne sich jetzt rühmen, die einzige Galerie weitherum mit Gleisanschluss zu sein.
Im gleichen Jahr lobt Claudia Kühner in der «Annabelle» Kullis Leistung, sich in St.Gallen durchgesetzt zu haben – «ein wahrlich nicht grad einladendes Pflaster für zeitgenössische Kunst». Dabei ist das auch in St.Gallen die grosse Zeit der Galerien, mit Kulli, mit Wilma Lock, mit Erker und anderen.
Im Juni 1993 publiziert die «Bilanz» ihr erstes Rating der 50 wichtigsten Künstler. Auf Platz 1: Fischli/Weiss. Auf den Plätzen 2, 6, 8, 12 und 31 findet man Künstlerinnen und Künstler, die Susanna Kulli vertritt: John M. Armleder, Helmut Federle, Adrian Schiess, Olivier Mosset und Annelies Strba. Die Galeristin, die all dies minutiös archiviert hat, hat die Namen mit gelbem Leuchtstift angemalt.
Die erste Ausstellung 1983: Susanna Kulli und Giuseppe Spagnulo.
1996 schwärmt Johannes M. Hedinger in Saiten über die Hirschhorn-Ausstellung bei Kulli: «Hingehen und erleben!».
2004 berichtet Marcel Elsener im «Tagblatt» über die Neueröffnung an der Dienerstrasse in Zürich, dem vierten Domizil nach Rosenbergstrasse, Vadianstrasse und Davidstrasse: «Ihren Weggang aus St.Gallen, der auch schon als ‹Trotzreaktion› bezeichnet wurde, möchte sie nicht kommentieren.» In der «Handelszeitung» äussert sich die Galeristin selber im Interview dann doch dazu: 1983 seien das Umfeld und die kulturelle Stimmung in St.Gallen anders gewesen: «Es herrschte Um- und Aufbruchstimmung.» 2003 dagegen fiel das massive Nein der Stimmbürger zum Kunstmuseums-Ergänzungsbau: «Daraufhin überlegte ich mir den Standort für meine Galerie neu.»
«33 Jahre Galerie Susanna Kulli» Buchvernissage: 2. Dezember, ab 16.30 Uhr, Kunstbibliothek Sitterwerk St.Gallen susannakulli.ch
Galeriegeschichte als Stadtgeschichte als Mediengeschichte: Das Buch ist aber noch mehr. Neben der Chronik widmet sich ein ausführliches Kapitel der Debatte um Thomas Hirschhorns Ausstellung «Swiss Swiss Democracy» 2004/05 im Centre culturel in Paris, die damals zur Subventionskürzung für die Stiftung Pro Helvetia führte. Ausserdem bringt der 500 Seiten dicke Band, für den Hirschhorn den Einband gestaltet hat, Essays und alle Künstlergespräche, eines der Markenzeichen der Galerie.
Ausführlicheres dazu wird im Januarheft von Saiten zu lesen sein. Jetzt am Samstag ist Buchvernissage im Sitterwerk.
Flex-Sil Reloaded heisst die Hommage-Ausstellung zu Roman Signers 75. Geburtstag in der Kunsthalle St.Gallen. Darin wird Signers Einzelausstellung von 1988 rekonstruiert. Der damalige «Kurator» Josef Felix Müller erinnert sich.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.