Kategorie
Autor:innen
Jahr

Schopfe, Töne, Suppen

Kuration war das Thema bei den Förderpreisen 2020 der Internationalen Bodenseekonferenz IBK. Gewonnen haben fast ausschliesslich Projekte nicht in den Metropolen, sondern im ländlichen Raum - bemerkenswert!
Von  Peter Surber
Der Künstler Ludwig Berger überträgt die Geräusche aus dem Bienenstock in den Schopf, 2019. (Bild: Glenn Bristol)

Die Internationale Bodenseekonferenz vergibt jährlich Förderpreise in unterschiedlichen Sparten. Das Löbliche daran: Die Vergabe der mit je 10’000 Franken dotierten Preise ist grosszügig, sieben der jeweils rund zwanzig Nominierten bekommen einen Preis. Und das Einzugsgebiet ist riesig, es umfasst neben den Ostschweizer Kantonen inklusive Zürich und dem Fürstentum Liechtenstein auch die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg und das Vorarlberg. Das heisst: Bereits die Nomination ist eine Auszeichnung. Wer hier besteht, ist auch im internationalen Vergleich top.

2020 galt die Ausschreibung der Kuration. Gesucht waren experimentelle Formen und zukunftsträchtige Ansätze des Kuratierens. Und obenaus schwangen dabei auffälligerweise nicht Künstlerinnen oder Institutionen aus den Metropolen – gewonnen haben fast durchwegs Projekte im ländlichen Raum.

«Kuratieren heisst, Sorge zu tragen und Verantwortung zu übernehmen für das Zustandekommen und den Inhalt eines spezifischen Kulturangebots», sagt die Vorarlberger Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink. Ausgezeichnet würden Initiativen, welche in der Programmierung neue Wege gehen – «mit dem Mut zum Experiment, das auch scheitern kann».

Klangvoll im Moor

Viel beachtet (und auch von Saiten hier oder hier mehrfach besprochen): das Projekt «Klang Moor Schopfe» von Patrick Kessler. Der Kontrabassist lud 2017 und 2019 Klangforscherinnen aus der halben Welt ins Hochmoor von Gais ein und liess sie einen der dort stehenden, nicht mehr gebrauchten Schopfe bespielen. Die Jury überzeugte «die Verbindung von spezifischer Audioforschung mit Audiokunst, welche in die Landschaft dringt und situations- und ortsbezogene Installationen zeigt». 2021 ist die nächste Durchführung geplant.

Nomadisch interdisziplinär

In Liechtenstein wird der Verein Schichtwechsel ausgezeichnet, der seit 1989 existiert und seit 2011 von einem vierköpfigen Frauenteam an wechselnden Orten Projekte lanciert – stets interdisziplinär und mit experimentellem Charakter. Veranstaltungstitel wie «Wo das Gras grüner ist» oder «Über Religion und Politik wird nicht geredet – hier wird gearbeitet» zeugen nach dem Urteil der Jury «von einer intelligenten, pointierten und humorvollen Auseinandersetzung».

Literarisch grenzenlos

Gleich zweimal ist Vorarlberg unter den Preisträgern. Zum einen ist es das literatur:vorarlberg netzwerk, das in einem erst noch zu renovierenden Gebäude in Hohenems Literatur vermittelt. Auszug aus dem Jurybericht: «Wenn in ‚to be continued‘ über 100 SchülerInnen aus sechs europäischen Städten an einer fiktiven Fortsetzungsgeschichte schreiben, dann wird literarisches Schaffen als ein Tun erlebbar, das Grenzziehungen aller Art überwinden kann.»

In Tälern und Dörfern

Zum andern bekommt Dietmar Nigsch für das von ihm geleitete Festival Walser Herbst einen Förderpreis. «Der Walser Herbst bringt Leute zusammen – in abgelegenen Tälern und Dörfern. Das ist eine kuratorische Verpflichtung, die jenseits des urbanen Imperativs des ausschliesslich Neuen liegt, einem Engagement für Menschen und deren Geschichten», schreibt die Jury.

Sparten und Menschen verbindend

Ebenfalls abseits der Zentren betreibt die Thurgauer Künstlerin und Vermittlerin Judit Villiger ihr Haus zur Glocke. Es steht in Steckborn und füllt die kleinen Räume mit stets wechselnden Aktivitäten. «Als Aktionsraum, in dem gearbeitet, gekocht, gegessen und sich ausgetauscht wird, bietet das Haus zur Glocke Räume für offene Formen des Kunstschaffens als kollaborativen Prozess. Der Kunstraum wird so zum Ort des Aufeinandertreffens von Menschen, Räumen, Haltungen», heisst es im Jurybericht.

Neue und Alte Musik

Etwas weiter westlich, in Schaffhausen, wirkt die Camerata variabile, die sich die Vermittlung zeitgenössischer Klassik auf die Fahne geschrieben hat. «Die Camerata Variabile entdeckt vergessen gegangene Musikstücke und ermöglicht zugleich durch die präzise Setzung und Verflechtung der Themen, die Neue Musik im Kontext der Tradition, aber auch ihrer Zeitgenossenschaft zu verorten.»

Die Kunst des Zuhörens

Schliesslich, nominiert vom Kanton St.Gallen und in Zürich tätig: Anna Frei. Sie betreibt seit 2014 den OOR Records Laden in Zürich, einen genossenschaftlich-kollektiv organisierten Platten- und Kunstbuchladen. «Zentral ist dabei die Idee des Zuhörens als einer Praxis, als eines politischen Akts, als Spiegel von Machtstrukturen», schreibt die Jury.

Vergeben werden konnten die Preise coronabedingt nicht – die für den 4. November geplante Feier wurde abgesagt. Und der Anspruch der IBK, den grenzüberschreitenden Kulturaustausch rund um den Bodensee zu fördern, ist mit der Pandemie auf eine bis dahin unausdenkliche Art in Frage gestellt – zumindest vorübergehend.

Als Ersatz informiert eine Publikation über alle Preisträgerinnen und Preisträger, hier das pdf: IBK20-Broschuere-RZdigital-1.

Und Kurzporträts der Ausgezeichneten sind zu einem Film zusammengeschnitten worden:

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1