Theaterfestival mit ganz viel Drumherum
Ab Ende Februar wird St.Gallen wieder zum Treffpunkt für junges Theaterpublikum. Das Jungspund-Festival kuratiert elf Schweizer Produktionen der freien Szene und ruft erstmals eine Jugendjury ins Leben.
Auch Heidi kommt in einer neuen Fassung ans Jungspund-Festival. (Bild: Roman Brunner)
Theater ist zum Staunen da. Das Jungspund-Festival hat diesmal elf Stücke für junges Publikum aus fast 60 Produktionen der Schweizer Szene visioniert und ausgewählt, von einer Programmgruppe mit unterschiedlichsten Blickwinkeln – institutionell, freischaffend, theaterwissenschaftlich, generationenübergreifend. Neu dabei: eine Studentin der Uni Bern, eingeladen, die Szene mit einem noch jüngeren Blick zu lesen.
Die Programmpunkte finden in der Lokremise, im Figurentheater, im Raum für Literatur, im Pool, im Kulturbüro und im Studio des Theaters St.Gallen statt, wo sich das Festival einmal mehr als relevante Plattform für Austausch manifestieren wird.
Das Theaterfestival ist ein Ort, an dem junges Publikum ernst genommen wird, sowohl emotional als auch ästhetisch. Mit Stücken, die danach fragen, wie wir miteinander leben und neu anfangen wollen – in praktisch allen möglichen Formaten: von Sprechtheater, Figurentheater, Musik- und Tanztheater bis hin zu Akrobatik.
Unter den elf Stücken werden zwei grössere Koproduktionen (mit Theater Freiraum/Heitere Fahne Bern und mit Remi Demi) und zwei Partnerproduktionen präsentiert. Die beiden letzteren feiern am Jungspund gar Premiere: Das Schau- und Figurenspiel Ronja Räubertochter – eine Zusammenarbeit des Figurentheaters St.Gallen und des Theaters Sven Mathiasen – und die Inszenierung Versteckt von Konzert und Theater St.Gallen. Jungspund kreiert so Schnittstellen und fördert Kooperation mit regionalen Institutionen.
Dass Jungspund sich explizit an Kinder und Jugendliche richtet, heisst nicht, dass es «kindlich» wird. Im Gegenteil. Die Produktionen trauen ihrem Publikum Ernsthaftigkeit zu. Gags dürfen kindernah sein, die Bildsprache bleibt aber offen und die Themen vielschichtig. Erwachsene sehen anderes, hören anderes. Theater ist aber ein gemeinsamer Erfahrungsraum. Das soll während des Festivals auch zum ersten Mal durch eine Jugendjury gefördert werden: Jugendliche schauen gemeinsam Stücke, diskutieren über Relevanz und Ästhetik, begleitet von Profis. Für die Jury kann man sich bewerben.
Eine weitere Besonderheit des Festivals: Es soll viel diskutiert, mitgemacht und kennengelernt werden. Sowohl Familien als auch Schulklassen haben kreative Möglichkeiten, Theater nicht nur zu erleben, sondern auch interaktiv mit Künstler:innen vor Ort zu kreieren und mitzugestalten. Dafür gibts viel Drumherum, von einer Drachen-Installation über Workshops bis zur Möglichkeit, in der Bastel- und Kostümwerkstatt von Offcut und den Kulturkosmonauten in fabelhafte Verwandlungswelten einzutauchen.
Jungspund versteht sich besonders als Plattform für mehr Vernetzung und Sichtbarkeit allgemein. Das zeigt sich auch in der Verleihung des schweizerischen Prix Assitej – der Auszeichnung des Fachverbands der Theaterschaffenden für ein junges Publikum – am Samstag, 28. Februar, mitten im Festival, in Anwesenheit aller Nominierten. Ein wichtiger Moment der Ehrung – und ein Statement für eine Szene.
Luft nach oben gibt es immer, um noch mehr Kooperationen und Schnittstellen zu finden oder, wie es das Jungspund eben macht, selbst zu kreieren. Doch die Vision wird bereits gelebt. Und vielleicht ist genau das seine grösste Stärke.
Jungspund – Theaterfestival für junges Publikum: 26. Februar bis 7. März, diverse Orte in St.Gallen.jungspund.ch
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