Arnold Schwarzenegger fluchend auf dem Velo. In kurzen Hosen. Der ehemalige Gouverneur von Kalifornien. Er würde die Klimaleugner gerne mal mit offenem Maul an einen Auspuff binden, damit sie am eigenen Leib erleben, wie schädlich Treibhausgase sind – und der Wissenschaft endlich glauben.
Eine knackige Szene. Im neuen Dokumentarfilm von Carl-A. Fechner, einem ehemaligen Fallschirmjäger und Berufsoffizier, der mit der Geburt seiner Tochter 1983 zum Friedensaktivist wurde, sind allerhand davon zu sehen. Seine Climate Warriors sind definitiv nicht auf den Mund gefallen – und haben auch taugliche Ideen, wie der weltweite Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien gelingen könnte.
Doch zuerst ein paar Zahlen aus dem Film, (die leider meist ohne Quellenangabe genannt werden und von einem etwas gar pathetischen Soundtrack untermalt sind):
Endboss Kapitalismus
Angesichts solcher Zahlen kann mensch eigentlich nur den Kopf schütteln, immer wieder. Über die globale Verantwortungslosigkeit, die Gier auf allen Seiten, die Kriegsindustrie, die fossile Lobby – über all die vielfältigen Zusammenhänge, die Carl-A. Fechner in seinem Dokfilm aufzeigt und herausschält. Und ja, auch in Sachen Klima ist der Kapitalismus der Endboss.
Dafür machen die Protagonistinnen und Protagonisten im Film Mut. Zum Beispiel der Klimaaktivist und Rapper Xiuhtezcatl Martinez. Er ist einer von 21 Jugendlichen, die gegen die Klimapolitik der US-amerikanischen Regierung geklagt haben. Bis zum Obersten Gericht. Martinez weist bei seinen Aktionen auch immer wieder auf die verheerenden Auswirkungen des fossilen Raubbaus für die indigene Bevölkerung hin.
Oder Joylette Portlock aus der ehemaligen Kohlestadt Pittsburgh. Sie ist Vorsitzende der NGO Communitopia und wettert auch gerne mal im Superhero-Dress gegen die «Fossil-Lobbyisten in ihren Glaspalästen». Und sie arbeitet daran, die Erkenntnisse der Klimawissenschaft verständlich und für alle Menschen zugänglich zu machen. «Weil es uns alle angeht.»
Oder Claudia Kemfert, eine Wirtschaftswissenschaftlerin, die ebenfalls zünftig austeilt gegen die fossile Lobby, nicht nur in ihren Vorlesungen. «Ohne Energiewende wird es teuer», warnt sie, «dann zahlen wir immer noch mehr für Öl und Gas. Die deutsche Volkswirtschaft bezahlt allein für die Begleichung von fossilen Energien pro Jahr 100 Milliarden Euro. 12 Milliarden davon könnte man Einsparen allein durch den Ausbau von Erneuerbaren Energien.»
Oder der sympathische Caritas Stromspar-Helfer Lutz Machalewski: Früher war er langzeitarbeitslos, heute besucht er Haushalte und erklärt, wo und wie die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Energiesparpotenzial nutzen können.
Dazwischen immer wieder Ausschnitte von Reden des US-amerikanischen Präsidenten. Dieser ist wahnsinnig stolz auf Amerikas «veeeery clean Coal», auf seine Aufhebung des Verbots der Kohleförderung, auf den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen 2017 und auf viele weitere märchenhafte Dinge. Absurde, infantile Szenen.
Energie-Demokratie statt Energie-Diktatur
Wie kann die Energierevolution gelingen? Das ist die grosse Frage, die sich alle Protagonistinnen und Protagonisten so oder ähnlich stellen (abgesehen von Trump). Sie wünschen sich echte Energieautonomie, sprich keine Abhängigkeit von grossen Konzernen, dezentrale Energiesysteme aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen und eine Energie-Demokratie statt einer Energie-Diktatur.
Climate Warriors: bis Ende August im Kinok St.Gallen
kinok.ch
Und sie haben gute Nachrichten: Der globale Energiebedarf könne durch Windkraft, Solarenergie, Geothermie und Biomasse gedeckt werden. Schon heute. Schwankungen im Stromnetz könne man durch Batterie-Speichersysteme und dezentrale Kraftwerke ausgleichen. «Das funktioniert auf der ganzen Welt. Und die Wertschöpfung bleibt in der jeweiligen Region.»
Edi Kraus aus dem oberbayrischen Kirchberg macht zum Beispiel Pellets aus nachwachsenden Roh- und Reststoffen, aus Stroh oder Heu. Anfangs mit Schwierigkeiten, mittlerweile läuft seine Maschine reibungslos. Kraus pelletiert bis zu 1,3 Tonnen Material pro Stunde. Sein nächstes Projekt: Laub zu Pellets machen.
Auch das machen die Climate Warriors deutlich: Alle Projekte sind wichtig, ob gross oder klein, privat oder staatlich, für heute oder für morgen. Letztlich ist es die Summe aller Projekte, die die Energierevolution ermöglicht. Was aber nicht heisst, dass es keinen Systemwechsel braucht.
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
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Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
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