Der wohl prominenteste Gast heisst Alex Capus: Er liest zum Finale am ominösen 11.11. aus dem neuen Roman Königskinder. Klingende Namen sind auch die weiteren Autorinnen und Autoren des einwöchigen Buchfestivals: Arno Camenisch und Ralf Schlatter gehören zu den gefragtesten und unterhaltendsten Textern hierzulande, die Kinderbuch-Autorin Kathrin Schärer erzählt, Frédéric Zwicker liest aus seinem Erstling Hier können Sie im Kreis gehen samt musikalischer Begleitung durch seine Band Knuts Koffer und Gülsha Adijli kündigt eine multimediale Lesung an.
Schliesslich Tim Krohn – mit ihm verbinde das Diogenes eine besondere Beziehung, erzählt Co-Theaterleiter Michel Dawidamann: Zum Jubiläum hat sich das Theater nämlich eine Krohn-Geschichte geschenkt. Sie ist unterdessen auch im jüngsten Band der Buchtrilogie Menschliche Regungen des Autors erschienen.
Literatur habe es innerhalb eines Kleinkunstprogramms generell nicht leicht; Bücher seien ein Minderheitenprogramm, das stelle nicht nur das Diogenes fest, sondern auch die städtische Bibliothek Rehburg, die das Programm mitgestaltet. Deshalb habe man zum einen auf prominente Namen gesetzt, sagt Dawidamann, und zum andern auf die Festivalform: Eine Woche lang reiht sich Abend für Abend Buch an Buch, und wer mehrmals kommt, geniesst schon beim dritten Mal freien Eintritt.
Auch die Mischung von Programmen für Kinder, für Jugendliche wie für Erwachsene ist Absicht. Und neben den national bekannten Autoren dürfte auch ein Einheimischer viel Publikum anziehen: Christoph Mattle, früherer langjähriger Chef des kantonalen Amts für Mittelschulen, erzählt im Oberrieter Dialekt Geschichten, darunter das Oberieder Rhiimügerli.
Wortschaukel: 6. bis 11. November, Diogenes-Theater Altstätten
diogenes-theater.ch
Im 40. Jahr seines Bestehens hat das Theater gefeiert, aber auch seine Zukunft gesichert: Es spannt künftig mit dem Ortsmuseum Prestegg zusammen. Im Juni dieses Jahres stimmte die Altstätter Bevölkerung dem Projekt eines Theatersaals im Nordflügel des Schlosses Prestegg und damit einem neuen «Zentrum für Geschichte und Kultur» zu. Geht alles nach Plan, spielt das Diogenes ab Frühling 2021 am neuen Ort, mit mehr Platz und zeitgemässer Ausstattung. Und mit einem gestärkten Fundament, was die Trägerschaft betrifft: mehr als 700 Mitglieder zähle der Verein aktuell, rund 100 seien im Jubiläumsjahr hinzugekommen.
«Wir haben den Eindruck, dass das Theater an Beachtung hinzugewonnen hat, sagt Dawidamann, der mit seiner Frau Heidi den Verein co-präsidiert. «Synergien» mit dem Museum, aber auch mit der Bibliothek und den Schulen, mit denen man intensiv zusammenarbeite, sollen die Position der ältesten Kleinkunst-Institution im Rheintal weiter festigen. Die «Wortschaukel» schaukelt aber noch am alten, geschichtsträchtigen Ort.
Dieser Beitrag erschien im Novemberheft von Saiten.
Aus dem Januarheft: Nach Prosatexten von Tim Krohn, Friedrich Dürrenmatt und Thomas Hürlimann bringt das Theater St.Gallen erneut einen Roman auf die Bühne, «Matto regiert» von Friedrich Glauser.
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.