Mehmet Aksoy (Firaz Dağ), Mitglied des YPG Pressezentrums wurde am 26. September durch den IS getötet, während er an einer Dokumentation über die Rakka-Offensive arbeitete. Am 10. November 2017 wurde er auf dem Highgate Friedhof in London beigesetzt.
Mehmet Aksoy kam aus Elbistan in der Provinz Maraş, in Nordkurdistan. Er wuchs in London auf, nachdem seine Familie nach Europa immigriert war. Seit seinen jungen Jahren war er niemals losgelöst von dem Kampf gegen Kapitalismus, für Demokratie und Menschenrechte, als Teil des rechtmäßigen Kampfes des kurdischen Volkes. Insbesondere nach dem Massaker von Şengal am 3. August 2014 arbeitete er unaufhörlich daran, die kurdische Gesellschaft und die Öffentlichkeit zu informieren und zu organisieren.
Als bei einem Angriff der faschistischen türkischen Besatzungsarmee am 25. April 2017 auf den Berg Qereçok in Dêrik viele Mitglieder des YPG Pressezentrums ihr Leben verloren, entschied sich Mehmet Aksoy (nom de guerre: Firaz Dağ) nach Rojava zu gehen, um die Leere zu füllen, die entstanden war und um den Weg der gefallenen JournalistInnen weiterzugehen.
Er nahm seinen Platz im YGP Pressezentrum ein, um die Arbeit der FreundInnen fortzusetzen, den Menschen und GenossInnen eine Stimme zu geben und der Welt von all der Ungerechtigkeit zu erzählen. Aksoy wurde am 26. September vom IS getötet, während er an einer Dokumentation über die Rakka-Offensive arbeitete. Von hunderten Menschen wurde sein Leichnam am 25. Oktober in London empfangen.
Am 10. November wurde er auf dem Highgate Friedhof in London, unweit von Karl Marx begraben. Nachfolgend ist der letzte Brief von Mehmet Aksoy an seine Familie übersetzt, den das ROAR Magazine veröffentlicht hat. Es ist ein wundervoller Brief, voller Emotionen, der die Weitsicht, die Verbundenheit Mehmets zum Kampf in Kurdistan und dem Vorsitzenden und seine Liebe zur Freiheit sehr deutlich zum Ausdruck bringt:
Ich schreibe euch diesen Brief aus Südkurdistan. Wenn ihr ihn lest, werde ich bereits nach Rojava hinübergereist sein. Seid nicht sauer auf mich, dass ich mich nicht gemeldet habe. Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht. Jahrelang habe ich diesen Brief in meinem Kopf wieder und wieder geschrieben. Ich wollte euch nicht traurig machen.
Ich habe versucht, ein Leben zu leben in einem System, das ich ablehne, in dem ich unglücklich bin. Ich habe es versucht, und es ist mir nicht gelungen. Jetzt ist es Zeit,mutiger zu werden. In diesem Sinne gehe ich voran und schreibe euch diesen Brief nicht mit meinem eigenen Stift, sondern mit den Stiften von Deniz, Mahir, Ibrahim, Mazlûm, Berîtan, Fîraz und den anderen VorreiterInnen und mit dem Glauben und Mut, den ich durch sie gewonnen habe.
Ich möchte, dass ihr das versteht. Wisst ihr, dass die Rückkehr in meine Heimat allen voran von der Befreiung der Frau bestimmt war? Ich bin hierhergekommen, um die Frauen in ihrem gemeinsamen Kampf zu unterstützen, Frauen, die ein neues, freies Leben mit ihren eigenen Händen schaffen wollen. Von nun an will ich mein Leben in meinem Land, ganz nah bei meinem Volk leben.
Eine unendliche Menge an Arbeit, Veranstaltungen, Liebe, Schmerz, Freude, Überlegungen, Menschen und Hoffnungen, die mich zu dem gemacht haben, der ich bin, haben mich schliesslich zu dieser Entscheidung getrieben. Es hätte nicht anders geschehen können. Nie habe ich für individuelle Dinge gelebt, für Geld, Macht, für Zwang oder materielle Dinge. Seit meiner Kindheit war ich immer auf der Suche, habe Neues geschaffen und mich bemüht, Liebe, Freundschaft und die Gabe zu teilen zu vermehren.
Und ich habe Glück: Ich habe wundervolle FreundInnen gehabt. Ich schicke ihnen meine Grüsse und meine Liebe. Jeder einzelne von ihnen ist für mich unbezahlbar. Trotz allem habe ich die schönste Freundschaft in dieser Bewegung gefunden, in dieser Partei. Ich bin von allen Dingen zuallererst hier wegen dieser Genossenschaftlichkeit. Und damit natürlich verbunden mit allen unseren MärtyrerInnen und Vorsitzenden.
Sie dient dieser Bewegung und diesen Menschen, die mich mit der bedeutungsvollsten Form von Freude erfüllen. Ich hoffe, ich kann dem gerecht werden. Macht euch keine Sorgen um mich. Mit dem Wunsch, sich erneut zu treffen, in einem freien Land, mit einem freien Vorsitzenden…
Euer Sohn, euer grosser Bruder, der euch für immer liebt. Mehmet.
Gülistan Aslan, 1979, schreibt die Stimmrecht-Kolumne von Saiten. Sie ist aus Bitlis (Kurdistan) in die Schweiz gekommen, lebt in Herisau und ist Co-Präsidentin des Demokratischen Kurdischen Gesellschaftszentrum St.Gallen und beim kurdischen Frauenbüro für Frieden e.V.
Dieser Text erschien im Februarheft von Saiten.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.