Kunst und Kultur reflektierten die Gegenwart und öffneten Perspektiven für die Zukunft – umso kurzsichtiger wäre es, an der Kultur und damit auch am Theater sparen zu wollen, sagt Susanne Vinzenz-Stauffacher, die neue Verwaltungsratspräsidentin der Genossenschaft, einleitend an der Medienorientierung vom 24. Mai zur Spielzeit 2024/25 von Konzert und Theater St.Gallen.
Gewalt und Menschlichkeit
Die Gegenwart also vorweg: Das Sprechtheater reagiert auf sie mit insgesamt sechs Erstaufführungen neben drei Klassikern. Die aktuelle Spielzeit habe gezeigt, dass politische Themen beim Publikum ankämen, sagt Schauspielchefin Barbara-David Brüesch.
Sie startet mit einem «Herzensprojekt» voll tagesaktueller Brisanz: einem russisch-ukrainischen Doppelabend. Teil eins bildet der Roman Sofia Petrowna von Lydia Tschukowskaja, in den 1930er-Jahren geschrieben vor dem Hintergrund des Stalin-Terrors, Jahrzehnte später entdeckt und nach abenteuerlichen Verhandlungen mit dem Moskauer Verlag um die Rechte jetzt erstmals auf der Bühne zu sehen. Ihn ergänzt die beklemmende Republik der Taubheit des im US-Exil lebenden Ukrainers Ilya Kaminsky.
Lydia Tschukowskaja, Autorin des Romans Sofia Petrowna. (Bild: pd)
Das Projekt sei «der künstlerische Versuch, die von Gewalt gezeichnete Gegenwart zu verstehen, und Ausdruck des Mitgefühls mit ihren Opfern», sagt die Regisseurin.
Weitere Stoffe befragen Geschichte für die Gegenwart: der Eulenspiegel-Roman Tyll von Daniel Kehlmann, die Nibelungen-Adaption Die Hildensaga von Ferdinand Schmalz, Kleists Käthchen von Heilbronn oder Milo Raus jüngste, einmal mehr hochgelobte Produktion Medea’s Children, die ein Jahr nach der gerade anlaufenden Tournee als Gastspiel im Frühling 2025 in die Heimatstadt des Regisseurs kommt.
Inklusiv und kooperativ
Den komödiantischen Gegenpart im Schauspiel setzen ein Goldoni-Abend, The Rocky Horror Show (mit Michael von der Heide) oder das Familienstück Die drei Räuber. St.Gallen produziert zudem mit dem Theater Marie und anderen Aargauer Partnern zwei herren von real madrid von Leo Meier, ein Stück über das Coming-out von Profifussballern, und kooperiert mit dem inklusiven Zürcher Theater Hora in Büchners Leonce und Lena.
Inklusion und Gendergerechtigkeit war in der laufenden Spielzeit schon angesagt, mit Erfolg: In der Tonhalle beeindruckte ein Abend für hör- und sehbehinderte Besucher:innen, St.Gallens Shakespeare-Sturm mit dem Komik-Theater hat es ans Schweizer Theatertreffen geschafft, und für die Opern-Uraufführung Lili Elbe um eine Transgender-Pionierin gab es einen «Oper! Award».
Noch keinen Preis, aber volle Ränge verzeichnet die neu zur eigenen Sparte aufgewertete Tanzkompanie. Ihr Leiter Frank Fannar Pedersen führt nach Fordlandia im kommenden Jahr die Zusammenarbeit mit Co-Choreograph Javier Rodriguez Cobos weiter, zum Auftakt mit einem Stück namens Limbo und als Finale mit einer weiteren Antike-Adaption, Oresteia.
Ebenfalls im Doppel stellen sich die Choreographen Ohad Naharin und Alan Lucien Øyen (mit Moved) sowie Hofesh Shechter und Yoann Bourgeois (mit dem anagrammatischen Stück Won’t lovers revolt noW) in St.Gallen vor.
Relativitätstheorie im Musical
Im Musiktheater ragen «blutige Stoffe», wie Direktor Jan Henric Bogen sagt, hervor: Elektra von Richard Strauss und Verdis Macbeth. Mit einem weiteren Klassiker, Puccinis Tosca, kehren die Festspiele zu ihrem 20-Jahr-Jubiläum 2025 auf den Klosterplatz zurück. Daneben stehen leichtere Stoffe: Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen und Humperdincks Hänsel und Gretel. Als Musical-Uraufführung und St.Galler Auftragswerk hat das Theater bereits früher Frank Wildhorns Einstein – A Matter of Time angekündigt, Premiere ist am 1. März.
Ohne klingende Namen geht es auf den Musikbühnen nicht. Für vier Abende und ein Rollendebüt in Johann Strauss’ Fledermaus beehrt Startenor Rolando Villazon im Oktober St.Gallen. Im Meisterzyklus der Tonhalle freut sich Chefdirigent Modestas Pitrenas unter anderen auf «Wunsch-Gäste» wie Pianistin Martha Argerich, das Klavierduo Lucas und Arthur Jussen und die unverwüstlichen King’s Singers. Grosse Sinfonik ist mit den Fünften von Mahler und Beethoven, Bruckners achter oder Schostakowitschs zehnter Sinfonie programmiert.
Wie St.Gallen klingt
Alltagsgeräusche aus dem ganzen Kanton, gesammelt vom Publikum und zur Komposition verdichtet von Fabian Künzli, sind im Mai 2025 unter dem Titel So klingt St.Gallen in der Tonhalle zu hören. Die Uraufführung ist Teil einer Initiative von zehn Schweizer Berufsorchestern und soll ein junges Publikum erreichen.
Zahlreiche weitere Vermittlungsprojekte bis hin zu Krabbelkonzerten sind unter dem Label «mit» Teil des Programms von KTSG mit dem Ziel, die Schwelle zum Theater und zum Konzertsaal so niedrig wie möglich zu halten, wie Leiterin Anja Horst sagt.
Dazu gehört, dass das Theater- oder Konzertticket freie Fahrt auf dem gesamten Ostwind-ÖV-Netz beinhaltet – so auch diesen Sommer hoch auf die Flumserberge, wo vom 21. Juni bis 6. Juli die Festspiel-Oper The Fairy Queen von Henry Purcell gespielt wird.
konzertundtheater.ch
Als wäre die Pandemie zu Ende, stellen Konzert und Theater St.Gallen einen vollen Spielplan 21/22 vor. Es geht um Ausnahmezustände und gesellschaftliche Irrungen, ganz besonders aber auch um den weiblichen Blick auf das kulturelle Erbe und die Gegenwart.
Nach dem 3:1-Hinspiel-Erfolg steht die Türe zu den Conference-League-Playoffs weit offen. Schreitet der FCSG hindurch? Das Rückspiel ab 20 Uhr live im SENF-Ticker.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
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Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
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Kolumne: 24/7 Traumacore
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Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
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