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«Der Kultur geht es an die Existenz»

Wie kommen Kulturschaffende durch die Pandemie? Die St.Galler Regierungsrätin Laura Bucher wollte es aus erster Hand wissen und lud zum (virtuellen) Kulturdialog. Ihr Fazit: «Vielen geht die Krise an die Existenz.»
Von  Peter Surber

Prekäre Löhne schon im normalen Leben – und jetzt schlägt die Covid-19-Pandemie voll zu. Beispiele dafür habe es in der Videokonferenz am Montag dieser Woche von mehreren Seiten gegeben, bestätigt Kulturdirektorin Laura Bucher: «Die Folgen der Massnahmen bedrohen zahlreiche Kulturschaffende in ihrer wirtschaftlichen Existenz.»

Die schwierige materielle Lage im Kultursektor zeigte sich im Gespräch mit rund 60 Kulturschaffenden aus unterschiedlichen Sparten und Institutionen. Sie zeige sich aber auch bei der Bearbeitung der Unterstützungsgesuche durch das Amt für Kultur: «Zum Teil können wir nur geringe Beträge auszahlen, die für die Betroffenen jedoch bereits ein grosses Gewicht haben. Das macht deutlich, mit wie wenig Geld viele Kulturschaffende auskommen müssen.»

«Man sieht, mit wie wenig Geld viele Kulturschaffende auskommen müssen»: Regierungsrätin Laura Bucher.

Ein zweiter Lockdown für die Kultur biete zumindest die Möglichkeit, die Situation der ganzen Branche noch genauer zu erkennen und die Massnahmen, die nach der ersten Welle beschlossen wurden, anzupassen. Insbesondere die Ausfallentschädigungen müssten nicht nur für Kulturunternehmen, sondern auch für einzelne Kulturschaffende wieder angeboten werden, sagt Laura Bucher. So war es im ersten Lockdown noch der Fall, und so hat es der Bundesrat in der Vorwoche angekündigt. Nothilfe allein genüge nicht. Die Frage sei, ob der Kanton für diese Ausweitung auch zusätzliche Mittel bereitstelle.

Planungssicherheit, soziale Absicherung

Über die aktuelle Covid-19-Notlage hinaus hat der Dialog für Laura Bucher aber auch gezeigt, dass es langfristige Perspektiven brauche. Einerseits planerisch: Mit Nachdruck forderte etwa die IG Kultur Ost eine mittelfristige Strategie zur «Reaktivierung» des Kulturbetriebs (hier der Offene Brief der IG an die St.Galler Regierung). «Der direkte Austausch mit den Kulturschaffenden zeigte mir, dass kulturelle Aktivitäten einen längeren Vorlauf brauchen und nicht quasi auf Knopfdruck wieder aufgenommen werden können», sagt die Regierungsrätin.

Andrerseits ökonomisch: Viele Kulturschaffende seien mit Kleinstpensen, in Projektaufträgen oder befristeten Anstellungen tätig und blieben damit ohne soziale Absicherung. Unabhängig von der aktuellen Pandemie brauche es in dieser Frage auf längere Sicht gesetzliche Veränderungen. «Es ist mein erklärtes Ziel, die soziale Absicherung der Angestellten auch im Kultursektor zu verbessern. Das braucht allerdings Zeit.»

Auch Ausserrhoden spricht Kredit

Als letzter Ostschweizer Kanton hat Appenzell Ausserrhoden die Weiterführung der Massnahmen im Kultursektor für 2021 sichergestellt. Der Regierungsrat sieht wie schon für 2020 weitere 490‘000 Franken aus dem Lotteriefonds für den Vollzug der Covid-19-Kulturverordnung vor. Mit den Mitteln des Bundes stehen damit in Ausserrhoden weitere 980‘000 Franken zur Verfügung. St.Gallen, Thurgau und Appenzell Innerrhoden hatten bereits im November und Dezember ihre Kredite für das Jahr 2021 verlängert.

«Die Massnahmen tragen dazu bei, die Kulturlandschaft nachhaltig zu sichern und damit die kulturelle Vielfalt zu erhalten», schreibt die Regierung in Herisau. «Dies ist auch vor dem Hintergrund der soeben neu eingeführten weiterführenden schweizweiten Vorgaben, wie dem Verbot von Kulturveranstaltungen, umso wichtiger und dringlicher.»

Viele werden sich als Folge der Pandemie im Kultursektor neu «erfinden» und auch neue Wege zum Publikum finden müssen. Das Instrument dazu gibt es, Laura Bucher betonte es im Kulturdialog mehrfach: Kulturunternehmen und auch Kulturschaffende können sogenannte Transformationsprojekte einreichen, dies neben den Gesuchen um Ausfallentschädigung. Das sei mit Absicht offen angelegt; den Möglichkeiten sind wenige Grenzen gesetzt, aber die Ideen müssten von den Gesuchstellern selber kommen.

«Transformation» meint Projekte zur strukturellen Neuausrichtung von Kultur-Unternehmen und -Institutionen oder zur Publikumsgewinnung. Eingeben können auch Kulturschaffende, unter der Voraussetzung, dass sich diese mit anderen zusammenschliessen und juristisch, zum Beispiel als Verein, organisieren. Darüber hinaus gibt es weiterhin Bundesmittel für Nothilfe an Kulturschaffende sowie Finanzhilfen für Kulturvereine im Laienbereich. Alle Infos hier.

«Machen Sie Kultur trotz allem sichtbar!»

Buchers Appell an die Kulturschaffenden in der virtuellen Konferenz lautete denn auch: «Halten Sie durch. Und machen Sie Kultur trotz allem sichtbar.» Ein solcher Appell sei zwar auch für sie nur halbwegs befriedigend. «Für mich als Politikerin ist es schwierig, keine Lösung präsentieren zu können – aber im Moment ist die Lage so, dazu muss man stehen.»

Bucher sagt: Kultur ist wichtig – für den gesellschaftlichen Diskurs, als sinnstiftende und identitätsfördernde Auseinandersetzung, aber auch für die Lebensqualität und Standortattraktivität der ganzen Region, insbesondere auch der ländlichen Gebiete. Und darüber hinaus sei Kultur ein gewichtiger volkswirtschaftlicher Faktor: «Es geht keineswegs nur um subventionierte Häuser, sondern um sehr viele Arbeitsplätze auf dem freien Markt, die am Kulturbetrieb dran hängen.»

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Hans G.,  

Schön, dass sich die Regierungsrätin um die Existenz der Kultur sorgt. Noch schöner wärs, wenn bekannt wäre, nach welchen Kriterien zum Dialog geladen wurde und wer dann tatsächlich teilnahm. Gerade im opaken Kanton St.Gallen müsste gelten: Die Bewältigung der Krise fängt mit der Überwindung der Vetternwirtschaft an.

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