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Die Kultur ist weiblich – fast

Die Stadt St.Gallen hat im Lagerhaus ihre Werkbeiträge 2018 vergeben. Fünf Künstlerinnen und ein Duo wurden ausgezeichnet. Den Abend umrahmte die Sängerin Skiba Shapiro. Auch sonst war die Kultur für einmal ganz in Frauenhand.
Von  Peter Surber

Stadtpräsident Thomas Scheitlin sprach einleitend von den Quellen der künstlerischen Inspiration. Was ihn seinerseits dazu inspirierte, war der Ort des Geschehens: Im Architektur-Forum im Lagerhaus, das auch als städtischer Ausstellungsraum dient, ist der Boden komplett «übersät» mit Kunstkarten. Die Bilder sind der Inspirationsfundus des Textilgestalters Martin Leuthold. Leuthold erhielt letztes Jahr den Anerkennungspreis der Stadt, für die dazugehörige Ausstellung hat er jetzt seine Schätze ausgebreitet, fotografiert und in Szene gesetzt hat sie Katalin Deér.

Leutholds Schau ist bis 16. Dezember zu sehen. Ein Besuch, nebenbei, lohnt sich; wenn man die Scheu einmal überwunden hat, über die Bilder im Wortsinn hinwegzugehen, öffnen sich Ein- und Ausblicke, hingeworfene Bildmotive und Zufalls-Zusammenhänge der anregendsten Art.

Charismatische Stimme

Was die Inspirationsquellen und das Schaffen der dieses Jahr mit einem Werkbeitrag ausgezeichneten Künstlerinnen betrifft, gab die Feier vom Mittwochabend dann aber naturgemäss nur einen vagen Einblick.

Ausser bei Skiba Shapiro, mit bürgerlichem Namen Vanessa Engensperger: Die Sängerin und Musikerin, mit Jahrgang 1990 die jüngste im Bunde, packte das Publikum mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, umrahmt von Bewegungsetüden des Tanzduos F II (Mina Freuler & Elina Kim). Eine Impression vom Auftritt im Lagerhaus hier.

Der Werkbeitrag soll ihr die Möglichkeit bieten, ihr Bandprojekt weiterzuentwickeln, die Live-Shows auszubauen sowie Videos zu produzieren. Mehr zu Skiba Shapiro hier.

Innere Bilder, gesellschaftliche Themen

Von den anderen Ausgezeichneten wird 2019 mehr zu sehen und zu hören sein: Einige von ihnen bekommen ihrerseits eine Ausstellung im Lagerhaus. Dazu gehört Claudia Keel; die Künstlerin mit Jahrgang 1969 wird gemäss Laudatio auf ihrer «unermüdlichen Suche nach dem idealen Abbild des Innersten» unterstützt.

Die Malerin Rachel Lumsden (1968) soll mit dem Werkbeitrag ihre Arbeit an Grossformaten intensivieren und dabei erforschen können, wie die Materialität und Unmittelbarkeit des Kleinformats auf grosse Flächen zu übertragen ist. Hier das ausführliche Porträt der diesen Herbst gleich mehrfach ausgezeichneten Künstlerin.

Salome Schmuki (1979) kann dank dem Werkbeitrag ihre Buch- und Schriftgestaltung im Grenzbereich zwischen Angewandter und Bildender Kunst weiterentwickeln; die Laudatio hob ihre Experimentierfreude im Spiel verschiedener Medien und in der Infragestellung von Schreib- und Lesevorgängen hervor.

Stärkeren gesellschaftlichen Anspruch haben die weiteren Ausgezeichneten. Kathrin Rieser, Jahrgang 1977, baut unter dem Künstlerinnennamen eruk t. soñschein mechanische Skulpturen und Objekte; aus ihren fantasiereichen Figuren und Skulpturen soll jetzt ein Soloprogramm «El teatrito – das kleine Theater» werden, das den öffentlichen Stadtraum als Bühne und Lebensraum bespielt und dabei das Publikum miteinbezieht.

Schliesslich Ann Katrin Cooper (1979) und Tobias Spori (1983): Mit seinem Panorama Dance Theater erarbeitet das Duo ein Projekt mit dem Titel «Green, Green Grass of Home». Auf der Grundlage von Interviews setzen sich Cooper und Spori darin mit dem Begriff Heimat auseinander und übersetzen das Thema in Tanz, Musik und Sprache.

Die Frauen – und die Männerdomänen

Tänzer Tobias Spori war an diesem Abend (mit Ausnahme des Stadtpräsidenten) der einzige Mann im Scheinwerferlicht. Nicht nur die Werkbeiträge gehen an Frauen, auch für die städtische Kulturkommission, die die Beiträge vergibt, sprachen für einmal ausschliesslich Frauen: Annina Stahlberger (Musik), Andrea Vogel (Kunst), Barbara Bucher (Theater) und Isabelle Chappuis, die Präsidentin der Kommission.

Warum das so ist, war an der Feier allerdings nicht weiter ein Thema. Die Genderlage dürfte denn auch nicht so einfach zu analysieren sein. Den Grossen Kulturpreis der Stadt haben seit 1954 gerade einmal drei Frauen neben 14 Männern erhalten. In den Kulturämtern und Kommissionen ist die Frauenquote dafür beeindruckend: In den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beiden Appenzell wie in der Stadt St.Gallen sind die Amtsleitungen durchwegs weiblich. Die städtische Kulturkommission hat ebenfalls eine Frauenmehrheit.

In den Chefpositionen der grossen Kulturinstitutionen der Ostschweiz allerdings sitzen fast ausschliesslich Männer – einige Bemerkungen dazu sind im Dezemberheft von Saiten zu finden, das dem Thema «Kultur fördern» gewidmet ist.

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Andrea Vogel,  

Fast ist gut! Kommt immer darauf an wo die Kultur vor allem weiblich ist. Betreffend Kunst-Preisvergaben besteht betreffend Gender Gleichstellung jedenfalls nach wie vor Handlungsbedarf. Bestes Beispiel dafür ist der St. Galler Manor-Kunstpreis. Dieser ging bei den letzten 15 Vergaben gerade mal nur an drei KünsterINNEN. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Preisträger_des_Manor_Kunstpreises Andrea Vogel

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