Die Auszeichnungen haben schon Tradition. Beim Buch-Jahrgang 2018 waren zwei Künstler-Bücher mit Ostschweiz-Bezug, beide gestaltet von Samuel Bänziger, Rosario Florio und Larissa Kasper (PIN), preisgekrönt worden: Verde von Katalin Deér und For a Fish Tank or a Parking Lot von Daniel V. Keller. Unter den 18 schönsten Schweizer Büchern 2017 figurierten gleich drei Titel, bei denen die Saiten-Grafiker die Hand im Spiel hatten. Und ein Jahr zuvor hatte es das gleichfalls von ihnen gestaltete Buch Raum. Zeit. Kultur, herausgegeben vom Architektur Forum Ostschweiz im Triest Verlag, unter die damals 24 Schönsten der Schweiz geschafft, neben einem Werk aus dem hiesigen Vexer-Verlag.
Ausgezeichnete Fotobücher
Jetzt sind es erneut zwei Arbeiten des Gestalter-Trios, welche die vom Grafiker Gilles Gavillet präsidierte Jury überzeugt haben. Das eine zeigt Arbeiten des norwegischen Künstlers Fredrik Vaerslev unter dem Titel Fenstermalerei, ein Ausstellungskatalog der Städtischen Galerie im deutschen Delmenhorst.
Das andere ist im eigenen St.Galler Verlag, Jungle Books erschienen: From … To… dokumentiert das Schaffen des in St.Gallen lebenden Fotografen Jiri Makovec in 1525 Bildern; ausführlich vorgestellt ist das letzten Herbst erschienene Buch hier.
Ein drittes prämiertes Buch mit Ostschweizer Bezug ist Etwas fehlt von Alex Hanimann. Der St.Galler Künstler gibt darin Einblick in sein fotografisches Werk, gestaltet wurde der reichhaltige Band von Vinzenz Meyner, erschienen ist er bei der Edition Patrick Frey. Das Buch hat ausserdem das Ehrendiplom der weltweit schönsten Bücher errungen und wäre damit an der (allerdings abgesagten) Leipziger Buchmesse zu Ehren gekommen.
Alex Hanimann: Etwas fehlt.
Obenauf in der nationalen wie in der internationalen Rangliste schwingt der Almanach Ecart. Das Buch hat sowohl die Goldene Letter als Schönstes Buch der Welt als auch die Schweizer Jurierung gewonnen. Der Almanach arbeitet die Sammlung des Genfer Kollektivs Ecart künstlerisch und wissenschaftlich auf und präsentiert sie unter dem Titel «Une archive collective, 1969-2019».
Am 3. September ist Vernissage der Ausstellung «Die schönsten Schweizer Bücher 2020» im Helmhaus Zürich; im November kommt die Ausstellung in die Bibliothek Hauptpost in St.Gallen.
Ecart nannte sich die vom Fluxus-Prinzip inspirierte Künstlergruppe, die John Armleder, Patrick Lucchini und Claude Rychner 1969 ins Leben gerufen hatten und die in ihrer wechselhaften Geschichte als Kollektiv, Festival, Galerie, Buchhandlung, Verlag, Druckatelier und Tee-Salon die Kunstszene stark beeinflusst hat.
Tschichold-Preis für Maximage
Mit dem Jan-Tschichold-Preis zeichnet das BAK seit 1997 eine Persönlichkeit, eine Gruppe oder eine Institution für hervorragende Leistungen in der Buchgestaltung aus. In diesem Jahr geht der mit 25’000 Franken dotierte Preis an Maximage, ein Schweizer Designstudio, das 2009 von David Keshavjee (1985) und Julien Tavelli (1984) gegründet wurde und Niederlassungen in Genf, Zürich und Paris hat.
Die Verlage Niggli und Benteli in Sulgen wurden per 1. Oktober an die Braun Publishing AG in Salenstein verkauft. Auf der Landkarte sind das nur 20 Kilometer, trotzdem bedeutet es eine Zäsur: Die gesamte Belegschaft verlässt den Verlag.
Der Niggli-Verlag war 1950 in Teufen gegründet worden und seit 1992 in Sulgen ansässig. Nun ist er verkauft und verlässt die Ostschweiz. Eine Sicherung der Spur, die der Verlag hierzulande gezogen hat – im Gespräch mit jenen, die mit ihm gearbeitet haben.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.