Ein Blick zur Decke in der Eingangsrotunde beamt uns zurück in die Hochblüte der St.Galler Stickereizeit. Goldverziert ist sie. Das Original stellte einen Goldstücke-speienden Brunnen dar – das Symbol der Eidgenössischen Bank, die dieses Haus mit der Adresse Bahnhofplatz 1a erbauen liess.
Die Bank war 1863 in Bern gegründet worden und besass das Recht, Banknoten herauszugeben – sie war die Vorgängerin der 1905 gegründeten Nationalbank.
Der Geldbrunnen, 1908 abgebildet in der «Bauzeitung».
Diese Eidgenössische Bank gründete bald Filialen. In St.Gallen entstand in einem Rekordtempo – zwischen Mai 1907 und Oktober 1908 – das neue Gebäude als vierte Niederlassung im Land. Geplant wurde der Repräsentationsbau von den Architekten Pfleghard und Haefeli. Die Konstruktionspläne stammen vom Ingenieur Robert Maillart. Sowohl das Architektur- als auch das Ingenieurbüro waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannte Grössen in der Stadt.
Die Fassaden des Bankgebäudes aus St.Margrethener Sandstein sind detailliert strukturiert. Über der kleinen runden Eingangshalle ist das dreiteilige Relief des Zürcher Bildhauers Georg Josef Burgstaller in Saltrinomarmor erhalten. Es zeigt auf der einen Seite den Handel mit den «Urvölkern», auf der anderen Seite den Handel mit den «Kulturvölkern». In der Mitte Hermes, «die Macht des Geldes in ihrer starren Gestalt», wie die «Schweizerische Bauzeitung» 1908 den Bau detailreich beschrieb.
Die damalige Schalterhalle, gefunden in der «Bauzeitung» von 1908.
In dieser Publikation erfährt man auch, dass beim Bau die im Bahnhofsgebiet bekannten Probleme mit dem labilen Baugrund auftraten. Es musste gepfählt werden. Besonders gut geschützt wurden die Tresorräume im Untergeschoss: «Die für die Bank und für das Publikum bestimmten Aufbewahrungsräume für Wertsachen im Untergeschoss sind sorgfältig gesichert durch Einlegen von gehärteten Stahlschienen in die Betonmauern. Böden und Decken sind durch ein dichtes Netz von Stahlschienen gegen Einbruch und Einsturz besonders geschützt. Vom unteren Kellergeschoss ausgehende Kontrollgänge trennen diese Räume von den nicht armierten Räumen.» Noch heute sind mindestens Teile der Tresorräume erhalten.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Liegenschaft von der damaligen Bankgesellschaft übernommen – der heutigen UBS. Im Jahr darauf, 1946, kaufte die damalige Bodensee-Toggenburgbahn (die heutige Südostbahn, SOB) das Gebäude – das inzwischen längst unter Denkmalschutz steht. Die Bahngesellschaft richtete ihre Büros und ihr eigenes Auskunfts- und Reisebüro ein. Sie teilte die ehemalige Bankschalterhalle mit dem Verkehrsbüro, der Touristeninformation.
1982 wurde das Haus aussen renoviert. Innen wurde die Halle mehrfach umgestaltet, zuletzt 1990 durch den St.Galler Architekten Bruno Bossart. Er baute im hinteren Teil des ursprünglich durchgängig sechs Meter hohen Raumes eine Galerie ein, auf der jetzt Tische stehen. Die prägenden Jugendstilelemente sind erhalten und Maillarts Betonstützen prägen auch heute den Raum – nur statt dass daneben keine Banknoten mehr ausgegeben, sondern vegetarische Gerichte geschöpft werden.
Der Blick von der Kornhausstrasse Richtung Rathaus und Bahnhof.
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