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Innensicht: Barista im Ex-Polizeiposten

Bemerkenswerte historische oder heutige Restaurant-Interieurs in der Stadt St.Gallen stellt die Rubrik «Innensicht» vor, eine Kooperation der Heimatschutz-Sektion St.Gallen/Appenzell I.Rh. mit Saiten. Heute: Kaffeehaus.
Von  Gastbeitrag

Der hohe Raum des Kaffeehauses im Linsebühl verbreitet auch mit seiner schlicht-modernen Bar viel Jugendstil-Atmosphäre. Tische und Stühle – etwas zusammengewürfelt – stammen aus der Zeit. Auch die neue Türe und die Fenster zeigen historisch korrekte Einteilungen. Barista und Betreiber Gallus Hufenus hatte immer wieder beim Liegenschaftenamt der Stadt «g’stürmt», damit der neue Anstrich, die Türe und die Fenster so nah wie möglich an den Originalzustand des Hauses herangeführt würden.

Kaffeehaus, Linsebühlstrasse 77,
071 534 34 24, kaffeehaus.sg

Das Original allerdings ist – vor allem aussen – leider längst verloren. Betrachtet man die Baupläne von 1898, zeigt sich im Entwurf von Stadtbaumeister Albert Pfeifer ein reich dekoriertes Haus, mit Ornamenten über den Fenstern, einem geschwungenen Giebel samt Reiter-Malereien. Wann dem Haus diese Pracht abhanden kam, ist im Bauarchiv nicht zu finden. Klar aber ist: Es war ein Prestigebau für die Postfiliale und den Quartierpolizeiposten Linsebühl. Der Historiker Peter Röllin hat herausgefunden, dass es sich hier um den ersten Eisenbetonbau der Stadt handelt. 

Wo heute Kaffee getrunken wird, waren ursprünglich der Polizeiposten, daran anschliessend ein «Schlaflokal» und weiter hinten im Raum zwei Arrestzellen und der «Holzraum». Diese schmalen Räume erkennt man noch an den Fenstern. Die Polizei zog 1932 aus, und fast genau hundert Jahre nach dem Bau, 1997, wurden die Zwischenwände des Postens herausgerissen. Die St.Galler Architekten-Zwillinge Kuster und Kuster legten damals die Gusseisenstützen frei, die früher wohl in den Zwischenwänden versteckt waren. Zuerst zog ein Sportartikel-Geschäft ein, und seit 2010 wird hier nun Kaffee geröstet und gebraut, Zeitung gelesen, es finden Kulturveranstaltungen statt und es wird viel diskutiert – ganz wie im klassischen Kaffeehaus.

 

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Josef Eberhard,  

Geschätzte Menschen am anderen Ende dieses Drahtes. Die Geschichte über das Kaffeehaus hat mein Herz höher schlagen lassen, mieten wir doch auch einen ehemaligen Polizeiposten. 2007 habe ich diesen schlummerden Posten per Zufall gefunden. Damals war ich noch Polizist und habe alles in Bewegung gesetzt, diese Räumlichkeiten zu übernehmen und ein kleines Museum einzurichten. Inzwischen haben wir eine IG mit 5 Personen gegründet und den Posten wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Das Herzstück des Museums sind die vier gut erhaltenen Zellen. Besucher fragen mich immer wieder, warum diese so gut erhalten sind. Meine Antwort lautet, weil die Polizisten damals so gut waren, dass bei der Verhaftung ein Auge zugedrückt haben. Anderen erkläre ich, dass die Polizei so gut für Ruhe und Ordnung gesorgt hat, dass es nur brave Menschen gab... Freundliche Grüsse Josef Eberhard

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