2014 wurde die «Fête de Lion» zum 25. Geburtstag des Gare de Lion mit den Worten «Gut gebrüllt, Löwe! 25 Jahre Kultur beim Wiler Silo» ins Leben gerufen. Der Silo, ein unübersehbarer Betonturm beim Bahnhof Wil, mimt dabei die Kulisse und verleiht dem Festival, zusammen mit den Geleisen auf dem Gelände, eine urbane Note.
Musikalisch versprechen die Veranstalter ein «Festival für Musikliebhaber» und holen dafür 14 Acts nach Wil, also gleich viele wie vor zwei Jahren, aber verteilt auf zwei Tage. Gestartet wird am Freitag mit einer «Electronic Warmup-Party» mit lokalen Grössen.
Der Samstag ist für die Konzerte reserviert. Mit Weval wird ein Duo die Bühne betreten, das mit atmosphärischen Synthie- Hooks und treibenden Clubbeats aufwartet. Ähnlich glatt, aber anders wird es mit Panda Lux, Xul Zolar und Mynth.
Erstere, die mit ihren neuen Songs der EP Zoo im Vergleich zu ihren bisherigen Produktionen viel Frische zeigen (liegt es daran, dass sie nicht mehr bei einem Label unter Vertrag stehen?), stellen sich mit ihren improvisierten Einlagen jeweils gleich selbst unter Beweis, und zweitere, eine vierköpfige Band aus Köln, werden mal melancholisch, mal zart den Betonturm in einen flauschigen Pappkarton verwandeln.
Auf die dritten, die Zwillinge aus Wien, deren neuestes Werk Echo an Ätna erinnert, aber weniger jazzig und dafür umso souliger wirkt, kann man ebenso gespannt sein wie auf Dachs. Zweifelsohne werden die zwei St.Galler mit dem Selecta Automat ordentlich Lokalkolorit auf die Bühne bringen und dem Publikum ein klangvolles Colafröschli servieren.
3. und 4. August, Gare de Lion in Wil fetedelion.ch
Sorgloser und mit dem Debutalbum Auf Entspannt im Gepäck, das es auf Platz sechs der Deutschen Album-Charts geschafft hat, kommt Estikay daher. In den Tracks des Hamburgers mit Ringen an den Fingern und Kettchen um den Hals geht es – nein, nicht nur um Kodein – um junge Frauen, Bitcoins und um gebrochenes Deutsch. Ebenfalls aus Hamburg: Kettcar, die nicht wie Tides of Man aus Florida gänzlich auf Gesang verzichten.
Eine Formation, die sich so gar nicht in die bisher genannten Bands einordnen lässt, nennt sich Šuma Čovjek und verschmilzt genüsslich Elemente aus Polka, Brass und Balkan-Beats. Zu guter Letzt wäre da noch eine Band, deren Name spätestens seit den unzähligen britischen Award-Nominationen ein Begriff ist: Wolf Alice.
Alles in allem ein solides Programm. Was enttäuscht, ist die magere Anzahl von Frauen auf der Bühne. Gerade mal zwei schaffen es dieses Jahr ans «Fête de Lion». Und so ist es denn auch die charismatische Ellie Rowsell von Wolf Alice, die dem Festival diesbezüglich aus der Gendermisere hilft.
Wenn sich das Festival als qualitativer «Fixstern» in der Schweizer Festivallandschaft etablieren will, sollten die Veranstalter in den nächsten Jahren noch einiges an weiblichem Potential ins Musikprogramm bringen. Das wird schon!
SommerheftDieser Beitrag erschien im von Saiten.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
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Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
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Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.
Das Kunstzeughaus Rapperswil-Jona zeigt seit dem 26. April die aktuelle Sammlungsausstellung «wohin – woher – womit». Mitgestaltet von Menschen aus der Region untersucht sie, wie Teilhabe in Museen künftig aussehen kann.
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Filmfestival in Frauenfeld
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In diesem Jahr feiert St.Gallen den 1100. Todestag Wiboradas. Obwohl die Inklusin einen grossen Einfluss auf die Stadt hatte, ist sie den wenigsten ein Begriff. Das soll sich ändern. Wie dies gelingen soll und welche Bedeutung Wiborada heute noch hat, erzählen Jolanda Schärli und Hildegard Aepli vom Verein Wiborada-Jubiläum 2026 sowie Karin K. Bühler von der feministischen Bibliothek Wyborada im Gespräch mit Saiten.
Doppeltes Jubiläum: Im Mai jährt sich das Martyrium der St.Galler Stadtheiligen Wiborada zum 1100. Mal. Und der Verein Wyborada, der 1987 die gleichnamige feministische Bibliothek eröffnete, feiert sein 40-Jahr-Jubiläum. Ausserdem im Mai-Heft: Das Gespräch zwischen Florian Vetsch und dem St.Galler Autor Christoph Keller über dessen neuen Roman.
Abbau von über 46 Vollzeitstellen in der Verwaltung, Schliessung des Volksbades, zusätzliche Blitzer für die Stadtpolizei: Mit solchen Massnahmen will die St.Galler Stadtregierung bis 2029 das jährliche Loch in der Stadtkasse um 17,1 Millionen Franken reduzieren.
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Pure Zeitverschwendung oder endlich mal eine Pause im durchgetakteten Rhythmus der Tage? Drei Performer:innen nähern sich dem Phänomen des Wartens künstlerisch-wissenschaftlich an.
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Pankraz Vorster war der letzte Fürstabt von St.Gallen. Sein Tagebuch liefert wertvolle Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das Stiftsarchiv St.Gallen hat die Handschrift als Edition veröffentlicht und vergangenen Mittwoch einen Einblick gegeben.
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