Outdoor-Theater lebt von der Landschaft, die Kulisse und Atmosphäre quasi gratis mitliefert – allerdings um den Preis, dass man als Veranstalter:in den Blick dauernd zum Himmel lenken muss und der Inszenierungsaufwand beträchtlich ist. Möglich, dass der Klimawandel mit seinen trockenen Sommern dem Genre nützt.
«Mein Herz schlägt fürs Draussenspielen», sagt Franziska «Ziska» Schiltknecht. Das sei ihr im Lauf ihres Musikerinnenlebens immer klarer geworden – und mit der Erfahrung der Pandemie habe sich dies noch verstärkt.
2019 hatte sie ihre letzte grosse Produktion mit dem Titel Celebrao herausgebracht, bis im Januar 2020 konnten 15 Vorstellungen gespielt werden, die geplante Tournee ein halbes Jahr später fiel dann aber Corona zum Opfer. «Wir hätten unbedingt noch spielen wollen», sagt die in Trogen lebende Sängerin. Der positive Effekt aber: Corona verschaffte dem Ensemble Luft; am ersten der geplanten Tourwochenenden entstand der erste Song für das nächste Programm.
Franziska Schiltknecht. (Bilder: Lucia Gerhardt)
Draussen spielen: Damit fühlt sich Schiltknecht nicht nur in Sachen Pandemie auf der sicheren Seite. Die enge Verbindung zur Natur, das Eingebundensein in die ganze Schöpfung ist ihr Lebenselixier, und davon erzählen ihre Lieder ohne Worte.
«Pack den Moment!»
Am Anfang steht für Schiltknecht das Entdecken der eigenen Stimme, eine Arbeit, die sie auch mit Einzelsessions, Kursen und Ausbildungen unter dem Titel «Stimmenfeuer» vermittelt. Für viele Menschen sei die eigene (Sing-)Stimme angstbesetzt, sie trauten ihr wenig zu. «Megatraurig» findet sie das und ist überzeugt: Die eigene Stimme zu entdecken und zu öffnen, ist eine Art Friedensarbeit.
Stimmenfeuer: Danza
8. und 9. Juli Landsgemeindeplatz Trogen, 14. bis 16. Juli Lattich St.Gallen, danach bis 13. August in Zürich, Eigenthal LU, Emmenbrücke, Biel, Bern und Basel
stimmenfeuer.ch
Da geht es rasch ins Grundsätzliche: «Geh für deine eigene Lust, finde deine Stimme, pack den Moment mit dir und denen, die da sind.» Im Tanz, im Singen Gemeinsamkeit zu feiern: Wie zentral das ist, sei ihr noch einmal in aller Eindringlichkeit bewusst geworden bei der Abdankungsfeier für Thomas Troxler, 2021 in einem Waldstück auf dem Gäbris. Schlagzeuger Troxler hatte bei Celebrao mitgewirkt, sein früher Tod war auch für das Projekt ein Riss. Und dort auf dem Gäbris habe es ihr quasi aus jedem Baum entgegengerufen: Feiert das Leben, solange ihr lebt.
Danza kündigt sich, wie bereits Celebrao, als Bühnen-Konzert an. Neben Schiltknecht sind mit Instrumenten und Stimme Kontrabassistin Stefanie Hess, Cellistin Sara Käser und Schlagzeugerin Annie Mumford dabei. Im Zentrum stehen die Songs, die das Ensemble aus Improvisationen entwickelt und in einem intensiven Prozess des Verdichtens in die endgültige Bühnenform gebracht hat. «Danza singt, umschmeichelt, heult, packt und entschleunigt», verspricht Schiltknecht.
Sara Käser, Franziska Schiltknecht, Stefanie Hess.
Parallel zur szenischen Premiere erscheint das gleichnamige Album, dessen Songtitel andeuten, was das Publikum beim Hören und Sehen dann mit eigenen Assoziationen füllen kann: Spauz heisst es da, Rudel oder Flickflauder. Wiederum spielen neben der Musik Masken eine wichtige Rolle, geschaffen von Miria Germano. Und das reale Feuer zum «Stimmenfeuer» steuert Nicolas Zogg bei.
Unterwegs mit der Perle
Für das neue Programm hat sich Schiltknecht den alten Zirkustraum vom eigenen fahrenden Theater erfüllt: «Perla volante» nennt sich das Gefährt, mit dem das Ensemble im Sommer durch die Lande zieht. Es macht die Produktion etwas unabhängiger vom Wetter – die Musikerinnen und die Technik zumindest sind geschützt. «Die Perla volante knüpft an die Tradition von anno dazumal an, als Kräuterärzte und Naturheilpraktiker mit Ross und Wagen von Dorfplatz zu Dorfplatz reisten. Auch wir bringen ‘Medizin’ in die Dörfer und Städte: schimmernde Perlen der Musikmedizin», heisst es auf dem Flyer zu Danza.
Am 8. Juli startet die gesundheitsfördernde «Perle» in Trogen auf dem Landsgemeindeplatz, danach geht es bis Mitte August nach St.Gallen, Zürich, in die Innerschweiz, nach Biel, Bern und Basel.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
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