Der «Schalter» im ehemaligen italienischen Konsulat, den Saiten jeden Monat allein oder mit anderen zusammen eröffnet, ist ein kleiner Bastard. Mal ist er Kunstplattform, mal Ort für An- und Einsichten, mal Bühne für grossgedachte Projekte. Und immer auch ein Gefäss für allerlei Geplauder.
Auch thematisch war bisher einiges los am Schalter: Den Anfang im Februar machte Hans Schweizer mit seiner «Initial-Kunst», im März berichtete Cenk Akdoganbulut von seiner Untersuchung des Überfremdungsdiskurses in der Schweiz zwischen 1970 und 2000, im April richtete der Fotograf Daniel Ammann einen Selfie-Automat ein, im Mai war das Medienprojekt «Republik» Schalter-Gast und im Juni Andrea Scheck und Franziska Ryser, zwei junge St.Galler Politikerinnen.
Die Sommerpause war kurz, bereits am Donnerstagabend geht der nächste Schalter auf. Zu Gast sein wird einer, der in St.Gallen aufgewachsen ist, der Rotmonten Philadelphia vorzieht, die Multergasse der Shopping Arena, das Bermuda Dreieck dem Elephant und Jack Stoiker dem Stahlberger. Und er setzt sich lieber ins Mühleggbähnli als dass er in die Weihern hinaufläuft.
Man könnte noch hinzufügen, dass besagte Person die letzten zwölf Jahre weit weg war, aber dieser Tipp würde das «Rätsel» noch einfacher machen als es ohnehin ist. Richtig, Tranquillo Barnetta kommt zu Besuch, seit Anfang Jahr wieder Mittelfeldspieler beim FCSG. Und er bringt seinen Vater mit, der ebenfalls Tranquillo heisst, den aber alle nur Willo nennen.
21. Mai 2017 im Kybunpark: Barnettas Jubel am Super League-Meisterschaftsspiel zwischen dem FCSG und den Grasshoppers.
Auf Einladung von Saiten und dem OK der Fusballlichtspiele St.Gallen werden Quillo und Willo, die beide den italienischen und den Schweizer Pass haben, von ihren Erinnerungen ans ehemalige italienische Konsulat berichten. Wie war die Atmosphäre in diesem stolzen Haus früher? Was wissen sie über die legendären Feste im grossen Saal, über die Menschen damals hinter den Schaltern?
Am Schalter im August: Zweimal Tranquillo.3. August, 19 Uhr, Nextex im Konsulat an der Frongartenstrasse 9, St.Gallen
Selbstverständlich wird auch das Thema Fussball nicht zu kurz kommen. Unter anderem wollen wir wissen, wie es für Quillo früher war, als aufstrebender Fussballer in St.Gallen und später in Leverkusen oder bei Schalke. Oder ganz früher beim FC Rotmonten. Und wie man sich so fühlt als Papa eines jungen Talents, das mit 19 in die Welt hinauszieht, um Profi zu werden.
Nach dem Gespräch mit den beiden Tranquillos und einer kleinen Fragerunde im Anschluss werden im Nextex Kurzfilme rund ums Thema Fussball gezeigt, ausgewählt und präsentiert vom OK der Fussballlichtspiele. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?