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Rituale und Bänke

Das alle zwei Jahre stattfindende Festival Tanzplan Ost bringt diesen Herbst zum fünften Mal zeitgenössischen Tanz auf acht Ostschweizer Bühnen. Nach dem Start in Glarus und Liechtenstein wird dieses Wochenende in der St.Galler Lokremise der Tanzteppich ausgerollt.
Von  Peter Surber
Fabrice Mazliah: Probenbild zu «In Act and Thought», dem Choreografieprojekt des diesjährigen Tanzplans. (Bild: Mai-Thu Diserens)

2010 hat das Festival seine Premiere erlebt. Künstlerisch wie kulturpolitisch wurde damals Neuland beschritten: Erstmals spannten alle Ostschweizer Kantone zusammen, um die damals eher vernachlässigte Sparte Tanz zu fördern. Inzwischen ist das biennale Festival bei seiner fünften Ausgabe angekommen; eine bemerkenswerte Kontinuität für die «flüchtigste aller Künste», wie man den Tanz gern umschreibt – und eine Bestätigung, dass kulturpolitisch auch in der Ostschweiz grosse Würfe möglich sind, wenn wie hier die Kantone ihre föderalistische Grenzgläubigkeit für einmal vergessen.

Nah beim Publikum

Unter dem diesjährigen Thema «Na(c)haltigkeit» hat die künstlerische Leiterin Simone Truong ein Festivalprogramm konzipiert, das einen Querschnitt durch die aktuellen Bewegungen des zeitgenössischen Tanzgeschehens zu ziehen verspricht. Die «Nähe» bezieht sich dabei auf die regionale Verankerung – der Start etwa geschah im Freien beim Gasthaus Richisau in Glarus, wo eine der fünf eingeladenen Kompanien, Krizaj / Wehrli / Gisler ihre Nature Poetry performten.

Tumbleweed (Angela Rabaglio, Micaël Florentz): «The Gyre». (Bild: Flurin Bertschinger)

Nächste Station war Anfang Oktober der Gasometer in Triesen FL, und vom 26. bis 28. Oktober ist jetzt die Lokremise St.Gallen an der Reihe. Dort wird zudem der mit 5000 Franken dotierte Förderpreis für Choreografie verliehen an die Kompanie HorizonVertical und ihr Stück Nacht­feder.

Nach einem Abstecher nach Herisau zieht der TanzPlan im November weiter nach Chur, Zürich, Steckborn und schliesslich in die Ziegelhütte Appenzell.

Tanzplan Ost
26. – 28. Oktober Lokremise St.Gallen
28. Oktober Tanzraum Herisau
3./4. November Theater Chur
9. – 11.November Tanzhaus Zürich
15. November Phönix Theater Steckborn
17. November Ziegelhütte Appenzell

tanzplan-ost.ch

Das künstlerische Programm spannt weite, auch internationale Bögen. Tumbleweed ist eine belgisch-schweizerische Kompanie, gegründet von der Schweizer Choreographin und Tänzerin Angela Rabaglio und dem französischen Choreographen, Tänzer und Musiker Micaël Florentz. Archaik verspricht das Projekt von Robert Steijn und Geraldine Chollet: Die Tänzerin und der Tänzer, beide mit Faible für Rituale und Mystisches, teilten während ihren Recherchebegegnungen ihre Tiertänze – Steijn hat den Deer- und den Snake-Dance entwickelt, Geraldine Chollet hat sich gemäss Programm unter anderem von der «Reine des vaches» inspirieren lassen, der Königin der Kühe.

Fabrice Mazliah: «In Act and Thought», das Choreografieprojekt des diesjährigen Tanzplans. (Bild: Mai-Thu Diserens)

Ein Projekt eigens für den Tanzplan erarbeitet der Tänzer und Choreograf Fabrice Mazliah mit seinem Ensemble: In Act and Thought – Six potentialities for TanzPlan Ost. Mit dabei im diesjährigen Tanzplan ist zudem die St.Galler Truppe House of Pain mit ihrem Stück Mother is the be(a)st.

Ein Meer aus Tanzenden

Der Tanzplan 2018 setzt über die Stücke hinaus auf lokale Botschafterinnen. Sie haben sich im Vorfeld mit einer Kompanie persönlich beschäftigt und führen am Festival selber mittels einer Videobotschaft in das entsprechende Stück ein. Im Thurgau ist es die Wissenschaftsillustratorin Livia Enderli, im Appenzellerland Kate und Caro Baur, Tänzerin und Künstlerin, und in St.Gallen Susanne Menzi-Frank, Vorstandsmitglied der organisierenden IG Tanz.

Das Drumherum um die Aufführungen ist auch sonst vielfältig: Intensiv-Workshops für Profis gehören dazu, eine offene Probe, Diskussionen oder Suppen aus Foodwaste, womit das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit auch kulinarisch eingelöst wird. In Steckborn leitet das Duo Tumbleweed am 11. November einen Flashmob an. Entstehen soll ein «kollektiver Begegnungsmoment»: Paare kommen zusammen und formen ein Meer aus schwankenden «Schaukeln», das sich dann in gemeinsames Tanzen auflöst. Mittun können Menschen jeglichen Alters und Geschlechts mit ein bisschen körperlicher Fitness (Infos und Anmeldung unter cietumbleweed@gmail.com).

Und schliesslich «The bench»: Jessica Huber und Ramin Mosayebi suchen gemeinsam mit dem Publikum Plätze, auf die eine Bank hingehören würde oder könnte. Die Bänke werden gleich selber mit hergestellt – das Ganze findet laut Ankündigung «im Appenzell» statt, jenem Ortsnamen-Unding, das es nicht gibt. Kleiner sprachlicher Fehltritt im Tanzplan; gemeint ist Appenzell selber, das Dorf.

 

 

 

 

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