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Sonja Lüthi: «Nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt»

Am 24. September wählt St.Gallen den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Stadtrat Nino Cozzio. Saiten hat drei der fünf Kandidierenden getroffen, jeweils an einem Ort ihrer Wahl in der Stadt. Sonja Lüthi von den Grünliberalen wählte Dreilinden.
Von  Andreas Kneubühler , 
Sonja Lüthi, fotografiert von Ladina Bischof.

Es ist ein heisser Sommertag, Treffpunkt sind die Weiern und dort das Restaurant Dreilinden. Sonja Lüthi kommt mit dem Elektrovelo. Ihre Wahl des urbanen Lieblingsortes hätte auch auf den Marktplatz fallen können, erzählt sie. Doch dann entschied sie sich für den Aussichtspunkt im grünen Ring mit Blick über die Stadt – und auf die Solaranlage auf dem Olma-Dach, die sie mit der Solargenossenschaft initiiert hat.

Das Gespräch mit Saiten findet in der Woche nach den Sommerferien statt. Der Wahlkampf hat eben erst begonnen, unter anderem mit einem Podium der FDP. Dort gab es zwar viel Publikum, aber keine Mikrofone. Vor allem der CVP-Bewerber mit der lauten Stimme hatte damit keine Probleme. «Kein optimaler Start», findet die Kandidatin der Grünliberalen.

Sonja Lüthi, aufgewachsen mit drei Brüdern im ländlichen Aargau, kam über ein Geografie- und Französisch-Studium in Fribourg in die Stadt St.Gallen – wegen des HSG-Instituts für Wirtschaft und Ökologie. Dort doktorierte sie mit einer Arbeit über eine wirksame Förderpolitik für erneuerbare Energien. Ein Thema, dem sie seither treu geblieben ist.

Nach mehreren Jahren bei der kantonalen Energiefachstelle arbeitet sie nun beim LV-St.Gallen. Dort wird eine neue Abteilung «Farmenergie» aufgebaut, die Lüthi leitet. Angeboten wird Beratung für Landwirte und Eigenheimbesitzer. Der Fokus liegt auf Energieeffzienz und Solaranlagen, Thema sind auch kleine Biogas- und Windanlagen.

Sonja Lüthi ist 36-jährig, verheiratet, hat eine eineinhalbjährige Tochter und arbeitet mit einem Pensum von 80 Prozent. Dazu kommen ehrenamtliche Tätigkeiten, etwa für die Genossenschaft Denkbar, «die unter anderem eine Plattform für – aber nicht nur – Frauenprojekte ist», wie sie erklärt. Aktiv ist sie auch bei der Solargenossenschaft oder dem Solarkino. Woher kommt der politische Ehrgeiz? Ihre Grundmotivation sei die Gestaltung von Rahmenbedingungen für eine Wirtschaft, die nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt funktioniere, erklärt sie.

Wie andere Parlamentarierinnen und Parlamentarier, deren Hauptberuf nicht die Politik ist, wirkt sie in einigen Themen sattelfest – und in anderen weniger. Lüthi hat unter anderem Vorstösse zu Versicherungsfragen bei Spitälern, zur Kinderbetreuung und zu Verkehrsfragen eingereicht. Ihr Schwerpunkt ist aber die Energiepolitik.

Warum ist sie damit nicht bei den Grünen gelandet? Sie sei jemand, der sich für den Ausgleich einsetze, der Kompromisse finden wolle, begründet sie.

Drei Jahre lang sass sie für die GLP im Stadtparlament und trat dort kurz vor der Geburt ihrer Tochter zurück. 2015 rutschte sie nach einem Rücktritt in den Kantonsrat nach. Beim Rechtsruck der Wahlen vom Februar 2016 wurde sie als noch eine von zwei GLP- Mitgliedern bestätigt. Im Kantonsrat sind die Machtverhältnisse mit der rechtsbürgerlichen Mehrheit von FDP und SVP klar. Mit im Boot ist oft auch die CVP-GLP-Fraktion. Aus der SP heisst es, dass es bei Vorstössen zu sozialen Themen kaum Unterstützung von Lüthi gebe – im Gegensatz zu deren Vorgängerin auf dem GLP-Sitz.

Sie kennt diesen Vorwurf, findet aber auch nach einigem Überlegen keine klaren Belege dafür – oder dagegen. Es gebe allerdings innerhalb der CVP-GLP-Fraktion «viel Übereinstimmung».

Als der Kantonsrat im März 2016 in der Schlussabstimmung das Klanghaus versenkte, gehörte Lüthi wie der Rest der damals noch bestehenden BDP-GLP-Fraktion zu den wenigen Klanghaus-Gegnern ausserhalb der SVP.

Das Projekt sei nicht dort gewesen, wo es sein sollte, und Regierungsrat Klöti habe die Kritik daran nicht aufgenommen, begründete sie die damalige Haltung der Fraktion, begrüsst nun aber, dass es bald einen zweiten Anlauf für das Klanghaus geben wird.

In nächster Zeit will sie sich – wohl zusammen mit der SP – im Kantonsrat gegen das Aus für die Projekt-Werkstatt im Güterbahnhofareal wehren. Ein solches Angebot könne nicht in einem Submissionsverfahren beurteilt werden, argumentiert sie. Im nächsten Jahr müsse das Motivationssemester eine ähnliche Ausschreibung überstehen, falls es nicht rechtzeitig Gegensteuer gebe.

Am 24. September ist Wahltag. Auf offziellen Support aus den bürgerlichen Reihen kann Sonja Lüthi kaum bauen. Sie hofft trotzdem auch auf Stimmen ausserhalb des links-grünen Lagers – vor allem von bürgerlichen Frauen. Erstes Ziel ist nun ein zweiter Wahlgang. Dann werden die Karten neu gemischt. «Es wäre Zeit für eine zweite Frau im St.Galler Stadtrat», sagt sie.

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

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Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

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Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

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Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

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Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2