Die Wortwahl und der Gestus sind eindeutig, an diesem Freitag kurz nach zwölf, als Heinz-Christian Strache seinen Rücktritt erklärt. Das Treffen auf Ibiza mit einer vorgeblichen russischen Oligarchen-Nichte, die in Österreich grosses Geld investieren will und dafür politische Gegenleistungen erwartet, welche Strache und sein Spezi Johann Gudenus ihr denn auch frischfröhlich versprechen: Dieses Treffen sei eine «b’soffne G’schicht» gewesen, in Ferienlaune halt, peinlich, katastrophal, «Machogebaren», wie ein Teenager habe er sich verhalten. Und Strache entschuldigt sich – aber nicht beim Volk, sondern bei seiner Frau.
Illegales Schlag auf Schlag
Von Unrechts- oder Schuldbewusstsein keine Spur. Der Rest der Rede zielt auf die Erfolge der anderthalb Jahre dauernden Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen – und auf das, was nach seiner Ansicht einzig strafrechtlich relevant sei: die «Lockvogel»-Methode, die klandestine Videoaufnahme eines «privaten» Treffens. Die Täter werde er mit allen Mitteln verfolgen, verspricht Strache und schwadroniert von ausländischen Geheimdiensten und einem «politischen Attentat».
Strache (vorn) und Gudenus in der Villa auf Ibiza. (Bild: Der Spiegel/SZ)
Vorerst aber hat das vom «Spiegel» und der «Süddeutschen Zeitung» öffentlich gemachte Video Strache selbst zu Fall gebracht. Tatsächlich steckt, wenn auch vielleicht nicht strafrechtlich, so doch politisch skandalöses Material genug in dem siebenstündigen Treffen auf Ibiza. Für die Viertelmilliarde Dollar, die angeblich aus Russland fliessen würde, bieten Strache und Gudenus zum Beispiel an, die Kronen-Zeitung, Österreichs auflagenstärkste Zeitung, an die Russen zu verschachern. Oder der Baufirma Strabag die Staatsaufträge zu entziehen und den Russen zuzuhalten. Oder die Casinos, oder das «weisse Gold» des Landes, die Wasserrechte, zu verdealen.
Fliessen soll das Geld an die Partei über eine «gemeinnützige Stiftung» und damit unter Umgehung des Rechnungshofs – ob ein solches skandalöses Vehikel bereits existiert und schon den letzten Wahlkampf illegal mitfinanziert hat, wie dies Strache im Video andeutet, ist eine der Fragen, die sich Österreich jetzt stellt. Die angeblichen, von Strache dank reichlich Wodka namentlich genannten Geldgeber haben sofort dementiert.
Hier mehr zum Video:
Hört man sich das Ganze an, ist es mehr als «übel», wie der ORF-Experte im Studio verniedlichend sagte. Nämlich ein Indikator dafür, wie Europas Rechte funktioniert. Strache nennt unverblümt den ungarischen Neodiktator Orban als Vorbild, der die Medienfreiheit praktisch ausgeschaltet hat im Land. Und er prahlt damit, dank den russischen Dollars werde es die FPÖ «auf 34 und nicht bloss auf 27 Prozent» der Wählerstimmen schaffen (mit 33 Prozent ist Hitler 1932 an die Macht gekommen).
Staatsverrat als Kavaliersdelikt
Aufschlussreich und lehrreich an der dreckigen Geschichte ist: Medien, Staatsaufträge, Mehrheiten, die Handlungsfelder der Politik überhaupt werden in diesem Milieu behandelt wie private Besitztümer, die man je nach Opportunität verkaufen, verdealen, verschachern kann. Und wenns schief geht, entschuldigt man sich – bei der Ehefrau und der Familie. Staatsverrat als Kavaliersdelikt: Die lieben Angehörigen werden es verzeihen. Das Volk hoffentlich nicht.
Wer auch immer die versteckten Kameras installiert und das Video den Zeitungshäusern zugespielt hat – gut an dem Ganzen ist am Ende wenigstens die Tatsache, dass Medien Wirkung haben, wenn sie den Mächtigen auf die Finger schauen.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.