«Kätzchen vermisst»: So sieht das Plakat auf den ersten Blick aus. Es geht aber, auf den zweiten Blick, nicht um entlaufene Viecher, sondern um die fehlende Jugend in der St.Galler Exekutive: «Der Stadtrat St.Gallen vermisst dringend sein einziges Mitglied unter 45!» Sein Name, laut Plakat: Andri Bösch, seine besonderen Kennzeichen: «ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und viele radikale Visionen für eine lebendige und soziale Stadt».
Falls man seinerseits «den Wunsch nach einem autofreien St.Gallen ohne Wegweisungen und mit Platz für alle» habe und den Gesuchten auf dem Wahlzettel für den 24. September entdecke, solle man ihn wählen, schliesst der Plakataufruf. Und nicht zu vergessen: der vermisste Andri sei stubenrein.
Juristisch nicht ganz stubenrein ist allerdings die Aktion selber. «Wildes» Plakatieren ist in der Stadt nicht erlaubt. Die Plakate tauchten immerhin nicht an privaten Objekten auf, sondern auf quasi öffentlichem Raum: an Bushaltestellen, Stromkästen und ähnlichem. Und so rasch wie sie offensichtlich geklebt worden waren, so schnell waren viele am Morgen auch wieder weg.
Der «Vermisste», Juso-Kandidat Andri Bösch, ist als Auskunftsperson auf dem Plakat genannt. Er sieht das Thema grundsätzlich: «Wer Geld hat, kann sich Öffentlichkeit kaufen.» CVP-Kandidat Boris Tschirky sei auf Werbeflächen der Plakatgesellschaft APG omnipräsent – wer hingegen nicht über entsprechende Mittel verfüge, sei davon ausgeschlossen, sich öffentlich präsentieren zu können. «Die, die kein Geld haben, haben keine Stimme.»
Die Stadt müsste deshalb Plakatflächen paritätisch für alle Kandidierenden zur Verfügung stellen, fordert Bösch. Seine Partei habe kein Geld für bezahlten Plakatplatz – deshalb sei die anonyme, aber über die sozialen Medien propagierte Aktion, Plakate auszudrucken und privat zu kleben, zu begrüssen.
2015/16 hatte der Fall der Kundgebung «Smash Little-WEF» gegen das HSG-Symposium Aufsehen erregt, für die im Vorfeld plakatiert worden war. Der als Veranstalter genannte Tim Rüdiger musste sich dafür vor Kreisgericht verantworten wegen unbewilligter Plakatierung, inklusive anderthalbtausend Franken Busse für die Entfernung der Plakate und Reinigungsarbeiten. Rüdiger wurde schliesslich freigesprochen, weil ihm keine Straftat zu Last gelegt werden konnte.
Die Demonstranten argumentierten damals ähnlich demokratiepolitisch wie heute Bösch: dass durch ein solches Verbot «Personen, die gerade auf solche öffentlichen Versammlungen besonders angewiesen sind, da sie nicht über die Mittel verfügen, um mit teuren Werbekampagnen auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, die Wahrnehmung ihrer Freiheitsrechte verwehrt» würden. «Das bürgerliche Versprechen, dass in der heutigen Demokratie alle gleichermassen ihre Meinung äussern können, verkommt im Kapitalismus mit seinen Eigentums- und Machtverhältnissen zur Farce.»
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.