Denn du bist wild wie die Wellen des Meeres: So ist das neue Romanprojekt von Anna Stern (mit bürgerlichem Namen Anna Bischofberger) betitelt. Einen Ausschnitt daraus wird man Anfang Juli in Klagenfurt zu hören bekommen. Der Text, der 2019 im Salis Verlag erscheinen soll, hat die Jurorin Hildegard Elisabeth Keller überzeugt – sie hat Anna Stern zur Teilnahme eingeladen, neben einer zweiten jungen Schweizer Autorin, Martina Clavadetscher aus der Innerschweiz.
Anna Stern. (Bild: Gianni Bombèn)
Die Konkurrenz sind 12 weitere Autorinnen und Autoren, neun aus Deutschland, eine aus Österreich, ausserdem Özlem Özgül Dündar, in Solingen aufgewachsene Türkin, und Tanja Maljartschuk, die 2011 aus der Ukraine nach Wien gekommen ist und seit 2014 in deutscher Sprache schreibt.
Vor laufenden Kameras
In der Mehrzahl wenig bekannte, zu entdeckende Namen: Das ist ein Markenzeichen des Klagenfurter Wettbewerbs. Um die fünf Preise, darunter den zum 42. Mal vergebenen Ingeborg-Bachmann-Preis, wird traditionellerweise vor laufenden Kameras gelesen. Über das umstrittene Format des «Wettlesens» hat sich Jurorin Hildegard Elisabeth Keller vor einem Jahren aus Anlass des Literaturfestivals Wortlaut in Saiten pointiert positiv geäussert: «Literatur ins Leben zu bringen: Damit das erfolgreich ist, muss man die Arme weit öffnen. Das Festival Wortlaut vertritt einen weiten Literaturbegriff. Und es ist damit nicht allein. Klagenfurt etwa ist offener geworden, more inclusive, wie es in Amerika hiesse», sagte sie.
42. Tage der deutschsprachigen Literatur: 4. bis 8. Juli 2018, Klagenfurt
bachmannpreis.orf.at
Events statt «stille Literatur»? Keller sieht das Ganze entspannt: «Werden junge Autoren auf die Bühne gezerrt, nur weil sie hübsch sind? Wird Zweitrangiges aufgemotzt? Sind es Texte, die nichts wären ohne die Performance und den Apéro? Da gibt es sicher Auswüchse, aber die gab es immer. Und was literarisch nicht standhält, was nicht empfunden ist, was keine Kraft hat und nur Pose ist, das geht wieder unter.»
Produktive Autorin
Anna Stern, geboren 1990 in Rorschach, wohnhaft in Zürich, Doktorandin am Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich, ist 2014 mit dem Debütroman Schneestill bekannt geworden. 2016 erschien die Kriminalgeschichte Der Gutachter, 2017 folgte der Erzählband Beim Auftauchen der Himmel bei lectorbooks. Vor einem Jahr hat Anna Stern für das Saitenheft über Rorschach die Erzählung S’isch Rorschach geschrieben.
Werkbeiträge des Kantons St.Gallen, Verleihung: Montag, 18. Juni, Pfalzkeller
Überzeugt hat der geplante Roman Denn du bist wild wie die Wellen des Meeres auch die Jury der kantonalen Werkbeiträge: Anna Stern erhält vom Kanton St.Gallen eine von insgesamt 16 Auszeichnungen. In der Literatursparte gehört neben ihr Christoph Keller mit dem Romanprojekt Osten zu den Auserwählten. Die weiteren Preisträger sind:
Angewandte Kunst/Design: Gaffa (Dario Forlin, Wanja Harb, Linus Lutz, Lucian Kunz), St.Gallen; Andreas Bechtiger, St.Gallen; Christa Bösch/Ottolinger, Stein SG Bildende Kunst: Regula Engeler, Gais; Georg Gatsas, Schlieren; Ilona Ruegg, Zürich; Urs August Steiner, Zürich Geschichte und Gedächtnis: Florian Bachmann, Zürich; Marina Widmer, St.Gallen Musik: Vanessa Engensperger alias Skiba Shapiro, St.Gallen; Stefan Baumann, Teufen Theater/Tanz: Livia Rita Heim, Nesslau
Einen Aufenthalt in Rom erhält Annina Arter (Zürich, angewandte Kunst/Design), ein Stipendium für Berlin geht an den Musiker Thomas Kuratli (Paris).
Mit «Kosovë is everywhere» hat das 10. Wortlaut-Literaturfestival mit der Eröffnung am Freitag im St.Galler Waaghaus deutlich markiert: Das Wort ist laut, welthaltig und vom Rhythmus getrieben.
Gleich zwei Romandebüts von Ostschweizerinnen innert weniger Wochen und ein (fast) gemeinsamer Auftritt am Wortlaut-Festival: Mit Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt betreten zwei junge Autorinnen mit Ambitionen die Bühne.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.