Vor einem Jahr war das pandemische Zittern und Bangen stärker als jetzt. Immerhin fanden fünf der geplanten sechs Konzerte damals statt, aber per Livestream ohne Live-Publikum. Dieses Angebot sei von vielen Musikfreund:innen «als ein ausserordentliches Ereignis in einer Art Kultur-Leere wahrgenommen wurde», hiess es im Abschlussbericht von Alte Musik St.Gallen (AMSG).
Darüber hinaus habe man dank Streaming viel Publikum dazugewonnen: schätzungsweise 3000 Personen hätten sich eingeklinkt. «In den kommenden Jahren ist zu überlegen, ob man zusätzlich zum Präsenz-Betrieb einige der Veranstaltungen gleichzeitig im Live-Stream anbietet, so dass die grosse Reichweite erhalten bleiben kann», bilanzierten die Veranstalter damals.
Violinistin und Dirigentin Leily Schayegh. (Bild: pd)
2022 wird also hybrid, zumindest teilweise. Zwei der Konzerte werden zusätzlich gestreamt. Am 13. Februar erklingen in St.Mangen unter dem schönen Titel «So werden wir sein wie die Träumenden» geistliche Kantaten des Frühbarock, mit einem Solistenquartett und dem Consortium Instrumentale unter Leitung von Michael Wersin.
Und am 20. Februar gastiert das fantastische Basler Barockorchester La Cetra mit Leila Schayegh als Solistin und Violinkonzerten von Leclair und Corelli in St.Laurenzen.
Alte Musik St.Gallen: 6. Februar bis 6. März, St.Mangen und St. Laurenzen St.Gallen
amsg.ch
Ein weiterer Höhepunkt, aber «nur» live und nicht gestreamt zu erleben, dürfte gleich der Zyklus-Auftakt vom 6. Februar sein: Die legendären Tallis Scholars unter Leitung von Peter Philipps singen Polyphonie der Renaissance von Thomas Tallis, Josquin Desprez, Heinrich Isaac oder Giovanni Pierluigi da Palestrina, ergänzt um englische Komponisten des 20. Jahrhunderts. «Licht aus himmlischen Sphären» heisst das Motto hier.
Zwei weitere Konzerte stehen unter Leitung des künstlerischen Leiters Michael Wersin und der Organistin Verena Förster, die ebenfalls zum Kernteam des Zyklus gehört: zum einen italienische Kantaten von Händel, Vivaldi und anderen mit der Sopranistin Francesca Cassinari (19. Februar), zum andern Werke des süddeutschen Hochbarock von Muffat, Froberger oder Biber (27. Februar). Den Abschluss macht der bereits 2021 geplante Kurs samt Konzert des Organisten Lorenzo Ghielmi zu den norddeutschen Vorbildern Bachs.
Wie bei AMSG die Regel, finden die Konzerte bei freiem Eintritt mit Kollekte statt. Möglich macht dies die Dietschweiler Stiftung, die den Anlass finanziert.
Am 14. September findet in der Lokremise und in der Kirche St.Leonhard zum ersten Mal die Chornacht St.Gallen statt. Elf Chöre stimmen ein und hoffen auf offene Ohren. Am Mittwoch wurde das Projekt vorgestellt. V
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
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Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.