Nach dem Hitzesommer im vergangenen Jahr sprach Saiten in der Rubrik «Redeplatz» im September mit Manolito Steffen, dem Aktivisten der Jungen Grünen. «Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen», sagte er damals. Und Verantwortung übernahm er: Nach der abgeschlossenen Berufslehre war er einer der prägenden Köpfe der Kampagne für die Zersiedelungsinitiative.
Dieser Kampf ging zwar verloren, doch Manolito engagiert sich weiter – nun als Community-Manager bei Pink Cross, dem Schweizer Dachverband der schwulen und bi Männer*. Er will auch das Leben für die jungen Ostschweizer Queers in Fahrt bringen.
René Hornung: Manolito, was tut ein Community-Manager?
Manolito Steffen: Ich habe diese Berufsbezeichnung auch zum ersten Mal in der Ausschreibung von Pink Cross gesehen. Hauptsächlich bin ich für den direkten Draht zur Community verantwortlich. So betreue ich zum Beispiel die Kommunikation auf Social Media und organisiere Anlässe und Events.
Du arbeitest seit Anfang März bei Pink Cross. Bist du schon mittendrin im Thema?
Ich bin gut und schnell gestartet. Im gemeinsamen Büro von Pink Cross, der Lesbenorganisation LOS und TGNS (Transgender Network Switzerland) in Bern herrscht eine coole Atmosphäre. Das Team hat mich super aufgenommen. Und ich war ja schon vorher mit den Themen vertraut.
Du warst in St.Gallen schon vorher als Aktivist der Jungen Grünen bekannt und hast für die Initiative gegen die Zersiedelung gekämpft. Nützen dir diese Erfahrungen jetzt auch in schwulen Themen?
Ich habe ein breites Interessenspektrum und engagiere mich gerne und vielseitig für gesellschaftliche Themen. Unter anderem bin ich Co-Präsident der Jungen Grünen des Kantons St.Gallen, im Vorstand der Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht Ostschweiz und in der Klimastreikbewegung aktiv. All diese Erfahrungen nützen natürlich auch im neuen Job.
Wie bist du überhaupt auf diesen Weg gekommen?
Ich bin schon mit 15 den Jungen Grünen beigetreten. Und ab 16 oder 17 war mir klar, dass ich nicht hetero bin, sondern irgend etwas zwischen bisexuell, pansexuell und manchmal auch klar schwul – das habe ich dann auch ausgelebt und damit nie Probleme gehabt.
Du hast eine Berufsausbildung als Chemie- und Pharmatechnologe absolviert. Bist du dort nie angeeckt?
Nach der Sekundarschule stand zwar die Kanti zur Diskussion, aber ich hatte keine Lust mehr auf Schule. Selber hatte ich in der Berufslehre nie Probleme und wurde nie persönlich diskriminiert. Ich habe auch eine dicke Haut und kann gut wegstecken. Aber klar: Es gibt nach wie vor viel zu viele diskriminierende Sprüche – überall.
Jetzt hast du den Beruf an den Nagel gehängt.
Nach dem Engagement für die Zersiedelungs-Initiative wollte ich in diesem Kampagnen-Bereich bleiben, deshalb bewarb ich mich bei Pink Cross. Den Dachverband kenne ich schon seit ich ungefähr 16 bin. Ich habe immer verfolgt, was Pink Cross macht.
Mit der Zersiedelungsinitiative seid ihr zwar gescheitert. Was sind deine Konsequenzen für die Pink-Cross-Arbeit?
Ich finde, wir haben die Kampagne für die Zersiedelungsinitiative gut gemeistert. Uns war von Anfang an klar, dass wir wohl nicht gewinnen können. Aber die Initiative hat viele sensibilisiert. Und was Kampagnen betrifft, wird es bei Pink Cross ähnlich laufen. Im November wird ja voraussichtlich und leider über die Antirassismus-Strafnorm abgestimmt. Pink Cross wird da eine sichtbare Kampagne führen und deutlich machen, aus welcher homophoben, rechten Ecke das Referendum kommt. Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten hinter uns steht und doch braucht es noch viel Erklärungs- und Überzeugungsarbeit. Wir werden da auch Emotionen ins Spiel bringen – ich hoffe zum Beispiel, dass der «Heiratsantrag» von Sven Epiney nachwirkt.
Damit Pink Cross gehört wird, müsst ihr auch laut sein…
…das werden wir auch sein. Aber Pink Cross hat eine sehr breite Mitgliedschaft mit grosser – auch politisch breiter – Diversität. Wir schauen drum darauf, dass wir diese verschiedenen Bedürfnisse und Erwartungen gut unter einen Hut bringen.
Blicken wir noch auf die Region Ostschweiz. Wie engagierst du dich in der hiesigen LGBTIQ*-Szene (LGBTIQ* steht für: Lesbian, Gay, Bi-, Trans-, Intersexuell und Queer. Der Stern schliesst alle übrigen Formen mit ein)?
Hier möchte ich vor allem für Jüngere eine bessere Vernetzung erreichen. Viele fahren heute nach Zürich oder Luzern um Gleichaltrige aus der Szene zu treffen. Und viele ziehen ganz früh von zu Hause aus, weil sie zu isoliert sind.
Wie stellst du dir die Vernetzung konkret vor?
Es braucht Botschafter, mit denen sich die Jugendlichen identifizieren können. Ich habe Kontakt mit der Gruppe Otherside, die sich jeden zweiten Dienstag in St.Gallen trifft. Ich möchte versuchen, gemeinsam ein Angebot weiter zu entwickeln und ein vielfältiges Angebot für die Community in der Ostschweiz aufbauen, die Vernetzung innerhalb der verschiedenen Gruppen stärken. Die Angebote und Veranstaltungen müssen sichtbar, koordiniert und gut zugänglich sein.
Ein junger Schwung also?
Ich hoffe. Bei Otherside gibt es schon einige junge Leute. Selber bin ich unter anderem in der landesweiten LGBTIQ*-Gruppe der Jungen Grünen aktiv. Auch bei anderen Jungparteien und Organisationen gibt es LGBTIQ*-Jugendliche und punktuell wird man sicher zusammenarbeiten können.
Eine persönliche Frage zum Schluss: Was, wenn du dich in jemanden verliebst, der politisch ganz wo anders steht?
Das ist schon vorgekommen. Klar gab es Meinungsverschiedenheiten, aber das war damals nicht zentral.
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