Das Gebäude ist bekannt in der Stadt St.Gallen und weit darüber hinaus: Die Lokremise, das grösste noch erhaltene Ringdepot der Schweiz, zwischen 1903 und 1911 erbaut und heute Kulturzentrum mit verschiedenen Sparten. Wenn von der Ausstrahlung der Kulturstadt St.Gallen die Rede ist, gilt die Lok jeweils als leuchtendes Beispiel.
Ausstellung bis 11. Januar 2019, Lokremise St.Gallen
lokremise.ch
2018, acht Jahre nach der Eröffnung als Kulturzentrum und aus Anlass des europäischen Jahres des Kulturerbes, wollte die Stiftung Lokremise nun ihr eigenes kulturelles Erbe würdigen, wie es im Flyer zur Vernissage der Fotoausstellung hiess. Gesucht waren «ästhetische, kunstvolle und überraschende Bilder der Lokremise». Gut vier dutzend Fotografinnen und Fotografen sind diesem Aufruf gefolgt und haben Serien von drei bis fünf Bildern eingereicht.
Damals und heute
Das Foyer der Kunstzone ist an diesem Nachmittag, wenige Tage nach der Vernissage, menschenleer. An der Wand auf der rechten Seite des Eingangs finden sich die Bilder der Gewinnerinnen und des Gewinners: Auf den ersten Platz gewählt wurde die Fotoserie von Daniela Siebrecht aus Frauenfeld. Ihre drei Bilder entstanden alle aus demselben Blickwinkel, nämlich jenem aus dem obersten Stock einer Wohnung in einem der Häuser an der St.Leonhardsstrasse 74, die später dem heute sichtbaren «St.Leopard»-Gebäude weichen mussten.
Rang eins: Daniela Siebrecht
Daraus lässt sich schon schliessen, was spätestens beim Betrachten der siegreichen Serie offensichtlich wird: Die Werke sind schon über zwanzig Jahre alt, geschossen zwischen 1991 und 1994. Kultur fand sich damals noch keine in der Lokremise, dafür aber Züge, die ins Ringdepot fuhren, und ein Areal Bahnhof Nord, welches noch gänzlich anders bebaut war und ohne Fachhochschule im Hintergrund.
Als Grund für die Auszeichnung nennt die siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz von Mirjam Hadorn, Geschäftsführerin der Stiftung Lokremise, die «spannende Wechselwirkung», welche die Bilder auslösten. Des weiteren erscheine die Serie wie eine Inszenierung des heutigen Alltags und unterstreiche die Lebendigkeit des Ortes. Die Jury zeichnet mit Siebrecht eine Gewinnerin aus, die mit Zeitzeugen aus der Vergangheit punktet. Die Bilder haben eine sehr ästhetische Wirkung, überraschend sind sie indessen nicht, dafür eine Hommage an die «alte» Lok und ihre einstige Funktion.
Im Spiegel, als Collage
Der zweite Platz geht an Benjamin Hanimann. Der junge Künstler aus St.Gallen reichte zwei Serien ein. Einerseits drei Bilder, welche die Lokremise aus einem Blickwinkel zusammen mit den Bahngleisen betrachten, andererseits zwei Fotografien, welche die Wahrnehmung des Innenhofs durch Spiegelungen verdoppeln. Hanimann schoss beide Serien mit einer analogen Spiegelreflexkamera. Speziell auch die Farbwahl: Alle Fotografien sind in Sepia gefertigt.
Rang zwei: Benjamin Hanimann
Auf dem dritten Platz finden sich die Bilder von Katia Rudnicki aus Staad. Die fünfteilige Serie eröffnet einen sehr vielfältigen Blick, alle Bilder rücken andere Teile der Lokremise in den Fokus. Auch farblich weisen die Fotografien ein klares Konzept auf, und hier setzen nach den Spiegelungen Hanimanns weitere Überraschungsmomente ein, beispielsweise bei einer Collage von Sujets, die sich nicht mehr einem bestimmten Ort des Kulturerbe-Baus zuordnen lässt.
Rang drei: Katia Rudnicki
Zusätzlich zu den ersten drei Plätzen erhielten Claudio Bäggli, Beat Belser und Daniela Eigenmann, Nathan Federer, Rita Kappenthuler, Markus Mosman sowie Dominik Sandrieser je einen Anerkennungspreis. Aus den Serien jener Kunstschaffender wählte die Jury sechs weitere Bilder aus, welche die Lokremise ebenfalls in teils ungewohnten Perspektiven zeigen.
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