2015 ist Jonas Knecht nach St.Gallen gewählt worden, als Mann aus der freien Szene und erster einheimischer Schauspieldirektor. Ein «Paukenschlag», kommentierte Saiten damals. Seine Anstellung wurde zweimal verlängert, zuletzt allerdings nur noch um ein Jahr bis zu diesem Sommer – eine Folge des neuen Führungsmodells von Konzert und Theater St.Gallen: Der neue Gesamtverantwortliche Direktor sollte freie Hand bei der Besetzung der Spartenleitung haben.
Zu Knechts Nachfolgerin hat der Verwaltungsrat im Mai 2022 die bisherige Hausregisseurin Barbara-David Brüesch gewählt. Was sie sich vorgenommen hat, war hier zu lesen – das Programm der kommenden Spielzeit ist noch nicht öffentlich.
«Grosse Experimentierlust»
«Das Spektrum seiner bisherigen Regiearbeiten ist geprägt von einer grossen Experimentierlust mit den theatralen Mitteln und reicht vom Schauspiel über spartenverbindende Hybride aus Tanz, Musik, Film und Sprechtheater bis hin zu performativen Projekten und Installationen im Grenzbereich von Theater, Konzert, Hörspiel und Performance», heisst es in der Medienmitteilung der Stadt Erlangen zur Wahl Knechts.
Das Theater St.Gallen seinerseits erinnert an die über 80 Produktionen, die Knecht in St.Gallen während sieben Jahren verantwortet hat, und schreibt weiter: «Mit der Lancierung des mobilen Spielorts in einem umgebauten Schiffs-Container unterstrich Knecht sein Anliegen, das Theater näher zu den Menschen zu bringen und unmittelbarer ins Alltagsleben zu integrieren. Projekte und Kooperationen wie das Schauspielstudio und der Dramenprozessor oder das Hausautor*innen-Modell Stücklabor bezeugen sein grosses Engagement für die Nachwuchsförderung im zeitgenössischen Theaterschaffen.»
Die Mitteilung des Theaters schliesst mit einem Dank an Jonas Knecht und den besten Wünschen «für seine künftige Tätigkeit in Bayern».
Jonas Knecht. (Bild: Tanja Dorendorf)
Saiten: Jonas Knecht, nach St.Gallen jetzt Erlangen. Mit welchen Gefühlen gehen Sie hier weg und dorthin?
Jonas Knecht: Es ist eine attraktive Aussicht, ich freue mich sehr. Das Theater Erlangen ist ein reines Schauspielhaus mit einem eigenen Ensemble und bespielt unter anderem das Markgrafentheater aus dem Jahr 1719, eines der ältesten Barocktheater Deutschlands. Erlangen ist eine spannende, lebendige Stadt mit einer grossen Uni, Siemens ist dort, sie zählt rund 110’000 Einwohner, liegt nahe Nürnberg, in drei Stunden mit direktem ICE ist man in Berlin, in etwa vier Stunden in St.Gallen.
Das Markgrafentheater Erlangen.
Mitten im Spinnennetz…
Die Stadt liegt zentral und ist gut angebunden. Mir scheint die Stelle zudem ideal als Start in der Funktion eines Intendanten. Das Haus hat rund 80 Mitarbeitende, es ist überblickbar, und ich will dort nicht zuletzt versuchen, auch Theaterleitung anders zu denken. Beispielsweise eine Hausautorin, ein Ausstatter, natürlich Dramaturginnen, ein Musiker, Vertreterinnen aus dem Ensemble, ein Hausregisseur, Spezialistinnen von aussen – sie alle sollen das Profil des Hauses prägen, zusammen Inhalte für einen Spielplan erarbeiten mit ihren ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Theater und die Welt.
Die Position heisst aber: Intendant.
Ja, es ist ein städtischer Betrieb, ich bin dort faktisch Amtsleiter des Theateramts. Ich sehe aber eine meiner Hauptaufgaben darin, dass das Team, das in Erlangen zusammenkommen wird, gut arbeiten kann. Theatermachen ist Teamarbeit, in allen Bereichen. Klar habe ich auch viele eigene Ideen, die ich umsetzen möchte, aber primär bin ich dazu da, ein Umfeld zu schaffen, in dem wir wertschätzend und respektvoll miteinander umgehen können, um so kreativ zu sein in allen Bereichen am Haus.
Das war wohl auch schon Ihr Anliegen als Schauspieldirektor hier in St.Gallen?
Ja, aber es ist hier nicht so einfach durchzusetzen. Unsere Arbeit im Schauspiel war sehr teamorientiert. Aber die Einbindung einer Sparte in den grossen Mehrspartenbetrieb mit seinem ganzen Produktionsapparat, der komplizierten Disposition: Das ist nicht so einfach. Ich bin zudem in St.Gallen in ein gemachtes Nest gekommen, was das angeht. In Erlangen fange ich frisch an mit ganz vielen Menschen. Das bietet die Chance, Dinge zu hinterfragen und komplett anders zu denken.
Die Intendanz in Erlangen beginnt 2024. Was machen Sie bis dahin?
Zuerst gehe ich nach Berlin, bin die nächste Spielzeit freischaffend, verbunden auch mit der Hoffnung, innezuhalten und ein paar Gänge zurückzuschalten. Ich werde aber in Innsbruck eine kleine Produktion machen, Die Bergbahn von Ödön von Horvath als Live-Hörspiel, und eine weitere Inszenierung ist in St.Gallen unter meiner Nachfolgerin Barbara-David Brüesch geplant. Und dann werde ich ganz viele Gespräche in Erlangen führen müssen, um die Menschen dort kennenzulernen und zu gucken, wie wir uns aufstellen und was zu verändern ist.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.