Michael Preuss, 20. März 2022 um 17:13 Uhr Sie schreiben es richtig, Herr Surber: "Denn alle Theatererfahrung zeigt: Neue Chefs wollen eine eigene Handschrift entwickeln – mit eigenem Personal." Dann geben wir Kulturfreunde doch die Zeit - Herrn Bogen und seinem Team, das sich jetzt bildet - ihre Handschrift für die neue Ära vorzustellen. Und ja, Florian Scheiber hat für das Orchester in ich glaube 17 oder 18 Jahren sehr viel geleistet. Wenn's am besten ist, soll man aufhören.
Sibel Araboga Wahidi, 13. März 2022 um 14:14 Uhr Sehr guter Artikel, Herr Surber, danke dafür. Es ist wirklich empörend. Ein Operndirektor und designierter "Generalintendant", der kaum in St. Gallen angekommen ist, der sich im Musikleben der Schweiz wenig auskennt, der hier gerade mal beginnt, eigenes Profil zu entwickeln, baut mit Rückendeckung des Verwaltungsrates die Struktur der Genossenschaft Konzert und Theater St. Gallen weitgehend um. Mitten in einem Europa überschattenden Krieg, in einer Zeit, in der mit den Folgen der Corona- Pandemie gekämpft wird und in der Oper, Theater und Tanz in einem Provisorium stattfinden. In der Fülle der vorhandenen Unwägbarkeiten erscheint das mutwillig und fahrlässig. Die nicht sonderlich originellen, wenig kulturspezifischen Schlagworte "Partizipation, Diversität und Nachhaltigkeit" werden mit der Entlassung von drei Spartendirektoren konterkariert. Die Rolle und Intention des Verwaltungsrates in dem ganzen Spiel ist mehr als undurchsichtig. Wo die künstlerischen Leitlinien und Ziele der organisatorischen Neuausrichtung liegen sollen, bleibt im Dunklen. Wird hier nicht das Ross von hinten aufgezäumt? Sollte nicht die geistig- kulturelle inhaltliche Weiterentwicklung und künstlerische Profilierung von Konzert und Theater St. Gallen im Fokus der Arbeit, der Ideengebungen des neuen "Superdirektors" stehen und der Verwaltungsrat diese flankieren? Der Strukturumbau der Genossenschaft Konzert und Theater St. Gallen lässt sich auch so lesen: Der zu begrüssenden Aufwertung der Tanzsparte und der Dramaturgie steht die erhebliche Schwächung der Position des Orchesters gegenüber. Warum wird die Stelle des Konzertdirektors gestrichen? Warum wird dem Orchester damit die Möglichkeit einer eigenständigen Entwicklung und Profilierung geraubt? Warum wird ihm ein arrivierter Orchesterfürsprecher auf Direktionsebene verweigert? Wer soll das Orchester weiterentwickeln, ihm neue Spielräume eröffnen und für es politisch einstehen? Wer soll in Konfliktfällen zwischen Orchester und Chefdirigent*in vermitteln? Wer soll die Auswahlverfahren für neue Orchestermitglieder und allfällige Neubesetzungen des Chefdirigent*innenpostens leiten? Wie soll ein Chefdirigent/ eine Chefdirigentin neben der Leitung des Orchesters noch die Funktion des Orchestermanagers/ der Orchestermanagerin übernehmen können? Jede/r weiss: Hervorragende Dirigent*innen sind in aller Regel nur teilzeitlich in der Region anwesend, haben meist mehrere Orchester etc. zu betreuen, sind weltweit tätig und verlassen ein Orchester nach einer, mitunter kurzen, Weile wieder. Wer sorgt für regionale Verankerung, Kontinuität und Langfristigkeit? Zudem ist gerade öffentlich geworden, dass Modestas Pitrenas, der jetzige und hoffentlich weitere 5 Jahre amtende Chefdirigent des Orchesters, sich nicht vorstellen kann, Konzertdirektor und Chefdirigent in Personalunion zu sein. Da stimmt doch etwas nicht. Das Sinfonieorchester St. Gallen und sein Publikum sollte sich mit aller Kraft gegen diese, es fundamental betreffenden, Pläne einsetzen! Mit dem Ende der Ära Werner Signer sind gewisse Umstrukturierungen naheliegend. Dass aber alles auf den Kopf gestellt wird, ist wenig schweizerisch. Ein bewährter, erfahrener, erfolgreicher, beliebter, zugewandter und zugänglicher Orchestermanager wird abserviert: Dass Florian Scheiber entlassen werden soll, der für das Orchester so viel erreicht hat und es in den Jahren seiner Tätigkeit beharrlich und konsensual auf ein hohes Spielniveau geführt hat, das weit über die Grenzen des Kantons St. Gallen, sogar der Schweiz hinaus wahrgenommen wird, ist ein Skandal und muss revidiert werden! Es verbreitet sich leider zunehmend auch in der Kultur ein kaltes, machtpolitisches, wirtschaftsaffines Denken. Neue Bosse tauschen gern ihr gesamtes Führungspersonal aus. Warum? Weil ihre Macht so konsolidiert wird, sie einstellen können, wer ihnen passt und sie sich der Dankbarkeit und Loyalität der dann eingestellten Führungskräfte sicher sein können. Erwächst daraus Frisches, Neues, Exzellentes? Der im Tagblatt- Interview behaupteten, begrifflich deplatziert wirkenden "künstlerischen Halbwertszeit" soll jedenfalls widersprochen sein: Mit Kunst, künstlerischen Prozessen und Kulturschaffenden ist es wie mit guten Weinen: Je länger sie reifen, desto besser werden sie.
Kurt Maetzler, 11. März 2022 um 11:10 Uhr Der künftige St. Galler Theaterdirektor Jan Henric Bogen wechselt das gesamte Direktorium aus. Jüngste Folge einer absurden Tragikomödie, die sich seit Monaten in der Stadt St. Gallen abspielt. Wie kann der noch Spartendirektor die ihm gleichgestellten Kollegen entlassen? Dies kann aktuell nur eine Aktion des Verwaltungsrates sein — eines Verwaltungsrates, der das Trauerspiel der Direktorenwahl dezidiert fortsetzt. Er missbraucht offensichtlich den noch relativ unerfahrenen Operndirektor, der nach einem teuren, zwecklosen Search zum Generaldirektor befördert wird, für völlig obskure Zwecke. Es ist genau dieser Verwaltungsrat, der sich nun selber entlassen sollte.