Im Sommer 2014 trimmen das «St.Galler Tagblatt» und seine Regionalausgaben ihren Mantelteil auf zwei Bünde, wenige Monate später führt die NZZ Mediengruppe ihre Regionaltöchter «St.Galler Tagblatt» und «Luzerner Zeitung» zu einem Geschäftsbereich zusammen, samt gemeinsamem Chef. Im Herbst 2016 erschienen alle Regionalzeitungen der NZZ-Mediengruppe erstmals in einem einheitlichen Layout, im Juli 2017 stellen «St.Galler Tagblatt» und «Luzerner Zeitung» samt Partnerzeitungen auf die Zweibund-Zeitung um und kommen seither im «gemeinsamen Mantel» daher; der erste Bund ist bis auf die Focus-Seite identisch und wird abwechselnd in Luzern und in St.Gallen produziert. Die Printausgabe der «Ostschweiz am Sonntag» wird per Ende Oktober 2017 eingestellt, kurz davor wird das Korrektorat der NZZ-Regionalmedien nach Bosnien outgesourced.
Im Dezember ist nun bekannt geworden: Das «St.Galler Tagblatt» und seine Lokalausgaben werden Teil eines neuen, riesigen Medienkonzerns. Die Besitzerin NZZ schliesst mit Peter Wanners AZ Medien ein Joint Venture – sofern dieses von der Wettbewerbskommission abgesegnet wird. Kommt das Joint Venture zustande, umfasst es rund 80 Medientitel und erreicht über zwei Millionen Leserinnen und Leser.
Derweil kauft Christoph Blocher sich weiter ein in die deutschschweizer Medienlandschaft; «seine» BAZ-Holding riss sich im vergangenen August den Wiler Gratiszeitungsverlag Zehnder unter den Nagel, der insgesamt 25 Titel zählt und an die 800’000 Leserinnen und Leser in der ländlichen Ost- und Zentralschweiz sowie den Kantonen Aargau, Solothurn, Bern und Zürich erreicht.
Und sonst so? Die Romandie ist quasi ausgehungert in Sachen Medienvielfalt und wird von Deutschschweizer Unternehmen beherrscht. Die grossen Player Tamedia, Ringier und NZZ machen jedes Jahr zwei- bis dreistellige Millionengewinne und beherrschen mittlerweile über 80 Prozent des deutschsprachigen Pressemarkts – während sie gleichzeitig ihr Kerngeschäft, den Journalismus, schröpfen. Und der Service public, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, wird kurzerhand grundsätzlich infrage gestellt: am 4. März wird darüber abgestimmt, ob die Billag-Gebühren abgeschafft werden sollen – was das Ende der SRG, so wie wir sie kennen, bedeuten würde.
Zurück in die Ostschweiz: Die St.Galler Regierung hat als Reaktion auf das Joint Venture wenige Stunden nach der Bekanntgabe ihre Besorgnis mitgeteilt und angekündigt, zu prüfen, «welche Massnahmen sie allenfalls im Bereich der kantonalen Medien- und Kommunikationspolitik treffen soll, um den regionalen Service Public im Medienbereich sicherzustellen». Saiten hat bei Regierungspräsident Fredy Fässler nachgefragt. Ausserdem haben wir Vincent Kaufmann, den Direktor des Instituts für Medien und Kommunikationsmanagement an der Universität St.Gallen, zum geplanten Joint Venture und der Zukunft der Regionalzeitungen befragt – zu finden in der Januarausgabe von Saiten.
Dienstag, 9. Januar, 20:15 Uhr : Finanzierungskrise und Medienkonzentration – Ein Blick auf die Medienlandschaft in der Schweiz 2018.
Kaspar Surber, Journalist bei der WOZ, bietet eine Einführung in die Medienökonomie, stellt die wichtigsten Akteure in der Schweiz und ihre Ziele vor und geht der Frage nach, wie sich Journalismus künftig finanzieren lässt.
Dienstag, 16. Januar, 20:15 Uhr Medientalk: Das «Tagblatt», Blochers Gratiszeitungen und die Nischen – wer hat noch eine Stimme in der Ostschweiz?
Welche Bedeutung kommt den kleineren Titeln wie Saiten oder der Schaffhauser AZ in dieser heiklen Situation zu? Der Medientalk mit Mario Stäheli (Geschäftsleiter St.Galler Nachrichten), Corinne Riedener (Redaktorin Saiten), Marlon Rusch (Co-Redaktionsleiter Schaffhauser AZ) und Stefan Schmid (Chefredaktor «St.Galler Tagblatt»).
Dienstag, 23. Januar, Tür 20:15 Uhr: Podiumsdiskussion: No-Billag – wie weiter mit dem öffentlichen Radio und Fernsehen?
Die No-Billag-Initiative ist eine der radikalsten seit langem. Sie fordert nichts weniger als die Abschaffung der öffentlichen Medien in der Schweiz. Soll tatsächlich jede und jeder nur für das bezahlen, was sie oder er konsumiert – oder wären die Folgen für die Qualität der Medien und die demokratische Debatte verheerend? Auch die Interessen der Befürworter, die es auf die Werbegelder der SRG und die politische Einflussnahme abgesehen haben, werden an diesem Podium diskutiert.
palace.sg
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller