Kategorie
Autor:innen
Jahr

Auf dem Weg zum Lattich-Bau

Heute Freitag abend startet das Zwischennutzungsprojekt Lattich im St.Galler Güterbahnhof in seine dritte Saison. Bis Oktober gibt es sozial und kulturell vielfältige Aktionen. Und Ende Jahr könnten die ersten Mieter im Lattich-Bau einziehen.
Von  Peter Surber

2016 und 2017 hat der Lattich bereits gewuchert; wenn heute Freitag ab 17 Uhr die Rolltore hochgehen, ist in der Halle und drumherum erneut Diverses zu erleben. Musiker Roman Rutishauser, der bereits seit letztem Jahr in seinem umgebauten «Container für Unerhörtes» arbeitet, leitet den ersten Auftritt von «Ein blauer, italienischer Sommerrock» mit, laut Ankündigung, «einem Mix aus Bluesrock und italienischen Canzoni». Der Spielweg wird eröffnet, im Flon-Container kann gemalt werden, Hannes Rutishauser öffnet seinen Werkstatt-Container, das Design-Kollektiv Altherr/Weiss bietet eine Licht-Aktion, und die Gastro rührt in den Töpfen.

(Bilder: lattich.ch)

Die neue Leiterin des Hallenprogramms, Nathalie Bösch, hatte bereits im April in Saiten «eine grosse Bandbreite von Veranstaltungen» versprochen und einige Neuerungen im Programm bekanntgegeben, darunter die Lattich-Sonntage mit Brunch (erstmals am 13. Mai) oder einen Flohmarkt (an Pfingsten).

Lattich-Saisonstart:
4. Mai ab 17 Uhr
Alle Infos hier.

Gabriela Falkner, Frau der ersten Stunde im Lattich-Projekt, ist wenige Stunden vor der Eröffnung begeistert über das engagierte und häufig ehrenamtliche «Wuchern» aller Beteiligten – beim Projekt Neue Gärten Ostschweiz des Heks, in den Containern des Flon und der Schule für Gestaltung, bei den musikalischen und handwerklichen Containerbetreibern und der Gastro unter der neue Leitung von Vanessa Borer. Auch Verknüpfungen mit dem Quartier gebe es mehr und mehr, zum Beispiel mit einem Gartenprojekt «über die Gleise». Die Halle ist nach einem Aufruf mit Stühlen und Bühnenelementen beschenkt worden, die Anfragen für Führungen oder Hallennutzung häuften sich und kämen mehr und mehr auch von ausserhalb der Stadt, sagt Gabriela Falkner.

Und die Container sind neuerdings «verdichtet» plaziert, auch ein Doppelstöcker ist darunter – eine Vorahnung des Lattich-Baus, der jetzt visiert wird.

Das Baugesuch ist eingereicht

Denn neben den Veranstaltungen rund um die Halle kommt dieses Jahr der Lattich-Bau in die entscheidende Phase.

«Das Güterbahnhofareal ist eines der letzten grösseren Entwicklungsgebiete in der Stadt St.Gallen. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und Stadtzentrum – und es ist heute stark unternutzt.» So steht es einleitend in der Machbarkeitsstudie, welche das Lattich-Konsortium Ende 2016 vorgelegt hat. Zwei Jahre später, Ende 2018 soll es mit der «Unternutzung» vorbei sein – dann könnten auf dem Areal die mobilen Holz-Module des Lattichbaus stehen. Und St.Gallen erhält, was Zürich (mit dem Basislager) oder Basel (mit der Rakete) schon haben: einen temporären Arbeitsort für die Kreativwirtschaft.

Vor rund drei Wochen haben die Initianten das Baugesuch eingereicht. Die Bewilligung könnte, «wenn alles nach Plan läuft», vor den Sommerferien da sein und im August mit dem Bau begonnen werden. Die Module werden bei Blumer Lehmann AG in Gossau vorgefertigt und könnten im Herbst innert zwei Wochen hochgezogen werden. Blumer Lehmann tritt nicht nur als Holzbauer, sondern auch als Hauptinvestor auf, der Bau wird vollständig privat finanziert, der Kanton lässt sich das auf zehn Jahre befristete Baurecht bezahlen.

«Brennpunkt der Kreativwirtschaft»

Dass das Areal wegen des geplanten, umstrittenen Autobahnanschlusses für die nächsten rund 15 Jahre brach liegt, sei «eine einmalige Chance für Zwischennutzungen», heisst es in der Studie. Um es zu beleben, sei ein «flexibles und experimentelles Denken» nötig. In ihrer Mitteilung zum Baugesuch bekräftigt die Regio Appenzell AR – St.Gallen – Bodensee als Mitträgerin des Projekts das Ziel, «einen sichtbaren Brennpunkt für die Kreativwirtschaft in der Ostschweiz» zu schaffen.

45 Module sind geplant, ausgestattet mit Heizung, Strom und Wasser. Als mögliche Mieter nennt die Regio «Kleinunternehmen aus den Bereichen Handwerk, Design, Kommunikation oder Architektur». Die einfache und damit zahlbare Bauweise komme der «preissensiblen» Zielgruppe entgegen, heisst es in der Studie – während der Baustandard für dauerhafte Gebäude in der Schweiz sonst nicht nur architektonisch, sondern auch vom Ausbau und der Infrastruktur her an Perfektion grenze, mit den entsprechenden Preisen.

Im künftigen Lattichbau beträgt die Miete pro Modul rund 500 Franken – eine Umfrage für die Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass die Mehrzahl der Befragten bereit wären, einen solchen Betrag zu zahlen. Man strebe «am Markt orientierte» Mieten an; für Künstlerateliers wäre der Ansatz wohl zu hoch; «Lattich ist kein Kulturförderprogramm», heisst es ausdrücklich.

 

 

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

Von  Roman Hertler
DSC2639

Lau­te Ein­sam­keit

Jo­nas Ul­rich taucht mit sei­nem ers­ten Spiel­film in die Black-Me­tal-Welt ab. Wol­ves ist ei­ne bild­star­ke Ge­schich­te über Ein­sam­keit und das Da­zu­ge­hö­ren, vol­ler Ge­gen­sät­ze und mit et­was holp­ri­gen Dia­lo­gen.

Von  Daria Frick
001 wolves

Das Ge­dächt­nis der Zu­kunft

St.Gal­len be­wahrt nicht mehr nur 1000-jäh­ri­ge Hand­schrif­ten. Mit dem In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht hier ein Ar­chiv für Web­sei­ten, künst­li­che In­tel­li­genz und das di­gi­ta­le Ge­dächt­nis der Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
2606 Internet Archive 01
Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch

Mit In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht in St.Gal­len ein Ab­le­ger des gröss­ten Ar­chivs für Web­si­ten und Künst­li­che In­tel­li­genz welt­weit. Aus­ser­dem im Ju­ni­heft: Män­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht, das gros­se St.Gal­ler 80er-Buch, das Ab­schieds­in­ter­view mit dem lang­jäh­ri­gen Kel­ler­büh­nen­chef und die Fla­schen­post aus Ve­ne­dig.

Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online

Ideen für die Zu­kunft

Wie wol­len wir künf­tig le­ben und un­se­re Nah­rungs­mit­tel pro­du­zie­ren? Die Aus­stel­lung «How goes To­mor­row» der Ost­schwei­zer Künst­le­rin Clau­de Büh­ler in der Shed­hal­le in Frau­en­feld sen­si­bi­li­siert für nach­hal­ti­ge Hand­lungs­stra­te­gien. 

Von  Vera Zatti
IMG 9114

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi