Die einen können nicht mehr. Haben genug vom Planen Umplanen Neuplanen Verschieben Umdenken Neudenken Nochmalneuplanen. «Die Mutmacherparolen kann ich langsam nicht mehr hören», sagt einer. Eine andere pendelt «zwischen mutlos und verzweifelt». Lieber ein kompletter Lockdown als die vor sich her geschobene Dauerunsicherheit, findet ein dritter. Für viele Kulturschaffende ist seit bald einem Jahr Licht aus. Man kann sie gut verstehen.
Die andern halten die Fahne hoch, feilen weiter an Projekten, entwickeln Auswege und digitale Varianten, wollen sich vom Virus nicht den Mumm nehmen lassen, glauben an die Chance, welche die Pandemie auftut: Kultur neu zu denken. Künstlerische Arbeit war seit jeher riskant, sagt einer. Kunstschaffende sind flexibel, wir haben uns schon immer mit jedem Projekt neu erfunden, findet jemand. Gerade jetzt braucht es uns erst recht, meint eine dritte. Man kann auch sie gut verstehen.
Aktion von Frank und Patrik Riklin an der Performance «Anwesenheit 2021» in der Grabenhalle St.Gallen.
Im Lockdown zwei ist die Lage der Kultur noch einmal härter geworden. Eindrücklich, einerseits, was «trotz allem» noch passiert. Die Streams der Alten Musik (mehr dazu im Februarheft von Saiten), zwar nicht live, aber für ein breiteres Publikum als im Konzertsaal. Die Solothurner Filmtage Ende Januar, online und damit ebenfalls zugänglicher. Die Ostschweizer «Kulturkosmonauten», die eine «Beamstation» eröffnen, einen neuen Planeten erobern und «The People Formerly Known as The Audience» kurzerhand zum Mitdenken einladen. Das Kollektiv, das in Biel einen Kunst-Blumenladen eröffnet. All die Bands, die statt auf die Bühne ins Studio gehen. Und so trotz Abwesenheit «Anwesenheit 2021» behaupten – so war die Performance im Januar in der St.Galler Grabenhalle betitelt, die 45 Profis alle Sparten coronakonform zusammenbrachte und jetzt zu einem Kurzfilm verarbeitet wird.
Die Pandemie als Demokratisierungschance der Kultur: Das könnte eine Zukunftsspur sein. Und andrerseits: die Pandemie als grosser Blocker. Das ist die Gegenwart für zahllose Akteure im Kulturbetrieb. Sie bräuchten, über Ausfalls- und Härtefallgelder hinaus, eine Perspektive.
«Wie gehts euch eigentlich?» Zoom-Forum der IG Kultur Ost: Freitag, 29. Januar, 19 Uhr
ig-kultur-ost.ch
«Wenn ich jetzt für Mai plane, werde ich ausgelacht», sagt eine Theaterfrau. Panik, Existenzangst und noch kein Licht am Ende des Tunnels: Das darf nicht zum Tabuthema dieser zweiten (und vielleicht bald dritten) Welle werden. Unter anderem deshalb organisiert die IG Kultur Ost diese Woche einen Erfahrungsaustausch für Kulturschaffende aller Sparten, Titel: «Wie gehts euch eigentlich?».
Die psychischen Folgen der Krise, nicht nur im Kulturbereich, müssen die Öffentlichkeit interessieren. Aber Öffentlichkeit ist das, was dem Virus gerade zum Opfer zu fallen droht. Jemand fragt: «Und wo bleibt der Aufschrei des Publikums?»
Dieser Beitrag erscheint im Februarheft von Saiten. Peter Surber war an der Organisation von «Anwesenheit 2021» mitbeteiligt.
Durch die steigenden Infektionszahlen ist auch im Arboner Presswerk der letzte Ton längst verhallt. Cyrill Stadler ist überzeugt, dass wir noch eine Weile mit dem Virus leben müssen und die Konzertbranche Lösungen braucht, damit umzugehen.
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.