Was darf es sein? Eine armenische Zucchettisuppe mit Kichererbsen? Eine Rote-Linsensuppe aus Aleppo mit Verjus? Ein marokkanischer Kalbseintopf mit scharfer Joghurt-Sosse? Oder eine Suppe mit Okraschoten?
Die Rezepte schmecken allein schon beim Lesen köstlich. Aber sie sind auch politisch gut gewürzt. Das Kochbuch, aus dem sie stammen, heisst Suppen für Syrien.
«Unsere Aufgabe besteht darin, gegen das Unrecht laut zu sprechen. Für die Freiheit der Völker zu stehen. Nicht mit Wenn und Aber. Jedes Volk hat das Recht auf Freiheit, auf Würde, auf Unabhängigkeit. Alle diese drei sollen Heiligtümer werden.» Das hat Rafik Schami in einem Interview zum Buch gesagt. Grosse Worte, aber leider Worte in den Wind gesprochen. Das weiss auch der syrisch-deutsche Autor, und er fügte denn auch bei: «Wir können nicht viel. Wir können nicht viel aktuell und sofort verändern. Unsere Wirkung, leider Gottes, ist langfristig.»
Rafik Schami hat die deutsche Ausgabe des Buchs mit herausgegeben. Für seine Sätze von der langfristigen Wirkung sind die Suppen ein schönes Symbol: das wärmende, verbindende, lang anhaltende Gericht, das es in aller Welt gibt. Schami erzählt im Vorwort von seiner Mutter, die immer etwas mehr als nötig gekocht habe, denn «vielleicht kommt ein Gast, der sich freut, wenn er mit uns essen kann». Und das sei in seiner Kindheit in Syrien meistens der Fall gewesen. Gastfreundschaft, diese schönste aller sozialen Erfindungen, sei nicht umsonst in der Wüste besonders gepflegt worden, wo jeder auf den andern angewiesen war.
Heute ist es mit der Gast- und anderen Freundschaften zumindest in den Kriegsregionen in Syrien vorbei. Und die Leidtragenden seien immer auch die Kinder, schreibt Barbara Abdeni Massaad, die Initiantin von Suppen für Syrien. Die Autorin (unter anderem von Kochbüchern) lebt in der Bekaa-Ebene im Libanon unweit eines Flüchtlingslagers und hat sich vom Leid der Flüchtlinge aufrütteln lassen. «Die Ausmasse dieser humanitären Katastrophe warfen mich vollkommen um. Warum hat sie keinen weltweiten Ruf nach Unterstützung und Hilfe aus aller Herren Länder ausgelöst? Warum hat die Welt die syrischen Flüchtlinge vergessen?»
Ihre Antwort: Sie hat 80 teils berühmte, teils unbekannte Köchinnen und Köche gebeten, Suppenrezepte beizusteuern zu einem Buch, dessen Erlös zu hundert Prozent der Hilfe an die syrischen Flüchtlinge zugute kommen soll.
Barbara Abdeni Massaad: Suppen für Syrien, 80 Rezepte aus aller Welt, Vorwort von Rafik Schami, Dumont Verlag Köln, Fr. 51.90
Das Ergebnis ist kulinarisch vielfältig, von einfachen Brühen bis zu zutatenreichen Linsen-, Gemüse-, Fisch- oder Hühnersuppen, und es ist grenzensprengend. Aus orientalischen Ländern, aus den USA, aus Frankreich, aus Deutschland kommen die Rezepte. Das Köchinnen-Netzwerk der Herausgeberin hat sein Zentrum im Libanon und anderen Mittelmeer-Ländern; es spannt sich aber auch weiter, von Alaska bis nach Australien. Die Kurzbiografien der Köchinnen und Köche lesen sich fast ebenso schillernd wie ihre Rezepte, und für einmal haben – auch wenn allerhand Meisterköche ihre Löffel mitschwingen – mehrheitlich die Frauen das Sagen.
Ergänzt wird das Buch durch Fotografien von Kindern im libanesischen Flüchtlingslager – berührende, aber etwas irritierend auf exotische Schönheit angelegte Bilder.
Wer gern kocht und noch lieber Gutes tut, soll das Buch kaufen. Und zwar im Buchladen zum vollen Ladenpreis. Dann kommt das Geld den Flüchtlingen aus Syrien und dem Buchhandel zugute.
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