Kategorie
Autor:innen
Jahr

Gemeinsam die Suppe auslöffeln

Büchergutschein gekriegt zu Weihnachten? Hier ein Tip, wie man ihn wieder loswerden kann, nahrhaft und nützlich: mit dem Buch «Suppen für Syrien».
Von  Peter Surber

Was darf es sein? Eine armenische Zucchettisuppe mit Kichererbsen? Eine Rote-Linsensuppe aus Aleppo mit Verjus? Ein marokkanischer Kalbseintopf mit scharfer Joghurt-Sosse? Oder eine Suppe mit Okraschoten?

Die Rezepte schmecken allein schon beim Lesen köstlich. Aber sie sind auch politisch gut gewürzt. Das Kochbuch, aus dem sie stammen, heisst Suppen für Syrien.

«Unsere Aufgabe besteht darin, gegen das Unrecht laut zu sprechen. Für die Freiheit der Völker zu stehen. Nicht mit Wenn und Aber. Jedes Volk hat das Recht auf Freiheit, auf Würde, auf Unabhängigkeit. Alle diese drei sollen Heiligtümer werden.» Das hat Rafik Schami in einem Interview zum Buch gesagt. Grosse Worte, aber leider Worte in den Wind gesprochen. Das weiss auch der syrisch-deutsche Autor, und er fügte denn auch bei: «Wir können nicht viel. Wir können nicht viel aktuell und sofort verändern. Unsere Wirkung, leider Gottes, ist langfristig.»

Rafik Schami hat die deutsche Ausgabe des Buchs mit herausgegeben. Für seine Sätze von der langfristigen Wirkung sind die Suppen ein schönes Symbol: das wärmende, verbindende, lang anhaltende Gericht, das es in aller Welt gibt. Schami erzählt im Vorwort von seiner Mutter, die immer etwas mehr als nötig gekocht habe, denn «vielleicht kommt ein Gast, der sich freut, wenn er mit  uns essen kann». Und das sei in seiner Kindheit in Syrien meistens der Fall gewesen. Gastfreundschaft, diese schönste aller sozialen Erfindungen, sei nicht umsonst in der Wüste besonders gepflegt worden, wo jeder auf den andern angewiesen war.

Heute ist es mit der Gast- und anderen Freundschaften zumindest in den Kriegsregionen in Syrien vorbei. Und die Leidtragenden seien immer auch die Kinder, schreibt Barbara Abdeni Massaad, die Initiantin von Suppen für Syrien. Die Autorin (unter anderem von Kochbüchern) lebt in der Bekaa-Ebene im Libanon unweit eines Flüchtlingslagers und hat sich vom Leid der Flüchtlinge aufrütteln lassen. «Die Ausmasse dieser humanitären Katastrophe warfen mich vollkommen um. Warum hat sie keinen weltweiten Ruf nach Unterstützung und Hilfe aus aller Herren Länder ausgelöst? Warum hat die Welt die syrischen Flüchtlinge vergessen?»

Ihre Antwort: Sie hat 80 teils berühmte, teils unbekannte Köchinnen und Köche gebeten, Suppenrezepte beizusteuern zu einem Buch, dessen Erlös zu hundert Prozent der Hilfe an die syrischen Flüchtlinge zugute kommen soll.

Barbara Abdeni Massaad: Suppen für Syrien, 80 Rezepte aus aller Welt, Vorwort von Rafik Schami, Dumont Verlag Köln, Fr. 51.90

Das Ergebnis ist kulinarisch vielfältig, von einfachen Brühen bis zu zutatenreichen Linsen-, Gemüse-, Fisch- oder Hühnersuppen, und es ist grenzensprengend. Aus orientalischen Ländern, aus den USA, aus Frankreich, aus Deutschland kommen die Rezepte. Das Köchinnen-Netzwerk der Herausgeberin hat sein Zentrum im Libanon und anderen Mittelmeer-Ländern; es spannt sich aber auch weiter, von Alaska bis nach Australien. Die Kurzbiografien der Köchinnen und Köche lesen sich fast ebenso schillernd wie ihre Rezepte, und für einmal haben – auch wenn allerhand Meisterköche ihre Löffel mitschwingen – mehrheitlich die Frauen das Sagen.

Ergänzt wird das Buch durch Fotografien von Kindern im libanesischen Flüchtlingslager – berührende, aber etwas irritierend auf exotische Schönheit angelegte Bilder.

Wer gern kocht und noch lieber Gutes tut, soll das Buch kaufen. Und zwar im Buchladen zum vollen Ladenpreis. Dann kommt das Geld den Flüchtlingen aus Syrien und dem Buchhandel zugute.

 

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Neue Eigenproduktion

Mit Walt Whit­man in die Zu­kunft 

Von  Vera Zatti
DB0 A7992

Tunneleröffnung

Von der Lok­re­mi­se zur Reit­hal­le gehts jetzt un­ten durch

Von  René Hornung
IMG 6792

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher