Kategorie
Autor:innen
Jahr

Make Feminism A Threat Again!

Zum 30. Jahrestag des Frauen*streiks 1991 protestierten gestern auch in St.Gallen mehrere hundert Menschen für eine queerfeministische Zukunft und gegen das festgefahrene patriarchale System. Miriam Rizvi war für Saiten dabei.
Von  Gastbeitrag

Frauenstreik 2021 in St.Gallen (Bild: Miriam Rizvi)

Drei Jahre nach dem starken Frauen*streik 2019 zeigt auch die queerfeministische Bewegung in St.Gallen, dass sie mit ihren Forderungen nicht nachlässt, bis die Geschlechtergerechtigkeit endlich hergestellt ist.

Nach einem ereignisreichen Aktionswochenende begann das Finale am Montagabend: Mehrere hundert Menschen zogen in einem Sternmarsch zur Schlusskundgebung auf den Marktplatz. Ein friedliches feministisches Fest, bei dem Familien, Jugendliche, ältere Frauen* und solidarische Männer* nebeneinander herliefen.

Um 19 Uhr füllte sich der Streikplatz mit Menschen, überall lilafarbene Kleidung, Transparente und gute Laune. Das Mutter-Tochter-Duo Alexandra Akeret und Léonie Schubiger leitete die Kundgebung ein, wies auf das Corona-Schutzkonzept hin und verkündete das diesjährige Frauen*streik-Motto: Vorwärts gegen den Rückschritt!

Auch Vadian weiss, wies läuft.

Was mit Rückschritt gemeint ist, verdeutlichten sechs Vorträge von Frauen* aus verschiedenen Ecken der queerfeministischen Revolution. Jana Menayo vom Frauen*haus St.Gallen etwa sprach über den Kampf gegen häusliche Gewalt, die im Zuge der Pandemie auf ein neues Niveau gestiegen ist. Das Thema sei hochaktuell, sagte sie, denn täglich gehen bei der Polizei in St.Gallen durchschnittlich drei Anrufe im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt ein.

Sonja Lavaca sprach darüber, wie sehr gehörlose Frauen* von patriarchalen Strukturen betroffen sind. Und machte Platz, als eine gehörlose Übersetzerin die Bühne betrat und mit ihren Händen und ihrer Mimik zum Publikum sprach.

Die nächste Rednerin trug ihre Botschaft in beschwingtem Rhythmus vor: I don’t care arbeit für deinen Alltagssexismus. Slampoetin Mia Akermann berichtete über ihre persönlichen Alltagserfahrungen in der patriarchalen Welt und erhielt lautstarke Zustimmung.

Auf Akermann folgte Jasmina Wehrli, angehende Gesundheitsfachfrau – ein Beruf, der momentan durch die Pandemie und als mehrheitlich weiblicher Beruf an der vordersten Front der kapitalistischen Ausbeutung der Carearbeit steht. Wehrli kritisierte heftig den symbolischen Applaus in der ersten Welle und hielt ihre Wut über die mangelnde politische Unterstützung des Gesundheitspersonals vor und während der Pandemie nicht zurück.

Die letzte Rede hielt Carmela Perroni, intersektionale Feminist*in und Juso aus dem Rheintal. Sie verknüpfte die verschiedenen Stränge der sozialen Gerechtigkeitskämpfe miteinander und betonte, wie wichtig es ist, dass die queerfeministische Bewegung auch Forderungen für Klimagerechtigkeit, gegen Transphobie, Rassismus, Antisemitismus und die ausbeuterische Natur des Kapitalismus beinhaltet.

Die offizielle Kundgebung schloss mit Musik von Melanie Danuser, bekannt durch ihre Arbeit als Teil des Duos Mischgewebe. Doch als sich die Marktgasse langsam zu leeren begann, ballte sich am Bärenplatz nochmals eine letzte laute Faust für eine queer-feministische Zukunft. Eine autonome Gruppe von rund 70 Aktivist*innen versammelte sich und bahnte sich ihren Weg durch die Altstadt, Parolen rufend, vereint hinter einem Transpi mit der Botschaft «Make Feminism A Threat Again».

Die Aktion verlief trotz ihrem lauten und kämpferischen Anspruch friedlich. Die Passant*innen reagierten unterschiedlich auf die Spontan-Demo, viele hoben solidarisch die Fäuste, aber auch kritische Blicke waren zu beobachten. Die Demo zog unbeirrt weiter durch die Gassen und wuchs sich zur Party aus. Bis in die Nacht hinein wurde gelacht und getanzt, womit der Frauen*streik 2021 langsam zu Ende ging.

In der gestern erschienenen Folge von «We Talk. Schweiz ungefiltert» blicken Hannan Salamat, Mandy Abou Shoak, Iman Ibragic, Monse Ortego und Karin Hasler zum einen auf 50 Jahre Frauen*stimmrecht in der Schweiz zurück und zum anderen auf das, was in der Schweiz in Bezug auf die Stellung der Frauen* noch passieren muss:

Mehr zu «We Talk. Schweiz ungefiltert»: hier.

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2