Aus Versehen landete ich letztens in Reykjavik, eine Woche lang war das auch ganz in Ordnung, einfach nur Kälte und Meer und Vulkanrauch, irgendwann fehlten mir einfach die Menschen. Es gibt ja Menschen in Island, etwa dreimal so viele wie in Winterthur, aber: Die Winterthurer:innen sind freundlicher.
Es war nicht so, dass die Isländer:innen unfreundlich zu mir waren, nein, sie sahen mir einfach nicht in die Augen, liessen mich vorbeiziehen wie verwehten Vulkanrauch, und ich war ein bisschen einsam. Ein paar schöne Dinge passierten mir trotzdem in diesem unverhofften Urlaub, und ich machte mit diesen schönen Dingen, was ich immer in den Ferien mache: Ich schrieb 22 Postkarten. Mit Stickern und Zeichnungen und manchmal im Couvert, damit noch ein verpackter Beutel Tee rein passte. Ferienpost ist meine Love Language, auch aus Ländern, deren Sprache ich so wenig verstehe, dass es gar nicht so einfach ist, die Post zu finden. Zum Beispiel aus Island.
Anna Rosenwasser, 1990, wohnt in Zürich und ist freischaffende Journalistin. (Illustration: Lukas Schneeberger)
An meinem letzten Ferientag in Reykjavik irrte ich also auf der Suche nach Briefmarken durch die Innenstadt, meine Kartenapp führte mich in einen Supermarkt, wo es angeblich eine Poststelle gab. Ich ging auf die junge Kassiererin zu und fragte auf Englisch nach Briefmarken und Postboxen. «Hier gibt es leider keine Briefmarken, aber im Buchladen am Ende dieser Strasse haben sie welche», antwortete sie mit leiser Stimme. Dann fügte sie an, mit einem Lächeln: «I like your jacket.»
Das war das Beste, was mir in meiner ganzen Woche in Island gesagt wurde. Nun gut, es wurde herzlich wenig mit mir gesprochen, aber trotzdem. Liebe Lesende, die Jacke, die ich an diesem Tag trug, war denkbar unspektakulär, eine helle Jeansjacke mit islandtauglichem dicken Innenfell, aber darum ging es nicht. An meiner Jacke war ein Pokéball-Button angesteckt, ein Pokéball in Regenbogenfarben, eine Art Pride-Button also. Ich kann euch versichern: Das war es, was die Kassiererin meinte. Nicht meine Jacke. Auch nicht den Pokéball. Sondern den Regenbogen. «Thanks. It likes you back», sagte ich, wir lachten, ich ging nach draussen und suchte den Buchladen.
Das mag jetzt ominös klingen, aber wir queeren Menschen pflegen manchmal gewisse Codes, um einander wissen zu lassen: Ich auch. An den Winterthurer Musikfestwochen hat mal eine meine Regenbogensocken komplimentiert (und mich später nach einem Date gefragt, hihi).
Darum sind solche Accessoires, zum Beispiel auch Sticker oder eben Pins, nicht immer nebensächlich. Nicht nur, weil sie potenziell als Partner:innenbörse fungieren, sondern vielmehr, um einander zu zeigen: Du bist nicht allein, ich gehör’ auch dazu, schön, gibts dich. Eine Art unaufgeregte Version von Welpen, die sich begegnen und sich Dinge sagen wie «DU BIST EIN HUND OMG ICH BIN AUCH EIN HUND WIE ABGEFAHREN JUHU JUHU HUND HUND HUND». Wir Queers machen das manchmal auch. Nur, dass wir halt Menschen sind. Die von anderen (Un-)Menschen ausgegrenzt und abgewertet werden. Da tut es manchmal gut, sich bei Mitmenschen aus der Community kurz zu erkennen zu geben. Hoi, schön hab ich dich gefunden.
Ich fand den Buchladen. Ging zur Kasse. Und ich schwöre bei allen Wikingergottheiten, da arbeitete eine Person mit regenbogenfarbenen Haaren. Ich bestellte bei ihr meine 22 Briefmarken und wollte gerade zum Kompliment ansetzen, da unterbrach sie mich. Sie sagte: «I like your jacket.»
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
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Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
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Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
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Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
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Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
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Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
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