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Vorhang auf für das Test-Theater

Es geht wieder los auf den Bühnen, auch in der Ostschweiz. Klein oder halbgross, drinnen oder openair starten zwischen Unterwasser, Gais, Rorschach, Hagenwil und St.Gallen die Veranstalter coronataugliche Programme – und üben ihre Schutzkonzepte.
Von  Peter Surber

Heute Dienstag 9. Juni um 12:12 Uhr fällt der erste «Schuss»: Dann findet auf der kleinen Bahnstation Rietli zwischen Gais und Altstätten die erste von zwölf musikalischen Begegnungen statt: «Low Noon» heisst das Projekt von Patrick Kessler, mehr dazu hier.

Ein paar Minuten später, um halb eins gilt auch auf dem Platz vor dem Stadthaus in der St.Galler Altstadt: «Bühne frei». Dann startet im Container des Theaters St.Gallen die erste «Fernweh»-Lesung des Schauspielensembles. Und einen Tag später greift im Zeltainer Unterwasser der Bluesgitarrist und -sänger Philipp Fankhauser in die Saiten. Die Kultur ist zurück – zumindest hier und da und dort.

Auf Distanz im Gewölbekeller

Bereits am Wochenende hat die Kellerbühne St.Gallen ihr Gewölbe freigegeben. Das Duo Kovacevic-Lenzin spielte zweimal, und Kellerbühnen-Leiter Matthias Peter war erleichtert: alles gut gegangen, mit den minutiös ausgetüftelten 40 Plätzen, die er im engen Kellerraum freigegeben hat, mit dem erweiterten Abstand zur Bühne, mit dem Verzicht auf Barbedienung, mit den Abstandsregeln beim Ein- und Ausgang.

Das Kellerbühnen-Programm bis Ende Juni: kellerbuehne.ch

16 Doppelplätze plus acht Einzelsitze: Damit ist die Kellerbühne zwar nur zu rund einem Drittel voll. Dennoch sollten sie und ihre kurzfristig eingeladenen Künstler so auch finanziell wenigstens knapp über die Runden kommen, sagt Peter. Die Reihe, die er nach dem Lockerungsentscheid des Bundesrats innert weniger Tage aus dem Ärmel geschüttelt hat, geht am Mittwoch und Freitag dieser Woche weiter mit der charismatischen Sängerin Irina Maria Garbini, am Samstag folgt das Theater am Tisch mit seinem Markus-Werner-Abend Zündels Abgang, weitere Musik- und Textprogramme schliessen sich an bis Ende Juni.

Ursprünglich hätte das traditionelle Kellerbühnen-«Heimspiel»-Programm am 6. Juni geendet – jetzt begann es genau an dem Tag und soll, so Peter, nicht nur den «ersten Hunger» beim Publikum wie bei den Künstlerinnen und Künstlern stillen, sondern im Hinblick auf die kommende Spielzeit auch Aufschluss geben über die Möglichkeiten, unter Coronabedingungen in der Kellerbühne Veranstaltungen durchzuführen.

Der Zeltainer öffnet sich – trotz allem

Diesen Ernstfall-Test macht auch Martin Sailer. In seinem Kleintheater Zeltainer in Unterwasser tritt am Mittwoch Gitarrist Philipp Fankhauser auf – nicht mit Band, sondern im Duo, und nicht vor 180 Zuhörerinnen und Zuhörern, die in normalen Zeiten das Zelt gefüllt hätten, sondern vor circa 120. Pro Besuchergruppe bleibt ein Platz leer, ebenso die ganze erste Reihe. Die Kontaktangaben hat Sailer von allen Gästen, weil er die Reservationen über seine eigene Adresse entgegennimmt. Einbahnverkehr, Notausgänge, Plexiglas an der Bar: Der Zeltainer ist bereit. «Fankhauser wird die Bewährungsprobe», sagt Sailer.

Dass sie gelingt, davon ist er überzeugt. Sailer betreibt den Zeltainer seit 2004, ihn bringt nicht so leicht etwas aus der Ruhe. Aber jetzt war er lange unsicher, wie und ob sein unkonventionelles Kleintheater diese Saison überhaupt in Gang kommen könne. Der geplante Start Mitte April fiel genau in die Corona-Sperrzeit. An den Aufbau von Zelt und Containern war nicht zu denken. Dann kamen die stufenweisen Lockerungen, schliesslich kam der 27. Mai und die erlösende Botschaft aus Bern: «Man kann wieder veranstalten.» Und dies erst noch für bis zu 300 Personen – eine gute Zahl, sagt Sailer.

Das Zeltainer-Programm im Sommer: zeltainer.ch

Finanziell sei die Lage allerdings nicht einfach. Der Barumsatz werde wohl einbrechen, und die Reservationen, die sonst nach der Publikation des Programms jeweils Schlag auf Schlag kommen, blieben im Lockdown fast komplett weg. Nach Fankhauser hofft Sailer auf Publikumsandrang auch bei den Anlässen mit etwas weniger prominenten Künstlern: Am 19. Juni ist Stand-up-Comedian Charles Nguela zu Gast im Toggenburg, einen Tag später «Gedankenjäger» Tobias Heinemann, am 27. Juni sind es mit dem Duo Max Lässer und Pedro Lenz dann wieder zwei «sichere Werte» – «und noch vorher hoffe ich auf den 24. Juni, wenn der Bundesrat eventuell weitere Lockerungen bekanntgibt», sagt Sailer.

Viele Termine im April und Mai hat Sailer bereits verschoben in den Herbst oder weiter hinaus. Gerade einmal zwei Auftritte hätten die Künstler von sich aus ganz abgesagt – und auch von Seiten des Publikums gab es wenige Ticketrückgaben. Support habe er auch vom Kanton bekommen – «man muss das Amt für Kultur loben», sagt Sailer.

Aus Veranstaltersicht sei die Unterstützung sehr gut gelaufen; politisch werde die Coronakrise aber sicher noch zu reden geben, fügt Sailer, jetzt als Kantonsrat an. Dass Künstlerinnen und Künstler teils via Erwerbsersatzordnung Taggelder von gerade einmal ein paar Franken und Rappen erhielten, sei eine Problematik, mit der man sich werde beschäftigen müssen.

Töne in der Kleberei, Spinne im Schlosshof, Kopfreisen im Container

Die Kleberei ab Juli: kleberei.ch

150 bis 200 Leute: Darauf hofft Richard Lehner für seine Anlässe. Auf dem Rorschacher Feldmühleareal organisiert Lehner erneut eine Zwischennutzung, diesmal unter dem Titel «Kleberei». Start ist im Juli. Dank dem «sensationellen Openair-Bereich» werde es bei schönem Wetter keine Abstandprobleme geben; in der Halle selber sind etwas weniger Plätze möglich. Das Programm, vorwiegend Konzerte, wollen die Veranstalter Ende dieser Woche bekanntgeben; bereits publik ist der Auftritt von Dachs und die Premiere der DVD-Version des Feldmühle-Films Fabrikleben von Felix Karrer.

Am heutigen 9. Juni startet der Vorverkauf für ein weiteres Sommerfestival in stimmungsvoller Openair-Kulisse: die Schlossfestspiele Hagenwil. Der künstlerische Leiter Florian Rexer inszeniert als Hauptstück Die schwarze Spinne, Premiere ist am 6. August. Was im Sommer sonst noch theatralisch und musikalisch in Gang kommt: Infos im Juli-August-Heft und laufend auf saiten.ch.

Schliesslich beginnt heute auch das Juniprogramm von Konzert und Theater St.Gallen. Schauspieler Matthias Albold macht im Container den Anfang mit einer Lesung aus amerikanischen Texten. Die Fernweh-Reihe des Theaters, genannt «Reisen im Kopf», findet jeweils am Mittag und manchmal ein zweites Mal abends um 18 Uhr statt. Der Container steht vor dem Stadthaus, vis-à-vis der Kathedrale.

Das Vorsommer-Programm von Konzert und Theater St.Gallen: theatersg.ch

Am 11. Juni nimmt zudem das musikalisch-theatralische Programm in der Stadtpark-Arena Fahrt auf, mit der ersten Serenade Brass im Park. Vom 20. Juni an gibt es Tanz in der Arena, am 24. hat die Salonoper Cendrillon der französischen Komponistin Pauline Viardot Premiere, und am 1. Juli heisst es zum ersten Mal 2 Meter Theater – ausgespu(c)kt. Das Coronaprogramm von Theater und Orchester im Container und in der Arena dauert bis zum 10. Juli. Alle Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt, für die Arena gibt es Zählkarten.

Eine Chance für das heimische Schaffen

Wer diesen Sommer Kultur betreibt, muss ein Schutzkonzept vorlegen. Das gilt für den Zeltainer, für die Kleberei, für das Eisenwerk Frauenfeld, welches ab 6. August seinerseits ein «Sommerloch»-Programm verspricht, für das Theater St.Gallen und für alle anderen Veranstalter. Wer will, kann das Konzept vom kantonalen Amt für Wirtschaft absegnen lassen, sagt Katrin Meier, die Leiterin des Amts für Kultur, auf Anfrage. Und: Eine Reihe offener Frage habe man mit dem Bundesamt für Gesundheit geklärt – inzwischen existiert auch ein Rahmen-Schutzkonzept des BAG: hier zu finden.

Die IG Kultur Ost veranstaltet ein digitales Forum, das sich mit Fragen der Schutzkonzepte und der Veranstaltungs-Planung beschäftigt: 10. Juni, 19 Uhr. Infos und Link: ig-kultur-ost.ch

Es äussert sich zur Trennung von Ein- und Ausgängen, zu Hygienemassnahmen, zur Distanz zwischen Bühne und Publikum oder zur ominösen Abstandsfrage: Im Prinzip gilt es, die 2-Meter-Regel einzuhalten. Ist das nicht möglich, sollen Masken abgegeben und Trennwände installiert werden. Gelingt auch dies nicht, müssen die Personendaten erhoben werden, damit allfällige Ansteckungen rückverfolgt werden können. Und geklärt sei vom BAG inzwischen auch: In der Höchstzahl von 300 Personen sind Mitarbeitende am Anlass mit eingerechnet.

«Es ist ein Mittelweg», sagt Katrin Meier. Vorschriften seien sinnvoll, aber ein grosses Stück Verantwortung bleibe auch den Veranstaltern. Was sie in diesem Coronasommer erwartet, sind «kleinere und andere» Veranstaltungen, mehr hiesige Kultur, kaum internationalen Tourproduktionen. «Ich freue mich auf Angebote mit Kulturschaffenden vor Ort und sehe es auch als eine Chance, das heimische Schaffen verstärkt ins Licht zu stellen.»

Die gute Nachricht für Veranstalterinnen und Veranstalter sei: Wer wegen der Abstandsregeln weniger Tickets verkaufen kann, hat die Möglichkeit, auch dafür eine Teil-Ausfallentschädigung beim Kanton zu beantragen. Bis Ende Mai seien beim Amt für Kultur insgesamt etwa 230 Eingaben für Ausfallentschädigungen eingegangen, je zur Hälfte von einzelnen Kulturschaffenden und von Institutionen. Provisorisch wurden bereits Beiträge ausgerichtet; die effektiven Zahlungen seien davon abhängig, was über EO- oder Kurzarbeit-Entschädigung abgerechnet werden könne. Katrin Meier rechnet, dass der Kanton bis Februar 2021 mit der Behandlung von Gesuchen beschäftigt sein wird.

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

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2 Tramhaeuschen Schibenertor

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Museumsnacht Kunstmuseum pd

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