Statt an zwei Tagen wie üblich findet das Festival verknappt an einem Tag, dem Sonntag 9. Mai statt. Und die Zahl der Besucher:innen ist beschränkt auf 50 Personen, Maske ist Pflicht, Konsumationen sind nicht möglich, aber in unmittelbarer Nähe bietet die «Linde» ein Takeaway an.
Die Pandemie verlangt Flexibilität – und das passt perfekt zum Thema der diesjährigen Kulturlandsgemeinde. «Alles bleibt anders» ist das Motto. Veränderung, Wandel, Anpassung, Gewohnheiten, Umbrüche sollen diskutiert und künstlerisch reflektiert werden. Das Thema war bereits 2020 für das Festival gesetzt – bevor Corona die ganze Planung über den Haufen warf und den Anlass verunmöglichte.
Jetzt, ein Jahr später, steht zumindest fest: Die Kulturlandsgemeinde findet statt, am 9. Mai im und um das Zeughaus Teufen und parallel dazu online. Digital und analog: Das ist das Doppel-Rezept der diesjährigen Ausgabe.
Sonntag 9. Mai, Zeughaus Teufen und online 11 Uhr Rede Dorothee Elmiger 14 Uhr Kulturkosmonauten 16 Uhr Verschwörung und Wahrheit
kulturlandsgemeinde.ch
Fragen sammeln statt Antworten geben
«Es bläst ein stürmischer Wind of Change», steht auf dem Flyer des Festivals. Die Prozesse des Wandels beträfen die Gesellschaft auf allen Ebenen, kollektiv und individuell. Für Antworten sei es noch zu früh, und «reisserische Parolen» zu den unsicheren Verhältnissen wären fehl am Platz. Stattdessen sammelt die diesjährige Kulturlandsgemeinde vorerst einmal die brennendsten Fragen bei Mitwirkenden und beim Publikum. Daraus soll eine Flaschenpost werden als Ersatz für die traditionelle Sendschrift – mit der Hoffnung auf Antworten bis zum Festival im kommenden Jahr.
Einer der Programmpunkte trägt den Wandel gleich im Titel. «Change. Now. Always. Never stop» nennen die Kulturkosmonauten ihre Arbeit. Das in St.Gallen beheimatete Projekt bietet seit mehreren Jahren Theater-Workshops und Trainings für Jugendliche meist mit migrantischer Biografie. Veränderung sei für sie «überhaupt nicht abstrakt, sondern es ist ihre Realität», sagt Ann Katrin Cooper vom Leitungsteam – manchmal in einem Ausmass, dass der Wunsch gross sei, aus der dauernden Unsicherheit herauszukommen.
Die Kulturkosmonauten bei den Proben zu «Change». (Bilder: pd)
Auf die Startfrage etwa, in welchem Prozentsatz sie sich nach ihrer eigenen Einschätzung in den letzten Jahren selber verändert hätten, schwankten die Angaben der Jugendlichen zwischen 65 und 99 Prozent. «Die stecken mittendrin.» 25 Jugendliche sind beteiligt, sie stammen aus dem Iran, der Türkei, Südafrika, Burundi, Äthiopien, aus Weissrussland, Polen, der Ukraine und der Schweiz.
«Kinder sind Experten der Veränderung»
Die Pandemie verlangte ihrerseits ständige Anpassungen. Geprobt werden konnte nur in kleinen Gruppen, gearbeitet wurde auch bei beissender Kälte draussen – für die jungen Kosmonautinnen und Kosmonauten sei es nie eine Frage gewesen, abzubrechen. «Es war allen klar: Wir finden einen Weg.» Aus einem zu Beginn gemeinsam geschriebenen Text, aus den Inputs und Trainings entstand zum einen ein Film, der im Rahmen der Kulturlandsgemeinde gestreamt wird. Zum andern ist eine Liveperformance geplant, bei der auch das Publikum – coronakonform – mit einbezogen werden soll.
Ann Katrin Cooper ist überzeugt: «Man müsste Kinder und Jugendliche viel stärker zu Wort kommen lassen. Sie sind Experten der Veränderung.»
Elmigers Rede, Gaffas Show
Die Diskussionsplattformen, sonst ein zentraler Teil des Kulturlandsgemeinde-Konzepts, sind coronabedingt gestrichen worden. Auch andere geplante Programmpunkte fielen weg, nicht aber eine allerdings reduzierte Zahl von Werkstätten: Vor dem Zeughaus entsteht ein Permakulturgarten, der Bildhauer Christian Hörler gibt Einblick in die Arbeit mit Stein und Steinbrüchen, und die Gaffa-Crew kreiert in einer interaktiven Show ein Fanzine.
Dorothee Elmiger
Zudem diskutieren in Kooperation mit der Erfreulichen Universität der Theologe Rolf Bossart und der Künstler Thomas Stüssi unter dem Titel «Verschwörung und Wahrheit» über den Boom von Verschwörungserzählungen. Die Sonntagsrede hält die in Appenzell aufgewachsene Schriftstellerin Dorothee Elmiger.
Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.
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