Mit einem gewaltigen Sog, einem Erinnerungsschwall setzt der Roman ein, mit den Erinnerungen an die Zugfahrten, zwölf Stunden hin, zwölf Stunden zurück, zwischen Zagreb und Zürich, zwischen dem Herkunftsland und dem Neuland, das sie als Kind eingetauscht hat, mit neuen Erinnerungen, mit zweisprachigen Träumen: ein rennendes Hin und Her für die «Nachkommende». Die Nachkommende ist der erste Roman der 1986 geborenen, bisher vor allem als Theaterautorin (auch am Theater St.Gallen) viel beachteten Ivna Zic. Mit ihr kommt eine packende Stimme an das St.Galler Wortlaut; gestern hat das Festival sein Programm publiziert, inklusiv neugestalteter Website.
Ivna Zic.
Den Auftakt macht eine andere junge Autorin, drei Jahre jünger noch als Zic. Laura Vogt feiert am Festival die Buchvernissage ihres zweiten Romans: Was uns betrifft erscheint im Zytglogge Verlag und wirft am Beispiel von drei Frauenfiguren drängende Themen von Muttersein, Weiblichkeit, Sexualität auf. Die in Ausserrhoden aufgewachsene und in St.Gallen lebende Laura Vogt hat 2016 ihren Erstling So einfach war es also zu gehen vorgelegt.
Laura Vogt.
Ihr folgen im Programm erfreulich viele weitere Ostschweizer Stimmen. Lorenz Langenegger, in Wien und Zürich lebender Autor gleichfalls mit Ausserrhoder Wurzeln, stellt seinen neuen, inzwischen sechsten Roman Jahr ohne Winter vor. Christine Fischer legt im Duo mit Cellistin Brigitte Meyer «einen Webteppich aus Kurztexten und Improvisationen», wie es in der Ankündigung heisst – dies an einer Aussenstelle des Festivals, im Museum of Emptiness. Die Ostschweizer Bühne im Splügeneck bestreiten Tobias Bauer, Liv Naran, Mathias Ninck und René Oberholzer.
Neue Stimmen, neue Schuhe
Das Programm der traditionellen Lesungen im Raum für Literatur unter dem Übertitel «Luise» ist auch sonst von jungen Autorinnen geprägt. Die Deutsche Karen Köhler stellt ihr Romandebüt Miroloi vor, das auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, und die Basler Lyrikerin Eva Maria Leuenberger liest aus ihrem Debütband dekarnation. Eine arriviertere Stimme ist Andreas Neeser; er hat den Familienroman Wie wir gehen, der unter anderem die Geschichte eines Verdingkinds erzählt, und den Mundartroman Alpefisch im Gepäck.
Eva-Maria Leuenberger.
Auch im «lauten» Genre kommt die Region zu Wort. Jan Rutishauser macht Comedy «Schwarz auf Weiss», Sarah Elena Müller und Milena Krstic bringen als Cruise Ship Misery ihre Mundart-Pop-Show Urteil in die Grabenhalle. Und im Dialekt-Poetry-Slam, der zum unverzichtbaren Repertoire des Festivals gehört, ist neben Regensburg (Teresa Reichl), Tirol (Emil Kaschka), Thun (Remo Rickenbacher), Langenthal (Valerio Moser), Schaffhausen (Diego Häberli) und Baden (Simon Libsig) auch der Thurgau (mit Sven Hirsbrunner) und St.Gallen (mit Jan Rutishauser) vertreten.
Weiter im Spoken-Word-Programm und auf der kabarettistischen Schiene: Lisa Christ mit ihrem Programm Ich brauche neue Schuhe in der Kellerbühne, Slammer Nektarios Vlachopoulos, Rolf Hermann und das Trio Chäslädeli oder das wortkabarettistische Langzeitvergnügen Ohne Rolf mit «Print-Pong».
Hamburger Schweiz-Vermutungen
Comic und Graphic Novel, eines der Markenzeichen des St.Galler Literaturfestivals, bringen dieses Jahr die Hamburgerin Orphea Heutling mit 18 Vermutungen über die Schweiz, der Münchner Frank Schmolke mit Taxifahrer-Erfahrungen, Nando von Arb mit Drei Väter und das Kollektiv «Pause ohne Ende» zu Gehör und zu Gesicht.
Nicht zu vergessen: der Gassenhauer von Theater am Tisch und Saiten zu nächtlicher Stunde in der Metzgergasse und die literarische Stadtführung von Richard Butz und Nathalie Hubler am Sonntag. Festivalbeiz ist bewährterweise die Focacceria, dort gibt es auch den Illustrationskiosk.
Insgesamt kündigt das 12. Wortlaut-Festival vom 25. bis 29. März 25 Veranstaltungen an vier Tagen an diversen Schauplätzen an – «allesamt fussläufig erreichbar», wie es in der jetzt publizierten Programmvorschau heisst, und mit dem programmatischen Anspruch, literarische Grenzüberschreitungen aller Art zu bieten.
Gleich zwei Romandebüts von Ostschweizerinnen innert weniger Wochen und ein (fast) gemeinsamer Auftritt am Wortlaut-Festival: Mit Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt betreten zwei junge Autorinnen mit Ambitionen die Bühne.
Wortlaut, das St.Galler Literaturfestival geht in sein zehntes Jahr: Zeit für eine Hommage oder Ende der Schonfrist? Ein fiktives Gespräch zwischen dem nörgelnden und dem applaudierenden Ich.
Mit «Kosovë is everywhere» hat das 10. Wortlaut-Literaturfestival mit der Eröffnung am Freitag im St.Galler Waaghaus deutlich markiert: Das Wort ist laut, welthaltig und vom Rhythmus getrieben.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
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Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?