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Jung, weiblich, wortlaut

25 Veranstaltungen an vier Tagen und diversen Orten, ein traditionell weitgefasster Literaturbegriff, der auch Mundartpop einschliesst, und starke Frauenstimmen: Das verspricht das 12. St.Galler Festival Wortlaut von Ende März.
Von  Peter Surber

Mit einem gewaltigen Sog, einem Erinnerungsschwall setzt der Roman ein, mit den Erinnerungen an die Zugfahrten, zwölf Stunden hin, zwölf Stunden zurück, zwischen Zagreb und Zürich, zwischen dem Herkunftsland und dem Neuland, das sie als Kind eingetauscht hat, mit neuen Erinnerungen, mit zweisprachigen Träumen: ein rennendes Hin und Her für die «Nachkommende». Die Nachkommende ist der erste Roman der 1986 geborenen, bisher vor allem als Theaterautorin (auch am Theater St.Gallen) viel beachteten Ivna Zic. Mit ihr kommt eine packende Stimme an das St.Galler Wortlaut; gestern hat das Festival sein Programm publiziert, inklusiv neugestalteter Website.

Ivna Zic.

Den Auftakt macht eine andere junge Autorin, drei Jahre jünger noch als Zic. Laura Vogt feiert am Festival die Buchvernissage ihres zweiten Romans: Was uns betrifft erscheint im Zytglogge Verlag und wirft am Beispiel von drei Frauenfiguren drängende Themen von Muttersein, Weiblichkeit, Sexualität auf. Die in Ausserrhoden aufgewachsene und in St.Gallen lebende Laura Vogt hat 2016 ihren Erstling So einfach war es also zu gehen vorgelegt.

Laura Vogt.

Ihr folgen im Programm erfreulich viele weitere Ostschweizer Stimmen. Lorenz Langenegger, in Wien und Zürich lebender Autor gleichfalls mit Ausserrhoder Wurzeln, stellt seinen neuen, inzwischen sechsten Roman Jahr ohne Winter vor. Christine Fischer legt im Duo mit Cellistin Brigitte Meyer «einen Webteppich aus Kurztexten und Improvisationen», wie es in der Ankündigung heisst – dies an einer Aussenstelle des Festivals, im Museum of Emptiness. Die Ostschweizer Bühne im Splügeneck bestreiten Tobias Bauer, Liv Naran, Mathias Ninck und René Oberholzer.

Neue Stimmen, neue Schuhe

Das Programm der traditionellen Lesungen im Raum für Literatur unter dem Übertitel «Luise» ist auch sonst von jungen Autorinnen geprägt. Die Deutsche Karen Köhler stellt ihr Romandebüt Miroloi vor, das auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, und die Basler Lyrikerin Eva Maria Leuenberger liest aus ihrem Debütband dekarnation. Eine arriviertere Stimme ist Andreas Neeser; er hat den Familienroman Wie wir gehen, der unter anderem die Geschichte eines Verdingkinds erzählt, und den Mundartroman Alpefisch im Gepäck.

Eva-Maria Leuenberger.

Auch im «lauten» Genre kommt die Region zu Wort. Jan Rutishauser macht Comedy «Schwarz auf Weiss», Sarah Elena Müller und Milena Krstic bringen als Cruise Ship Misery ihre Mundart-Pop-Show Urteil in die Grabenhalle. Und im Dialekt-Poetry-Slam, der zum unverzichtbaren Repertoire des Festivals gehört, ist neben Regensburg (Teresa Reichl), Tirol (Emil Kaschka), Thun (Remo Rickenbacher), Langenthal (Valerio Moser), Schaffhausen (Diego Häberli) und Baden (Simon Libsig) auch der Thurgau (mit Sven Hirsbrunner) und St.Gallen (mit Jan Rutishauser) vertreten.

Weiter im Spoken-Word-Programm und auf der kabarettistischen Schiene: Lisa Christ mit ihrem Programm Ich brauche neue Schuhe in der Kellerbühne, Slammer Nektarios Vlachopoulos, Rolf Hermann und das Trio Chäslädeli oder das wortkabarettistische Langzeitvergnügen Ohne Rolf mit «Print-Pong».

Hamburger Schweiz-Vermutungen

Comic und Graphic Novel, eines der Markenzeichen des St.Galler Literaturfestivals, bringen dieses Jahr die Hamburgerin Orphea Heutling mit 18 Vermutungen über die Schweiz, der Münchner Frank Schmolke mit Taxifahrer-Erfahrungen, Nando von Arb mit Drei Väter und das Kollektiv «Pause ohne Ende» zu Gehör und zu Gesicht.

Nicht zu vergessen: der Gassenhauer von Theater am Tisch und Saiten zu nächtlicher Stunde in der Metzgergasse und die literarische Stadtführung von Richard Butz und Nathalie Hubler am Sonntag. Festivalbeiz ist bewährterweise die Focacceria, dort gibt es auch den Illustrationskiosk.

Insgesamt kündigt das 12. Wortlaut-Festival vom 25. bis 29. März 25 Veranstaltungen an vier Tagen an diversen Schauplätzen an – «allesamt fussläufig erreichbar», wie es in der jetzt publizierten Programmvorschau heisst, und mit dem programmatischen Anspruch, literarische Grenzüberschreitungen aller Art zu bieten.

 

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01