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Pride gefeiert – und kritisiert

Während die Leitung der St.Galler Universitätsbibliothek aus eigenem Antrieb kleine Regenbogenfahnen aufgestellt und aufgehängt hat, gibt es an der Fachhochschule St.Gallen trotz vorhandenem Diversity-Konzept schon wieder Polemiken gegen die Queer-Politik.
Von  René Hornung , 

Die Queers von Unigay, der studentischen Organisation der Universität St.Gallen, staunten nicht schlecht, als sie nach dem Lockdown zum ersten Mal wieder die Bibliothek betraten: Eine Girlande von Regenbogenfähnchen empfing sie, und bei jedem Schalter steht auch noch eine kleine Fahne.

Die Anregung stamme aus dem Kreis der Bibliotheksmitarbeitenden, erfuhr Unigay-Aktivist Andreas Oberholzer. Die Aktion hat auf der HSG-internen Plattform allerdings auch für Diskussionen gesorgt. Die kleinen Flaggen seien ein politisches Statement, und für Politik gebe es an der Uni keinen Platz, schrieb jemand.

Die Bibliotheksleitung reagierte aber prompt: Mit den LGBT-Fähnchen wolle man ein Zeichen für die Toleranz und gegen Diskriminierung setzen. Weil die Regenbogenfahne überparteilich verwendet werde, sehe man darin keine politische Message. Und wieder folgte ein Einwand: Das sei sehr wohl politisch, denn die Fahnen seien just vor der Diskussion über die Ehe für alle im Nationalrat aufgehängt worden.

Pride-Monat im Oktober geplant

Trotz ein paar Kritiken: An der Universität St.Gallen herrscht ein offenes Klima. Unigay-Aktivist Andreas Oberholzer steckt mitten in der Planung für einen Pride-Monat im Oktober. Eigentlich hätten die Veranstaltungen bereits stattfinden sollen, doch Corona machte das unmöglich. Nun sollen im Oktober auf dem ganzen Campus-Areal Regenbogenfahnen wehen und zahlreiche Aktionen stattfinden. Der Coming-out-Day vom 11. Oktober soll ganz speziell gefeiert werden. Panels und Parties sowie eine Ausstellung mit jungen queeren Kunstschaffenden sind geplant.

Während die Universität St.Gallen damit Diversity vorlebt und aktuell gerade auch ein Konzept für genderneutrale Sprache erarbeitet, ist das Klima an der Fachhochschule St.Gallen (FHSG) weniger Queer-freundlich. Schon vor fünf Jahren hatten freikirchlich-fundamentalistische Studierende vor allem im Fach Sozialarbeit für Unmut gesorgt, weil sie lauthals gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Personen kritisierten. Als Reaktion erarbeitete die Diversity-Stelle der Fachhochschule «Grundsätze des Umgangs mit Diversität an der FHS St.Gallen», hier der Link, und das Rektorat distanzierte sich von Diskriminierungen jeder Art. Damals war davon die Rede, dass gut 10 Prozent der Studierenden im Fachbereich Sozialarbeit freikirchlich-fundamentalistische Haltungen vertreten

Polemik auf Facebook

Die konservativen Stimmen sind trotz Diversity-Tag im letzten Jahr nicht verstummt. Nach dem Ja zur Ehe für alle hat ein Informatik-Dozent auf dem Facebook-Account eines Nationalrats den Entscheid als «Fehlentwicklung» kritisiert. Gegenüber der Zeitung «20 Minuten», die den Fall öffentlich machte, sagte der Dozent: «Das Thema ‹Ehe für alle› ist fragwürdig und es kann zukünftig zu Auswirkungen führen, die niemand haben will.»

Er erntete damit massive Kritik aus studentischen Kreisen und es wurde gar seine Entlassung gefordert. Den Facebook-Kommentar hat er inzwischen gelöscht und betont, das sei eine private Meinungsäusserung gewesen. Er stehe zu seiner Meinung, auch wenn sie nicht Mainstream sei. Und: «So, wie ich andere Meinungen respektiere, erwarte ich auch Respekt», sagte er «20 Minuten».

Die Reaktionen von Studierenden zeigen aber, dass es in der Fachhochschule viele junge Menschen gibt, die Diversity- und Queer-Politik klar unterstützen. Auch Unigay-Aktivist Andreas Oberholzer hat nun Kontakte zu diesen Studierenden geknüpft. Damit besteht die Chance, dass im Oktober möglicherweise auch an der Fachhochschule der Pride-Monat mitgefeiert wird.

An der PHSG fehlt ein Leitfaden

Noch keine Aktivitäten zeichnen sich an der dritten St.Galler Hochschule ab, der Pädagogischen Hochschule (PHSG). Die Studierenden-Organisation befinde sich im Umbruch und sehe im Moment keine Möglichkeit, sich in diesem Feld zu engagieren, lautete die Antwort auf eine Anfrage.

Allerdings stellt man auch dort fest, dass freikirchliche Kreise inzwischen genau beobachten, was an der PHSG unterrichtet wird. Ein Dozent hatte deshalb bei der Fachstelle Gender & Diversity einen Leitfaden angeregt, wie ihn die Fachhochschule bereits besitzt – publiziert ist er aber bisher nicht.

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Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,