Die neue schwarz-blaue Koalition aus ÖVP und FPÖ in Österreich unter Strache und Kurz hat schon so einiges verbockt: Innenminister Herbert Kickl träumte Anfang Jahr laut von einer «konzentrierten Unterbringung» von Flüchtlingen, die Studiengebühren wurden wieder eingeführt, das neue Erwachsenenschutzgesetz, das Menschen mit Behinderung zu mehr Autonomie hätte verhelfen sollen, wurde aus «Geldmangel» um Jahre vertagt, das revidierte Arbeitslosengesetz sieht eine Abschaffung der Notstandshilfe vor, und immer wieder gibt es Attacken auf kritische Journalisten. Die Liste wäre noch länger.
Schon unter «Schwarz-Blau I» wurde vielen Frauenprojekten die Förderung durch das Frauenministerium gestrichen. Dessen aktuelle Chefin ist Juliane Bogner-Strauss, Biochemikerin und Molekularbiologin – und Mitglied der ÖVP. Unter «Schwarz-Blau II» wurde nun die nächste Kürzungswelle lanciert. Viele Frauenorganisationen und -Projekte sind davon betroffen, darunter auch das feministische Magazin «an.schläge», die österreichische, bessere «Emma».
Das Magazin hat dieses Jahr seinen 35. Geburtstag gefeiert und ist die einzige feministische Publikation im deutschsprachigen Raum, die achtmal pro Jahr erscheint und so das Weltgeschehen aktuell aus einer feministischen Perspektive analysieren kann.
Die Kürzungswelle habe «wie erwartet auch die an.schläge getroffen», teilen die Redakteurinnen im August mit. «23’000 Euro, die bisher jährlich vom Frauenministerium als Förderung an das Magazin überwiesen wurden, wurden durch Ministerin Juliane Bogner-Strauss zur Gänze gestrichen. Die Förderabsage wurde erst Ende Juli zugestellt.» Das ist ein herber Schlag angesichts der ohnehin prekären Situation im feministisch-progressiven Medienbusiness. Gut, dass die Frauen in weiser Voraussicht eine Abokampagne gestartet haben und so zumindest den Betrieb bis Ende 2018 sichern konnten.
Lea Susemichel ist eine der leitenden Redakteurinnen der «an.schläge» und definitiv keine Neuauflage von Alice Schwarzer, auch wenn bestimmte Themen immer noch dieselben sind: Abtreibungsrecht, Gewalt gegen Frauen, Pay Gap, Care-Arbeit. Doch es gibt auch neue Themenfelder, zum Beispiel die Debatte über Sexismus und Rassismus, die sich spätestens nach der Silvesternacht in Köln 2015/16 lautstark entsponnen hat.
Neue Spielräume: Feminismus gibts nicht in Schwarz-Blau! – Gespräch mit Lea Susemichel: 13. Dezember, 19:30 Uhr, Spielboden Dornbirn spielboden.at, anschlaege.at
Schwarzers Positionen dazu sind, gelinde gesagt, untauglich für einen zeitgenössischen Feminismus. Susemichel argumentiert differenzierter: Wo es um den Islam geht, seien feministische Argumente plötzlich opportun, sagt sie zu igkultur.at. Die Feministinnen möchten «migrantische Gewalt nicht verharmlosen». Sie hätten nur gerne eine differenzierte Debatte geführt. Dazu bedürfe es allerdings einer Gesprächsbasis, in der Menschen spezifischer Herkunft oder Religion nicht pauschal abgeurteilt werden, sondern konkrete Probleme wie Gewalt im sozialen Nahbereich thematisiert werden können.
Zur politischen Lage in Österreich sagt sie: «Um es mal ganz salopp zu sagen, war Österreich schon immer ein sehr rechtes Land. Der mediale Diskurs wird in Österreich sehr stark vom Boulevard bestimmt, da gab es noch keine signifikanten Änderungen.» Am 13. Dezember ist Susemichel im Spielboden Dornbirn zu Gast und spricht über die Situation des Feminismus und der «an.schläge» im rechten Österreich.
Dieser Beitrag erschien im Dezemberheft von Saiten.
Macht und Geschlecht in der «erfreulichen Universität»: Zum Auftakt beschrieb Historikerin Elisabeth Joris Frauenbewegungen des letzten Jahrhunderts, den Abschluss macht Soziologin Eveline Yv Nay mit Gedanken zu queer-feministischen Bündnispolitiken.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau