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Literatur in 3D  

Das St.Galler Literaturfestival Wortlaut erfindet sich einmal mehr neu – nicht grundsätzlich, aber in seinem Aufbau. Und es gibt sich für die 14. Ausgabe vom 25. bis 27. März ein Schwerpunktthema: Digitale Literatur. Seit heute ist das Programm öffentlich.
Von  Peter Surber , 
«Strandbegegnung», Szene aus dem VR-Projekt von Sarah Elena Müller. (Bild: pd)

Was passiert, wenn ein Text dreidimensional wird? Die Autorin und Künstlerin Sarah Elena Müller hat die Probe aufs Exempel gemacht. Grundlage ihres seit 2019 entwickelten Virtual Reality Projekts «Meine Sprache und ich» ist ein Text der österreichischen Autorin Ilse Aichinger. Die Leserin, die hier zur Besucherin wird, betritt einen virtuellen, dem Text nachempfundenen Raum, in dem Wörter zu Dingen oder Ereignissen werden.

Ein SRF-Podcast versucht zu schildern, wie sich ein solches Literaturerlebnis anfühlt. Stellenweise klingt darin jenes «metaphysische Gruseln» an, das einst Mani Matter besungen hat. Wers trotzdem wagen will, muss sich um eines der exklusiven Tickets für das gut halbstündige Spiel mit Realitäten bewerben, denn es ist für eine Einzelperson programmiert, Plätze sind entsprechend rar.

Illustration zum Virtual Reality Projekt von Sarah Elena Müller. (Bilder: pd)

Müllers Projekt «Meine Sprache und ich», entwickelt mit Unterstützung des Förderprogramms Buch und Literatur + der Ostschweizer Kantone, ist Teil des inhaltlichen Schwerpunkts «Digitale Literatur», den sich das Wortlaut-Festival dieses Jahr auf die Fahne schreibt.

Sarah Elena Müller.

Neben Sarah Elena Müller, 1990 in Amden geboren, kommen als prominente Stimmen der Netz-Literatur Stefanie Sargnagel und Max Kersting nach St.Gallen. Sargnagel ist in ihren Anfängen mit Statusmeldungen auf Facebook bekannt geworden, Kersting nutzt Instagram und Fundsachen aus dem Web literarisch.

Ebenfalls zum Schwerpunkt passt das neue, tik-tok-inspirierte Buch Tick Tack der deutschen Autorin Julia von Lucadou – mehr dazu im Märzheft von Saiten.

Hat Literatur im digitalen Raum Zukunft? Rebecca C. Schnyder, Programmverantwortliche des Wortlaut-Festivals, sagt: «Das Thema ist zumindest brennend genug, um darüber zu reden. Es öffnet neue Räume und erreicht damit auch eine neue Leserschaft ausserhalb des kuratierten Literaturbetriebs.»

Das Festival selber bleibt allerdings analog; um darüberhinaus die digitale Schiene mitzufahren, dazu fehlten die Ressourcen, sagt Schnyder.

Mehr Zeit, mehr Szenisches

Die letzten zwei Jahre waren pandemiebedingt wortlaut-los (mit Ausnahme einzelner digitaler Formate wie dem «Coronahauer» von Saiten und Theater am Tisch 2020 und 2021). «Kultur live erleben und sich an Kulturanlässen begegnen; beides mussten wir mitunter schmerzlich missen», steht in der Einladung zum Festival. «So wollen wir ebendiesen Begegnungen fortan umso mehr Platz schaffen und Raum geben.»

Das Festival dehnt sich deshalb neu aus auf Samstag und den ganzen Sonntag – damit bleibt zwischen den einzelnen Programmpunkten mehr Zeit.

Wortlaut, 25. bis 27. März, diverse Orte in St.Gallen

wortlaut.ch

Neu sind auch die Programmschienen. Statt wie bisher mit Jandl-Titeln mehr launig als aufschlussreich umschrieben («laut», «luise», «lechts» und «rinks»), gibt es neu die Spartenteilung «Bühne», «Buch» und «Bild». Namentlich die Bühnensparte öffne neue Möglichkeiten für szenische und musikalische Auftritte, die bisher beim Wortlaut eher zu kurz kamen, sagt Rebecca C. Schnyder. Das bewährte Profil des Festivals bleibe aber erhalten, mit jenem starken Gewicht auf Comic und Graphic Novel, auf Poetry Slam und Spoken Word, das St.Gallen aus anderen Literaturfestivals heraushebt.

Maeva Rubli und Anisa Alrefaei Roomieh.

Gezeichnete Literatur kommt zum Beispiel von Lina Ehrentraut, von Adam Vogt, Hannes Richert oder der einheimischen Lika Nüssli, die in Starkes Ding an ihren Vater erinnert. Die Zeichnerin Maeva Rubli und die aus Syrien geflüchtete Autorin Anisa Alrefaei Roomieh stellen ihr im Dialog entstandenes Buch bei dir, bei mir vor.

Spoken Word bieten die in Luzern tätige St.Gallerin Miriam Schöb, das Duo Loretta Shapiro, Moser/Muheim, die Zürcher Kabarettistin und Musikerin Rebekka Lindauer und der traditionelle Dialekt-Poetry-Slam. Romane stellen Esther Becker (Wie die Gorillas) oder Yael Inokai (Ein simpler Eingriff) vor, Lyrik ist von Rolf Hermann und Ronya Othmann zu hören.

Rebekka Lindauer.

Neues Zentrum mit Stadthaus und Denkbar

Zum Wortlaut gehören weiterhin auch die literarischen Stadtrundgänge von Richard Butz und Nathalie Hubler, der Gassenhauer von Saiten und Theater am Tisch, neu vom Stadthaus auf die Gasse und den nahen Dom geschmettert, sowie die Festivalbeiz – diesmal ist es die Denkbar, vis-à-vis des Stadthauses der Ortsbürgergemeinde als neuem Festivalzentrum. Weitere Spielorte sind Kellerbühne, Palace, Grabenhalle, Kunstmuseum und Militärkantine.

Die traditionelle «Ostschweizer Bühne», das Format für Kurzauftritte mit Autorinnen und Autoren aus dem Ostschweizer Literaturnetz, fehlt dagegen im diesjährigen Programm. Man suche für die regionalen Stimmen ein neues, attraktives Format, für ein nächstes Mal, sagt Rebecca C. Schnyder.

Neu sind dafür «Blinddates», bei denen in der Denkbar zwei Autor:innen aufeinandertreffen, und die Schreibwerkstatt. Und ebenfalls eine Premiere gibt es zum Auftakt am Freitagabend: Auf einem Stationenweg rund um die Militärkantine lesen Katja Brunner, Rolf Hermann, Adam Vogt und Schauspieler Marcus Schäfer aus selbstgewählten Texten.

Wortlaut-Programmleiterin Rebecca C. Schnyder. (Bild: Su.)

Ob zwischen Buchdeckeln, durchs Mikrofon, gesungen oder gezeichnet: Die Autorinnen und Autoren der diesjährigen Wortlaut-Ausgabe berichteten auf je ganz unterschiedliche Art «vom Zustand der Welt», sagt Rebecca C. Schnyder.

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Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

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Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

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Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

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Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

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Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz