In der Mitte im Rollstuhl der «Alibikrüppel», rund um ihn 16 Stehende. Das Haus nicht barrierefrei, die Website ebenso wenig. Das Center for Disability and Integration (CDI) der HSG ist Christoph Keller ein Dorn im Auge: will Forschung zur «erfolgreichen Arbeitsmarkt-Integration» von Menschen mit Behinderung treiben und ist selber das Gegenteil von integrierend.
Keller kritisiert die HSG dafür einmal mehr in seinem neusten, eben erschienenen Buch. Und dies pikanterweise in der «Höhle des Löwen», an der HSG selber: Das Buch macht die drei Vorlesungen öffentlich, die Keller im September und Oktober 2020 an der St.Galler Universität gehalten hat.
Christoph Keller: Solange die Löwen nicht schreiben lernen, Limmat Verlag Zürich 2021, Fr. 28.-
Das vierte Kapitel ist die Dankrede zum Alemannischen Kulturpreis, den Keller diesen Sommer erhalten hat. Sie gilt seinem jüngsten Buch Der Boden unter den Füssen und seiner Utopie eines «Zivilisationsmoratoriums»: Der «wahnsinnigen» Umwelt-Zerstörungswut des Homo sapiens setzt Keller das Idealbild des «planetarischen Gartens» entgegen, hofft auf «Bibervernunft» und «Igelwörter».
Besichtigung des eigenen Werks
Die HSG-Vorlesungen reflektieren seine Schreibmethoden, seine Vielsprachigkeit, Vorbilder, die Kunst des Plagiierens und anderes mehr. Und sie sind, wie Kellers Bücher Der beste Tänzer oder Jeder Krüppel ein Superheld und wie seine öffentlichen Wortmeldungen, ein weiteres stimmgewaltiges Plädoyer gegen eine Welt, in der «Behinderung von Nicht-Behinderten verwaltet» wird.
Keller, wegen seiner progressiven Muskellähmungs-Krankheit im Rollstuhl, weiss, wovon er spricht. Und kritisiert, dass dieses Wissen so wenig gefragt ist – erst recht in der Pandemie hätte man vom Knowhow der «Isolationsgeübten» und «Quarantäneexperten» profitieren können und müssen.
Christoph Keller. (Bild: Tine Edel)
Dazu passt das afrikanische Sprichwort, das er zum Auftakt seiner dritten Vorlesung zitiert und das dem Buch den Titel gegeben hat: «Solange die Löwen nicht schreiben lernen, wird jede Geschichte die Jäger verherrlichen.»
Einer, der nicht weggelobt werden will
Über die Diskriminierung von Behinderung müsse in der Schweiz endlich offen gesprochen werden, und dies nicht um sie «abzuhaken», sondern als Teil «einer allgemeinen Diskussion über Rassismus und Diskriminierung», fordert Keller.
Buchpremiere: 13. September 20 Uhr Kellerbühne St.Gallen
In diesem Sinn hatte er unter anderem auch Bundespräsidentin Sommaruga einen Offenen Brief geschrieben – die ihm postwendend für seinen Einsatz dankte. «Und schon war ich weggelobt», sagt Keller in seiner Vorlesung bissig. Er wird sich weiter dagegen wehren, mit Löwenstimme.
Illustriert ist das Buch mit den «Schattenmann»-Fotos, die Keller im Lockdown geschaffen hat und die als Auswahl in der «Blackbox» auf saiten.ch erschienen sind.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.