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Wortlaut: Endlich wieder live

Wortlaut steht vor der Tür – vom 25. bis 27. März, unter anderem mit dem neuen Buch von Lika Nüssli, mit dem Gassenhauer von Saiten, mit Spoken Word, einem literarischen Stadtrundgang oder Texten zum Krieg von Serhij Zhadan.
Von  Peter Surber
Ausschnitt aus dem Cover von «Starkes Ding». (Zeichnung: Lika Nüssli)

Ihrer demenzkranken Mutter hatte die St.Galler Zeichnerin Lika Nüssli 2018 die Graphic Novel Vergiss dich nicht gewidmet. Ein riesiger Wollknäuel war dort das Leitmotiv und Material für die bildstarke Nacherzählung der Lebensgeschichte ihrer Mutter – entstanden zum Zeitpunkt, als die Mutter selber nicht mehr in der Lage war, zu erzählen.

Jetzt, vier Jahre nach der Premiere des Buchs ebenfalls am Wortlaut-Festival, kommt Starkes Ding heraus: Lika Nüsslis Hommage an ihren Vater. Dieser wuchs als Verdingbub im Toggenburg auf – auf dem Cover sieht man einen Menschen, wie er einen gewaltigen Heuballen die steile Alp hochträgt, eine Sisyphus-Arbeit.

Lika Nüssli: Starkes Ding, Buchpremiere: 27. März, 11 Uhr, Kunstmuseum St.Gallen

Lika Nüssli: «Im Taumel», Ausstellung bis 29. Mai
Vernissage: 25. März, 18.30 Uhr, Cartoonmuseum Basel

«Inspiriert von der Senntums­­malerei erzählt Lika Nüssli von den jungen Jahren ihres Vaters Ernst. In einem berührenden Bild- und Figurenkosmos verschmelzen unbeschwerte Kindheitsmomente mit dem harten ­Alltag und Überlebenskampf der Toggenburger Bauernfamilien und dem im Nachbarland tobenden Krieg. Kleine Pausen voller Glück bringen der Hauptfigur ihre ver­lorene Jugend und Freiheit zurück.» So würdigt Anette Gehrig, Direk­torin des Cartoonmuseums Basel, das neue Buch.

Dort im Cartoonmuseum wird dieses Wochenende eine Retrospektive zum Werk von Lika Nüssli eröffnet. «Im Taumel» umfasst Arbeiten aus allen Schaffensphasen, von Comics und Comicreportagen bis zu grossformatigen Malereien auf Stoff und Dokumentationen ihrer Performances. Zudem sind eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten zu sehen sowie die  Originalzeichnungen zur Graphic Novel Starkes Ding.

Literatur, gezeichnet, gesprochen und auf die Gasse gehauen

Neben der digitalen Literatur, mehr dazu hier, sind Cartoon, Graphic Novel und Illustration sind wie gewohnt ein Schwerpunkt im Wortlaut-Programm. Maeva Rubli und Anisa Alrefaei Roomieh sind mit bei mir, bei dir zu Gast, Adam Vogt stellt Jumelles vor, Lina Ehrentraut ist mit Melek und ich zu Gast und Hannes Richert mit Die Party ist vorbei.

Wortlaut: 25. bis 27. März, diverse Orte in St.Gallen. Das ganze Programm, Tickets und Infos:

wortlaut.ch

Letzteres soll allerdings, auch wenn nah bei uns, in der Ukraine Krieg herrscht, am Festival selber nicht gelten. Diverse Spoken-Word-Programme versprechen «Party», von Miriam Schöb oder Rebekka Lindauer bis zum alljährlichen Dialekt-Poetry-Slam «Säg rächt!»: Diesmal wird in der Grabenhalle gebündnert, gerheintalert oder gezürchert, dazu kommen Gäste aus Ravensburg und Regensburg.

Gassenhauer: 26. März, 17.30 Uhr, Stadthaus, Gallusstrasse 14

Säg rächt! Dialekt-Poetry-Slam:
26. März, 21 Uhr, Grabenhalle

Lautstark kündigt sich auch der Gassenhauer an. Marcus Schäfer und Diana Dengler vom Theater am Tisch waren die letzten beiden Jahre pandemiebedingt nur per Video aus dem Lockdown zu hören und zu sehen, hier und hier. Jetzt komt das Duo wieder live zu Wort.

Günther und Emmi hauen dieses Jahr erstmals aus dem Stadthaus, dem Sitz der honorablen Ortsbürgergemeinde, auf das Altstadtpflaster und den Klosterplatz hinunter. Und kommen sich dabei, soviel sei verraten, deftig und humoristisch in die Haare – kein Wunder in genderkorrekten, diskriminierungssensiblen und kriegstraumatischen Zeiten wie diesen.

Achtung, vorverlegte Anfangszeit: Der Gassenhauer startet am Samstag um 17.30 Uhr (statt 20 Uhr) im Stadthaus an der Gallustrasse 14.

«Krieg ändert das Vokabular»

Den Auftakt zum diesmal auf Samstag und Sonntag gleichermassen verteilten Festivalprogramm macht am Freitagabend eine Stationenlesung bei der Militärkantine. Katja Brunner, Rolf Hermann und Adam Vogt lesen aus ihren Werken, und Schauspieler Marcus Schäfer hat Texte von Serhij Zhadan ausgewählt. Zhadan ist einer der populärsten ukrainischen Schriftsteller und ein scharfzüngiger Kritiker des Kriegs.

Stationenlesung mit Katja Brunner, Rolf Hermann, Marcus Schäfer und Adam Vogt: 25. März, 18 Uhr, Militärkantine

«Krieg ändert das Vokabular. Er reaktiviert Wörter, die man bis dato nur aus historischen Romanen kannte. Vielleicht weil Krieg immer auch die Geschichte reaktiviert. Man kann sie sehen, schmecken, riechen. Meist riechen sie verbrannt.» So steht es in der Einleitung zu Zhadans Gedichtband Warum ich nicht im Netz bin.

Und weiter, mit Bezug auf die Tagebuchnotizen aus Luhansk von 2014, die den zweiten Teil des 2016 bei Suhrkamp erschienenen Buchs bilden, schreibt Zhadan optimistisch – man liest solche Sätze heute mit grösster Beklemmung: «Ein Tagebuch ist eine offene Geschichte, die manchmal abreisst, um an einer anderen wieder einzusetzen. Sie wird fortgesetzt, solange du sie erzählst, solange du Anteil nimmst. Der Krieg geht irgendwann zu Ende, auch wenn er heute endlos aussieht. Die Städte, die Strassen, die Stimmen bleiben, es bleibt der Wunsch zu reden, der Wunsch zuzuhören.»

Aus dem jüngsten Lyrikband von Serhij Zhadan mit dem Titel Antenne, erschienen 2020, wird Marcus Schäfer zur Festivaleröffnung lesen.

Stadtrundgang mit Hörspur

Nicht fehlen darf am Wortlaut auch ein literarischer Stadtrundgang. Richard Butz und Nathalie Hubler führen diesmal vom Einstein über das Stickereiviertel in den Westen bis nach Bruggen. Der Verlag VGS Verlagsgenossenschaft St.Gallen, bei dem Butz seine neunbändigen Streifzüge durch das literarische St.Gallen Ich hätte grosse Lust auf einen Spaziergang herausgebracht hat, hat dazu eine Audiospur entwickelt.

Literatur in der Stadt: So, 27. März, 10 Uhr, Treffpunkt Hotel Einstein

Unter dem Titel «Lose statt läse» sind 60 Hörbeispiele aufgenommen worden, gesprochen von Matthias Flückiger, Nathalie Hubler, Adrian Riklin und Anna Schindler. Die Audiothek ist unter vgs-sg/literaturspaziergaenge-sanktgallen oder auf SoundCloud kostenlos zugänglich.

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

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Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01