Ihrer demenzkranken Mutter hatte die St.Galler Zeichnerin Lika Nüssli 2018 die Graphic Novel Vergiss dich nicht gewidmet. Ein riesiger Wollknäuel war dort das Leitmotiv und Material für die bildstarke Nacherzählung der Lebensgeschichte ihrer Mutter – entstanden zum Zeitpunkt, als die Mutter selber nicht mehr in der Lage war, zu erzählen.
Jetzt, vier Jahre nach der Premiere des Buchs ebenfalls am Wortlaut-Festival, kommt Starkes Ding heraus: Lika Nüsslis Hommage an ihren Vater. Dieser wuchs als Verdingbub im Toggenburg auf – auf dem Cover sieht man einen Menschen, wie er einen gewaltigen Heuballen die steile Alp hochträgt, eine Sisyphus-Arbeit.
Lika Nüssli: Starkes Ding, Buchpremiere: 27. März, 11 Uhr, Kunstmuseum St.Gallen
Lika Nüssli: «Im Taumel», Ausstellung bis 29. Mai Vernissage: 25. März, 18.30 Uhr, Cartoonmuseum Basel
«Inspiriert von der Senntumsmalerei erzählt Lika Nüssli von den jungen Jahren ihres Vaters Ernst. In einem berührenden Bild- und Figurenkosmos verschmelzen unbeschwerte Kindheitsmomente mit dem harten Alltag und Überlebenskampf der Toggenburger Bauernfamilien und dem im Nachbarland tobenden Krieg. Kleine Pausen voller Glück bringen der Hauptfigur ihre verlorene Jugend und Freiheit zurück.» So würdigt Anette Gehrig, Direktorin des Cartoonmuseums Basel, das neue Buch.
Dort im Cartoonmuseum wird dieses Wochenende eine Retrospektive zum Werk von Lika Nüssli eröffnet. «Im Taumel» umfasst Arbeiten aus allen Schaffensphasen, von Comics und Comicreportagen bis zu grossformatigen Malereien auf Stoff und Dokumentationen ihrer Performances. Zudem sind eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten zu sehen sowie die Originalzeichnungen zur Graphic Novel Starkes Ding.
Literatur, gezeichnet, gesprochen und auf die Gasse gehauen
Neben der digitalen Literatur, mehr dazu hier, sind Cartoon, Graphic Novel und Illustration sind wie gewohnt ein Schwerpunkt im Wortlaut-Programm. Maeva Rubli und Anisa Alrefaei Roomieh sind mit bei mir, bei dir zu Gast, Adam Vogt stellt Jumelles vor, Lina Ehrentraut ist mit Melek und ich zu Gast und Hannes Richert mit Die Party ist vorbei.
Wortlaut: 25. bis 27. März, diverse Orte in St.Gallen. Das ganze Programm, Tickets und Infos:
wortlaut.ch
Letzteres soll allerdings, auch wenn nah bei uns, in der Ukraine Krieg herrscht, am Festival selber nicht gelten. Diverse Spoken-Word-Programme versprechen «Party», von Miriam Schöb oder Rebekka Lindauer bis zum alljährlichen Dialekt-Poetry-Slam «Säg rächt!»: Diesmal wird in der Grabenhalle gebündnert, gerheintalert oder gezürchert, dazu kommen Gäste aus Ravensburg und Regensburg.
Gassenhauer: 26. März, 17.30 Uhr, Stadthaus, Gallusstrasse 14
Säg rächt! Dialekt-Poetry-Slam: 26. März, 21 Uhr, Grabenhalle
Lautstark kündigt sich auch der Gassenhauer an. Marcus Schäfer und Diana Dengler vom Theater am Tisch waren die letzten beiden Jahre pandemiebedingt nur per Video aus dem Lockdown zu hören und zu sehen, hier und hier. Jetzt komt das Duo wieder live zu Wort.
Günther und Emmi hauen dieses Jahr erstmals aus dem Stadthaus, dem Sitz der honorablen Ortsbürgergemeinde, auf das Altstadtpflaster und den Klosterplatz hinunter. Und kommen sich dabei, soviel sei verraten, deftig und humoristisch in die Haare – kein Wunder in genderkorrekten, diskriminierungssensiblen und kriegstraumatischen Zeiten wie diesen.
Achtung, vorverlegte Anfangszeit: Der Gassenhauer startet am Samstag um 17.30 Uhr (statt 20 Uhr) im Stadthaus an der Gallustrasse 14.
«Krieg ändert das Vokabular»
Den Auftakt zum diesmal auf Samstag und Sonntag gleichermassen verteilten Festivalprogramm macht am Freitagabend eine Stationenlesung bei der Militärkantine. Katja Brunner, Rolf Hermann und Adam Vogt lesen aus ihren Werken, und Schauspieler Marcus Schäfer hat Texte von Serhij Zhadan ausgewählt. Zhadan ist einer der populärsten ukrainischen Schriftsteller und ein scharfzüngiger Kritiker des Kriegs.
Stationenlesung mit Katja Brunner, Rolf Hermann, Marcus Schäfer und Adam Vogt: 25. März, 18 Uhr, Militärkantine
«Krieg ändert das Vokabular. Er reaktiviert Wörter, die man bis dato nur aus historischen Romanen kannte. Vielleicht weil Krieg immer auch die Geschichte reaktiviert. Man kann sie sehen, schmecken, riechen. Meist riechen sie verbrannt.» So steht es in der Einleitung zu Zhadans Gedichtband Warum ich nicht im Netz bin.
Und weiter, mit Bezug auf die Tagebuchnotizen aus Luhansk von 2014, die den zweiten Teil des 2016 bei Suhrkamp erschienenen Buchs bilden, schreibt Zhadan optimistisch – man liest solche Sätze heute mit grösster Beklemmung: «Ein Tagebuch ist eine offene Geschichte, die manchmal abreisst, um an einer anderen wieder einzusetzen. Sie wird fortgesetzt, solange du sie erzählst, solange du Anteil nimmst. Der Krieg geht irgendwann zu Ende, auch wenn er heute endlos aussieht. Die Städte, die Strassen, die Stimmen bleiben, es bleibt der Wunsch zu reden, der Wunsch zuzuhören.»
Aus dem jüngsten Lyrikband von Serhij Zhadan mit dem Titel Antenne, erschienen 2020, wird Marcus Schäfer zur Festivaleröffnung lesen.
Stadtrundgang mit Hörspur
Nicht fehlen darf am Wortlaut auch ein literarischer Stadtrundgang. Richard Butz und Nathalie Hubler führen diesmal vom Einstein über das Stickereiviertel in den Westen bis nach Bruggen. Der Verlag VGS Verlagsgenossenschaft St.Gallen, bei dem Butz seine neunbändigen Streifzüge durch das literarische St.Gallen Ich hätte grosse Lust auf einen Spaziergang herausgebracht hat, hat dazu eine Audiospur entwickelt.
Literatur in der Stadt: So, 27. März, 10 Uhr, Treffpunkt Hotel Einstein
Unter dem Titel «Lose statt läse» sind 60 Hörbeispiele aufgenommen worden, gesprochen von Matthias Flückiger, Nathalie Hubler, Adrian Riklin und Anna Schindler. Die Audiothek ist unter vgs-sg/literaturspaziergaenge-sanktgallen oder auf SoundCloud kostenlos zugänglich.
Wortlaut, das St.Galler Literaturfestival geht in sein zehntes Jahr: Zeit für eine Hommage oder Ende der Schonfrist? Ein fiktives Gespräch zwischen dem nörgelnden und dem applaudierenden Ich.
Das St.Galler Wortlaut-Festival 2021 ist digital – und trotzdem regional wie selten. Eine der neueren Ostschweizer Stimmen, die es zu entdecken gibt, ist Maya Olah. Sie präsentiert ihren Text «Im Hallenbad» am nächsten Sonntag als Video-Essay aus dem Volksbad.
Was wir scheinen ist der erste Roman der Literaturwissenschaftlerin Hildegard E. Keller. In der fiktionalen Biografie verbringt sie mit Hannah Arendt den Sommer 1975 im Tessin und lässt Erinnerungen und Freundschaften noch einmal aufleben. Keller liest dieses Wochenende am digitalen Wortlaut-Festival.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
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